Für Experten «zu spät» und «zu wenig»

Bei Omikron «nützen solche Massnahmen nur beschränkt»

phi

1.12.2021

Zertifikatspflicht bei privaten Treffen ab 11 Personen   

Zertifikatspflicht bei privaten Treffen ab 11 Personen   

Bundespräsident Guy Parmelin und Bundesrat Alain Berset haben heute die Menschen zur Vorsicht bei privaten Treffen aufgerufen. Besonders im Hinblick auf Weihnachts- und Silvesterfeiern sollen Familien mit älteren Menschen, welche nicht geimpft seien, aufpassen, so Parmelin.

01.12.2021

Wie reagieren Experten auf die vorgeschlagene Verschärfung der Corona-Massnahmen? Jan Fehr und Huldrych Günthard sind sich einig, dass die Politik zu spät handelt – und hätten sich mehr Mut gewünscht.

phi

1.12.2021

Der Bundesrat will handeln, doch Fachleute hätten sich ein früheres Eingreifen gewünscht. Der leitende Arzt an der Infektiologie am Unispital Zürich hätte die Massnahmen «schon vor zwei Wochen» ergriffen, sagt Huldrych Günthard dem «Tages-Anzeiger».

Die Ausweitung der Zertifikatspflicht sei dabei zwar ein «richtiger und auch wichtiger Schritt», doch der Experte hätte sich auch «eine Maskenpflicht für Kinder sowie Lehrerinnen und Lehrer» vorstellen können. Nun hofft Günthard darauf, dass zumindest die Impfung für Kinder bald den Pool von Massnahmen ergänzt.

Auch Infektiologe Jan Fehr zweifelt daran, dass die Massnahmen rechtzeitig kommen. «Österreich läutete vor über einer Woche einen Shutdown ein», erklärt er «20 Minuten». «Eine Trendwende zeichnet sich dort aber erst jetzt ab. Wir haben keine solch drastischen Massnahmen und gleichzeitig Omikron im Nacken.»

Huldrych Guenthard, Institut fuer Infektionskrankheiten und Spitalhygiene, Nicole Ochsenbein, Klinik fuer Geburtshilfe, und Gregor Zuend, CEO, und Peter Steiger, Institut fuer Intensivmedizin, von links, waehrend dem Point de Presse des Universitaetsspital Zuerich am Dienstag, 7. April 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Huldrych Günthard (links) vom Institut für Infektionskrankheiten und Kollegen an einem Point de Presse des Universitätsspital Zürich.
Archivbild: KEYSTONE

Für Fehr hätte es auch weiterreichende Beschlüsse geben können: «Denkbar wäre eine entschiedene Verlagerung hin zum Homeoffice, eine breite Anwendung des Zertifikats und auch 2G wäre sehr ernsthaft in Betracht zu ziehen», führt er aus. «In heiklen Situationen sogar 2G plus Maske, respektive 2G plus einen Test.»

Vieles «am Anschlag»

Doch warum reichen den Fachleuten die Vorschläge eigentlich nicht, die in die Vernehmlassung geschickt worden sind? Huldrych Günthard befürchtet, dass die Fallzahlen «weit höher sind» als gedacht. Die Spitäler seien zum Teil bereits wieder «am Anschlag». Und: «Testzentren und die Labors kommen teilweise kaum mehr nach mit dem Testen.»

Günthard spricht sich in Sachen Arbeitsplatz für den schärfsten der drei Vorschläge aus: die allgemeine Homeoffice-Pflicht. «Auch im Büro ist die Gefahr einer Ansteckung vorhanden», begründet er. Dass auf diesem Wege Omikron verhindert werden kann, glaubt Günthard einerseits nicht. «Da nützen solche Massnahmen nur sehr beschränkt», winkt er ab.

Andererseits hofft der Experte, dass «die vorgeschlagenen Einschränkungen wenigstens möglichst schnell und effizient umgesetzt werden». Mit Blick auf Quarantäne-Bestimmungen und Einreise prognostiziert er: «Man kann jetzt schon sagen, dass vielen von uns das Virus die Weihnachtszeit erneut verderben wird.»

Zunächst werden sich heute jedoch erst die Sozialpartner und Kantone zu den Bundesratsvorschlägen äussern müssen.