US-Senator bezweifelt, dass der F-35 das günstigste Angebot war

aru

11.11.2021

Sen. Tim Kaine, D-Va., speaks during a Senate Armed Services Committee hearing on the conclusion of military operations in Afghanistan and plans for future counterterrorism operations, Tuesday, Sept. 28, 2021, on Capitol Hill in Washington. (AP Photo/Patrick Semansky, Pool)
Der Demokrat Tim Kaine vermutet, dass das Angebot von Lockheed Martin das teuerste gewesen sein muss. Das VBS widerspricht.
AP

Wie hoch sind die Kosten für die 36 F-35 Kampfjets wirklich? Das Verteidigungsdepartement beteuert, es sei das günstigste Angebot. Der US-Sicherheitspolitiker Tim Kaine hat seine Zweifel.

aru

11.11.2021

Als Vize von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton erlangte Tim Kaine 2016 eine gewisse Bekanntheit. Der damals als blass und eintönig bezeichnete Demokrat findet in jüngster Zeit kernige Worte – zuletzt in einer Anhörung des Aussenpolitischen Ausschusses des US-Senats. Der von Joe Biden neu ernannte Botschafter in der Schweiz, Scott Miller, musste dort Fragen zu seiner neuen Aufgabe beantworten, als Kaine über den Kampfjet F-35 zu sprechen begann, wie «Watson» schreibt.

Kaine wollte von Miller wissen, warum sich die Schweiz für eine «teurere amerikanische Technologie» entschieden habe. Weil günstigere Angebote von europäischen Anbietern vorgelegen seien, habe ihn dies neugierig gemacht. Er fragte Miller, ob dieser die Entscheidung des Bundesrates interpretieren könne.

Der neue Botschafter Miller fand darauf keine Antwort, lobte aber den Entscheid der Schweizer Regierung und spekulierte, dass die sicherheitspolitische Nähe zu den USA ein Grund für den Entscheid sein könnte.

Auf welche Zahlen Kaine seine Bemerkungen abstützt, bleibt offen. Eine entsprechende Anfrage von «CH Media» sei unbeantwortet geblieben.

Fest steht aber, dass der Entscheid für das Modell F-35 von Lockheed Martin auch aus finanziellen Überlegungen getroffen wurde, wie Verteidigungsministerin Viola Amherd (Die Mitte) mehrmals sagte. In umfangreichen Evaluationen habe dieses Modell am besten abgeschnitten. Der Flieger weise den höchsten Gesamtnutzen und die tiefsten Gesamtkosten auf, heisst es.

Neben den fünf Milliarden Beschaffungskosten sollen im Verlauf der kommenden 30 Jahre weitere Ausgaben in der Höhe von rund zehn Milliarden für Unterhalt und Betrieb hinzukommen.

Aus Sicht der linken Parteien ist dies zu viel. Sie sammeln derzeit Unterschriften gegen den Kauf. Sie wollen, dass sich der Bund für einen europäischen Anbieter entscheidet.

Das VBS wurde unmittelbar nach Erscheinung des Artikels von «Watson» aktiv und veröffentliche eine Richtigstellung. Dort kann man die Aussagen Kaines nicht nachvollziehen. So liegen die Ausgaben mit 5,068 Milliarden Franken deutlich unter dem vom Stimmvolk gesprochenen Kredit von sechs Milliarden.

Hinsichtlich der Gesamtkosten in den kommenden 30 Jahren sei das Angebot von Lockheed Martin das günstigste gewesen – mit einem Abstand von rund zwei Milliarden Franken zum zweitgünstigsten Anbieter, heisst es beim VBS.

Der F-35 weise einen grossen technologischen Vorsprung gegenüber den anderen Kandidaten auf, schreibt das VBS, und dieser werde sehr lange Bestand haben.

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