Blick in die GeschichteApril, April – aber wieso veräppeln wir uns heute?
Petar Marjanović
1.4.2026
Hier ein Symbolbild zum 1. April. Weiter unten gibt es Aprilscherz-Fotos aus dem Fotoarchiv unserer Bilderagentur. Schön in schwarzweiss – aber nicht so geeignet als Aufmacherbild.
Bild:Keystone
Seit Jahrhunderten wird am 1. April gelogen, erfunden und veräppelt – vom Schulhof bis zu Redaktionsräumen. Aber woher kommt der Brauch eigentlich? Kalenderreformen, Münzprojekte und uralte Geschichten liefern mögliche Erklärungen.
Es gibt nur wenige Traditionen, die sowohl Schüler*innen als auch Grosseltern kennen und zelebrieren: Am 1. April veräppelt man sich gegenseitig. Oder wie es die freie Enzyklopädie Wikipedia formuliert: Am ersten Tag des Aprils führen wir unsere Mitmenschen durch «erfundene oder verfälschte, meist spektakuläre oder fantastische Geschichten, Erzählungen oder Informationen in die Irre».
Doch woher kommt diese Tradition, die keinen Halt vor den Generationen macht? Wieso wussten unsere Grosseltern und sogar unsere Urgrosseltern bereits, dass man am 1. April nicht leichtgläubig in den Tag starten sollte?
Die kurze Antwort für all jene, die keine grosse Aufmerksamkeitsspanne haben: Ganz genau wissen wir es nicht.
Die längere Antwort hat es in sich. Denn je nach Quelle werden mehrere Theorien ins Spiel gebracht. Die Forschung geht von verschiedenen Faktoren aus, die alle irgendwie miteinander verflochten sind.
Auf gut Deutsch: Die Tradition ist einfach gewachsen.
Mehrere Gründe für Aprilscherz-Tradition
Eine der zentralsten Erklärungen ist die Kalenderreform im 16. Jahrhundert. Dazu muss man wissen: Es war nicht immer selbstverständlich, dass Menschen einen Kalender mit den heute bekannten Monaten hatten. Er musste irgendwann erfunden werden – und wurde mehrfach, aus nachvollziehbaren wie auch aus politischen Gründen, angepasst.
Eine dieser Reformen fand im Jahr 1564 statt: Der damalige König von Frankreich, Karl IX., entschied, dass das Kalenderjahr am 1. Januar beginnen sollte. Zuvor handhabte jede Region dies unterschiedlich.
Offenbar verbreitete sich die Verordnung nicht überall – oder wurde von manchen nicht befolgt. Einige Bürgerinnen und Bürger sollen daraufhin das Neujahr weiterhin am 1. April gefeiert haben – wofür sie als April-Narren verspottet wurden.
Zum Aprilscherz gibt es Literatur, die über hundert Jahre alt ist.
Archiv
Etwa zur selben Zeit, im Jahr 1530, entstand eine zweite Erklärung: Der «Augsburger Reichstag» – eine Art feudale Versammlung – wollte zahlreiche Neuerungen beschliessen, darunter auch Reformen im Münzwesen.
Sprich: Eine einheitliche Währung sollte eingeführt werden.
Angeblich wurde dabei der 1. April als «Münztag» festgelegt, an dem die Währungsreform definitiv in Kraft treten sollte. Kapitalisten hätten auf diesen Tag gewettet und viel Geld investiert. Als die Reform abgesagt wurde, gab es für die Spekulanten angeblich nur Spott als Gewinn.
Zumindest wird das seit dem 19. Jahrhundert regelmässig so erzählt – etwa in der «Nikolsburger Wochenſchrift» von 1876. Schon damals stellte ein Journalist fest: «Die sonderbare Sitte des ‹In April Schickens› ist mit Ausnahme von Portugal und Spanien in ganz Europa verbreitet.»
So berichtete die «Nikolsburger Wochenſchrift» am 1. April 1876 über den Ersten April.
Archiv
Andere Quellen sehen einen möglichen Zusammenhang mit der Bibel: Am 1. April soll der Jünger Judas Iskariot geboren worden sein – jener, der laut biblischer Überlieferung Jesus verriet.
Für einen älteren Ursprung spricht, dass Aprilscherze bereits im Mittelalter in Europa weit verbreitet waren. Sie waren so fest im Leben der Menschen verankert, dass selbst die Brüder Grimm 1854 Begriffe wie Aprillsnarr und «in den April schicken» verzeichneten. Erstmals schriftlich belegt ist die Redensart «in den April schicken» sogar schon im Jahr 1618 – solche Formulierungen entstehen nicht über Nacht.
Ob der Ursprung aber tatsächlich bis in die biblische Zeit zurückreicht? Eine andere Theorie stammt aus der englischsprachigen Forschung: Sie verweist auf Chaucers Märchensammlung The Canterbury Tales aus dem Jahr 1392. Darin soll ein eitler Hahn einen Fuchs hereingelegt haben – und zwar am 32. Tag nach dem 1. März, was dem 1. April entspricht.
Hier die versprochenen Aprilscherz-Fotos aus dem Archiv
Aprilscherz-Fotos aus dem Bilderarchiv
Bauarbeiter in Wallisellen sollen römische Säulen entdeckt haben, angeblich Überreste eines Forums aus der Zeit des Kaisers Tiberius. Tatsächlich handelt es sich um einen Aprilscherz – die «Säulen» sind blosse Stützpfeiler der neuen Winterthurerstrasse.
Bild: KEYSTONE
Eine angebliche neue Briefmarkenserie zeigt Bundesrat Willi Ritschard mit je nach Wert zunehmend fröhlichem Gesichtsausdruck. Der Aprilscherz behauptet, der Erlös komme den PTT-Betrieben und damit auch Ritschard selbst zugute.
Bild: KEYSTONE
Die PTT soll angeblich Briefmarken mit Werbesujets herausgegeben haben, unter anderem mit Alt-Bundesrat Gnägi und touristischen Motiven aus dem Tessin und Graubünden. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Aprilscherz, der mit Zustimmung der PTT entstanden ist.
Bild: KEYSTONE
Ein angebliches neues Autosystem soll Frauen ermöglichen, unangenehme Mitfahrer per Knopfdruck mit einem Schleudersitz aus dem Wagen zu befördern. Der Bericht ist ein Aprilscherz, der eine erfundene Vorführung dieser «Erfindung» in Zürich ankündigt.
Bild: KEYSTONE
Die Schweizerische Nationalbank soll angeblich die Zehnernote durch ein achteckiges Zehnfrankenstück ersetzen, um abgenutzte Banknoten zu vermeiden. In Wahrheit handelt es sich um einen Aprilscherz der Bildagentur.
Bild: KEYSTONE
Ein angeblich neu eingeführter «Privat-Zebrastreifen» aus leichtem Plastik soll Fussgängern erlaubt haben, überall eine eigene Überquerungshilfe auszulegen, die von Autofahrern respektiert werden müsse. Der humorvolle Bericht war jedoch ein klassischer Aprilscherz der Agentur Keystone/Photopress.
Bild: KEYSTONE
Aprilscherz-Fotos aus dem Bilderarchiv
Bauarbeiter in Wallisellen sollen römische Säulen entdeckt haben, angeblich Überreste eines Forums aus der Zeit des Kaisers Tiberius. Tatsächlich handelt es sich um einen Aprilscherz – die «Säulen» sind blosse Stützpfeiler der neuen Winterthurerstrasse.
Bild: KEYSTONE
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Bild: KEYSTONE
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Bild: KEYSTONE
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Bild: KEYSTONE
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Bild: KEYSTONE
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