Mängel im Amt für Bevölkerungsschutz IT-Panne legt grosse Krisenübung des Bundes lahm

Sven Ziegler

30.11.2025

Bei einer Übung des Babs kam es zuletzt zu einer grossen IT-Panne
Bei einer Übung des Babs kam es zuletzt zu einer grossen IT-Panne
KEYSTONE

Ein wichtiger Sicherheitstest des Bundes ist Anfang November ausgerechnet am eigenen IT-System gescheitert. Während die Behörden einen hybriden Angriff auf die Schweiz simulierten, fiel das zentrale Lagebild mehrfach aus.

Sven Ziegler

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  • Bei einer nationalen Krisenübung brach das zentrale Lagebildsystem mehrfach zusammen, teils ohne Zugriff für die Kantone.
  • Kantone und interne Prüfer kritisieren seit Längerem gravierende Führungs- und Digitalisierungsprobleme im Bundesamt für Bevölkerungsschutz.
  • Die Direktorin des Amts steht unter politischem Druck – der Bundesrat stärkt ihr vorerst den Rücken.

Als Bund und Kantone Anfang November eine der grössten Krisenübungen der letzten Jahre starteten, zeigte sich rasch ein altbekanntes Problem: Das zentrale IT-System, das ein schweizweites Lagebild liefern soll, brach mehrmals zusammen.

Für die kantonalen Krisenstäbe war zeitweise unklar, welche Meldungen aktuell sind und wie sich die Lage entwickelt, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. «Ohne Lagebild kann man nicht führen», sagt ein langjähriger Einsatzexperte – eine Einschätzung, die viele Beteiligte teilen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) bestätigt die Störung gegenüber der Zeitung. Am Morgen des 6. November sei der Zugriff auf das Lagebild verlangsamt oder gar nicht möglich gewesen. Erst nach Anpassungen habe das System stabil funktioniert. Bereits bei der letzten Übung 2024 war es zu ähnlichen Problemen gekommen.

Der neuerliche Ausfall verschärft die Kritik am Amt. Die Kantone bemängeln fehlende Fortschritte in der Modernisierung des Bevölkerungsschutzes – obwohl die sicherheitspolitische Lage angespannt ist. In einem internen Revisionsbericht des Verteidigungsdepartements warnen Prüfer, dass ein Cyberangriff oder Stromausfall «wesentliche Teile des Alarmierungssystems» lahmlegen könnte. Es fehlten klare Ziele, Verantwortlichkeiten und Prioritäten in der digitalen Transformation.

Schon AKW-Übung funktionierte nicht reibungslos

Im Zentrum der Kritik steht laut der «NZZ am Sonntag» seit längerem Babs-Direktorin Michaela Schärer. Sie verteidigt ihre Arbeit und verweist auf Sparvorgaben des Bundes. Kritik einstecken zu müssen, gehöre zu ihrer Aufgabe, schreibt sie. Dennoch belegen interne Umfragen und kantonale Stellungnahmen, dass die Unzufriedenheit mit dem Amt gross ist – besonders in Bereichen wie ABC-Schutz oder Krisenkommunikation.

Wie sensibel die Schwachstellen sind, zeigte bereits eine Übung beim AKW Gösgen: Die Alarmzentrale des Bundes verschickte widersprüchliche Informationen. Besonders heikel: Vorgaben zum Schutz vulnerabler Gruppen waren unklar.

Trotz der anhaltenden Kritik stärkt der Bundesrat seiner Amtschefin derzeit den Rücken. Eine Sprecherin des Verteidigungsdepartements betont, das Babs befinde sich «nicht in einer Krise». Bei den Kantonen sieht man das anders – und fordert mehr Tempo, mehr digitale Robustheit und verlässlichere Systeme. Der IT-Blackout während der Übung liefert dafür neue Munition.