Vom Aussenseiter zum KrisenministerKorruption, Chaos, Kündigungen – jetzt wartet auf Pfister ein Höllenritt
Dominik Müller
13.3.2025
Der neugewählte Bundesrat Martin Pfister wird unmittelbar nach der Wahl durch die Vereinigte Bundesversammlung vereidigt.
Bild:Keystone
Martin Pfister heisst der neue Bundesrat. Nach der Wahl ist vor der grossen Aufgabe: Als designierter VBS-Chef warten Korruptionsaffären, Armeeprobleme und ein Machtkampf im Bundesrat auf ihn.
Noch vor wenigen Wochen hätte wohl kaum jemand darauf gewettet: Der neue Mitte-Bundesrat heisst Martin Pfister. Zu Beginn als Alibi-Kandidat belächelt, hat der langjährige Zuger Regierungsrat den im Bundeshaus bestens vernetzten St. Galler Nationalrat Markus Ritter deutlich überflügelt.
Damit ist die Zentralschweiz erstmals seit 22 Jahren und dem Abtreten von Kaspar Villiger wieder in der Landesregierung vertreten. «Es ist an der Zeit», sagte Pfister kürzlich in einem Interview mit blue News dazu.
Am Mittwoch ist der 61-Jährige von seiner Familie, seiner Partei, seinem Kanton sowie seiner Heimatgemeinde Baar frenetisch gefeiert. Bereits ab heute dürfte seine Agenda allerdings eng getaktet sein: Vorgängerin Viola Amherd ist nur noch bis Ende März im Amt. Martin Pfister bleiben nur wenige Wochen, um sich in die Dossiers einzuarbeiten.
Dabei wird der neue Magistrat von der Bundeskanzlei unterstützt. Zur Vorbereitung gehört, dass ein neues Mitglied des Bundesrates die bisherige berufliche Tätigkeit aufgeben muss. In Zug werden entsprechend Ersatzwahlen für Pfisters Sitz im Regierungsrat fällig.
Zahlreiche Baustellen im VBS
Dass Martin Pfister von Viola Amherd auch das VBS übernehmen wird, gilt praktisch als gesichert. Offiziell wird das allerdings erst am Freitag, wenn der Bundesrat über die Departementsverteilung entscheiden wird.
Als neuer VBS-Vorsteher mangelt es Pfister gewiss nicht an Herausforderungen. Ein halbes Dutzend Armee-Schlüsselprojekte stecken in massiven Problemen. Zudem haben kürzlich sowohl Armee-Chef Thomas Süssli als auch Geheimdienstchef Christian Dussey gekündigt. Pfister wird entsprechend zeitnah wegweisende Personalentscheide fällen müssen.
Hinzu kommt der Korruptionsskandal rund um den bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat in einem Bericht eklatante Mängel in der Unternehmens- und der Departementskultur öffentlich gemacht. Martin Pfister wird in den kommenden Monaten auch daran gemessen werden, inwiefern es ihm gelingt, die Compliance zu verbessern.
Rechtsruck im Bundesrat?
Eine grosse Herausforderung für den neuen Mitte-Bundesrat wird es nun sein, die Mechanismen und Tücken von Bundesbern möglichst schnell kennenzulernen. Das ist insofern auch entscheidend, um im Bundesrat Mehrheiten zu erhalten. Das Gremium wurde zuletzt dem Vernehmen nach von einem bürgerlichen Viererblock regiert: Karin Keller-Sutter und Albert Rösti halten das Heft in der Hand, Ignazio Cassis und Guy Parmelin ziehen mit.
Geheimnisse sollte Martin Pfister als Bundesrat nicht ausposaunen. Anders ist die Sachlage natürlich, wenn er das entsprechende Instrument mit seiner Guggenmusik bespielt.
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Zumal aus dem Parlament am Wahltag bereits zahlreiche Forderungen geäussert wurden. So sehen die Grünen etwa den Umweltschutz und die soziale Gerechtigkeit als bedroht an. Der Grund: Mit Martin Pfister rücke der Bundesrat weiter nach rechts. «Er hat uns gesagt, dass er schauen wird, dass wir einen Zugang zu ihm haben und wir unsere Anliegen deponieren können», sagt Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli zu blue News.
«Neutralität ist wichtig»
Die SP wünscht sich laut Co-Präsidentin Mattea Meyer, dass Pfister Haltung für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zeigt. Er müsse ein Gegenspieler zu Trump und Putin sein und genau hinschauen, wie es zum Chaos in der Armee gekommen sei.
Und SVP-Präsident Marcel Dettling rät dem neuen Bundesrat im SRF-Interview mit warnendem Unterton, fremde Konflikte nicht in die Schweiz zu holen. «Neutralität ist wichtig», sagt Dettling. Pfister solle die «Sicherheit wiederherstellen».
Es sei an dieser Stelle wiederholt: An Herausforderungen mangelt es Martin Pfister nicht. Trotzdem sagt er kurz nach seiner Wahl: «Ich habe grosse Lust, das VBS zu führen.» Und in einer Sache sind sich in Bern alle einig: Zuzutrauen, das Departement wieder auf Kurs zu bringen, ist es Pfister allemal.
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