Verkäuferin zeigt MittelfingerKrawattenkauf eskaliert – Zürcher Jude erlebt offenen Hass
Sven Ziegler
3.12.2025
In der Schweiz kommt es immer wieder zu Angriffen auf Juden.
sda
Ein Einkauf in der Zürcher Innenstadt endet für ein jüdisches Ehepaar mit einer schockierenden Konfrontation: Eine Verkäuferin verweigert den Verkauf, beschimpft den Kunden und zeigt den Mittelfinger.
Ein einfacher Einkaufsbummel wurde für einen jüdichen Mann und dessen Frau zu einem Erlebnis, das sie bis heute belastet. Wie die «NZZ» berichtet, wollte das orthodoxe Ehepaar an einem Mittwochnachmittag im Oktober lediglich eine neue Krawatte kaufen.
Als der Mann zwei Krawatten ausgewählt hat und diese kaufen möchte, wird die Verkäuferin laut. Sie bezeichnet die Ware als «kein Spielzeug», entreisst ihm die Modelle, rennt zurück in den Laden und schlägt die Tür vor seiner Nase zu. Auf seine Frage, ob sie ihm die Krawatten nicht verkaufen wolle, soll sie geantwortet haben: «Nein, lieber nicht!» Als der Mann wissen will, ob sie antisemitisch motiviert handele, ruft sie laut «Ja» und zeigt dem Paar den Mittelfinger.
Die Verkäuferin behauptet anschliessend, das Geschäft sei geschlossen, reisst laut «NZZ» den Zettel mit den Öffnungszeiten von der Tür und verriegelt diese. Der Mann ruft daraufhin die Polizei und reicht eine Anzeige wegen Beschimpfung und leichter Tätlichkeit ein. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt gegenüber der Zeitung, dass sie den Fall kennt.
Immer wieder Vorfälle in der Schweiz
Laut Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), haben Aggressionen gegen jüdische Menschen seit dem 7. Oktober 2023 massiv zugenommen. Er sagt gegenüber der «NZZ», die Zahl der Angriffe nehme insgesamt zu. Auch phyische Attacken seien immer weiter verbreitet: «Früher hatten wir alle paar Jahre eine physische Attacke. Im vergangenen Jahr waren es elf, eine davon beinahe tödlich».
Der Bund sowie die Stadt und der Kanton Zürich haben die Sicherheitsmassnahmen für jüdische Einrichtungen deutlich verstärkt. Im kommenden Jahr soll zudem eine neue Bundesstrategie gegen Rassismus und Antisemitismus präsentiert werden, mit Schwerpunkten bei Prävention und Bildung.
Auch ausserhalb der Stadt Zürich kommt es immer wieder zu Angriffen auf Juden. So kam es etwa in Davos GR zu einer Attacke von zwei Asylsuchenden auf einen 19-jährigen Juden. Der Fall endete 2025 mit einer Verurteilung des abwesenden Angeklagten. Auch dort zeigte sich: Antisemitische Gewalt ist längst kein Randphänomen mehr.