Streit um Gesamtarbeitsvertrag Bauunternehmer warnt vor «Zuständen wie in Osteuropa»

SDA/Helene Laube

12.12.2025

Harte Arbeit bei jedem Wetter, nachts und an Wochenenden: Bauarbeiter auf einer Grossbaustelle in Zürich. (Archivbild)
Harte Arbeit bei jedem Wetter, nachts und an Wochenenden: Bauarbeiter auf einer Grossbaustelle in Zürich. (Archivbild)
Bild: Keystone/Walter Bieri

Die Baumeister und Bauarbeiter streiten seit Monaten um eine Lohnerhöhung im Baugewerbe in der Schweiz. Heute findet die nächste Verhandlungsrunde statt. Ohne Vereinbarung droht ab Januar ein landesweiter Branchenstreik.

SDA/Helene Laube

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  • In der Schweizer Baubranche tobt ein harter Arbeitskampf.
  • Die Baumeister und Bauarbeitern streiten seit Monaten über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag.
  • Die bisher neun Verhandlungsrunden über einen neuen Vertrag haben keine Einigung gebracht.
  • Ein Bauunternehmer warnt nun, dass es in der Schweiz zu «Zuständen wie in Osteuropa» kommen könnte, wenn die Gewerkschaften auf ihren Maximalforderungen beharrten und kein Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt werden kann.
  • Die Folgen wären seines Erachtens Schwarzarbeit, Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen. 
  • Am heutigen Freitag steht die zehnte Verhandlungsrunde an.
  • Im schlimmsten Fall droht laut Gewerkschaften und Baumeisterverband ab Januar ein nationaler Branchenstreik.

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) könnte laut «Blick» im nächsten Jahr ohne Gesamtarbeitsvertrag (GAV) – in der Branche Landesmantelvertrag genannt – dastehen. «Die Gewerkschaften beharren auf ihren Maximalforderungen.

So droht uns im nächsten Jahr ein vertragsloser Zustand», sagte Bauunternehmer Hans Aregger der Zeitung. «Dann drohen auf dem Bau Zustände wie in Osteuropa: Schwarzarbeit, Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen. Die unseriösen Firmen werden das ausnutzen», sagte Aregger, der auch im Vorstand des Baumeisterverbands Luzern ist.

Die Baumeister und Bauarbeitern streiten seit Monaten über einen neuen GAV. Im Vertrag sind die Löhne, Arbeitszeiten und andere Arbeitsbedingungen geregelt. Der aktuelle GAV läuft Ende Dezember aus. Die bisher neun Verhandlungsrunden über einen neuen Vertrag haben keine Einigung gebracht. Am heutigen Freitag steht nun die zehnte Verhandlungsrunde  an.

Die Gewerkschaften kritisieren die Arbeitszeiten, die länger würden und nicht familienfreundlich seien. Auch gebe es weniger Lohn für die Mitarbeitenden. Der Verband wiederum weise auf die europaweit höchsten Mindestlöhne im Schweizer Baugewerbe hin, schreibt SRF. Trotzdem wolle er die Löhne weiterhin der Teuerung anpassen. Auch die Jahresarbeitszeit bzw. die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 40,5 Stunden solle beibehalten werden.

Nationaler Branchenstreik möglich

Im schlimmsten Fall droht laut Gewerkschaften ab Januar ein vertragsloser Zustand und ein nationaler Branchenstreik. Zeigten sich die Baumeister nicht kompromissbereit, «wird es keine Lösung geben», so die Gewerkschaften. In diesem Fall trete per 1. Januar 2026 automatisch der vertragslose Zustand ein – «zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt».

Der Baumeisterverband teilte am Mittwoch mit, dass er nach Demonstrationen auf Baustellen im November gegen die Gewerkschaft Unia eine Klage wegen Verletzung der Friedenspflicht eingereicht habe. Die Gewerkschaft wies die Vorwürfe zurück.

Tessiner Maurer streiken

Tessiner Maurer streiken

Tessiner Maurer protestieren am heutigen Montag für bessere Arbeitsbedingungen und legen ihre Arbeit nieder. Hintergrund der Aktion sind die bisher gescheiterten Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und dem Baumeisterverband für einen neuen Landesmantelvertrag auf dem Bau. Der aktuelle Landesmantelvertrag läuft Ende Jahr aus. Bei einer Befragung hatten sich, wie die Gewerkschaften Unia und Syna am vergangenen Donnerstag mitteilten, fast 90 Prozent der Bauarbeitende für einen Streik ausgesprochen. Erste Protesttage sollen diese Woche stattfinden.

20.10.2025