Viel Lob für SwissCovid-App – und einige Kritikpunkte

SDA/uri

25.6.2020 - 15:45

Corona-App läuft nicht auf älteren Geräten, das sorgt für Kritik

Corona-App läuft nicht auf älteren Geräten, das sorgt für Kritik

Seit Mitternacht kann die offizielle Corona-Warn-App des Bundes heruntergeladen werden. Für Kritik sorgt, dass die App nur auf neueren Geräten funktioniert, wie an einer gemeinsamen Medienkonferenz des BAG und der Entwickler in Bern klar wurde.

25.06.2020

Seit Mitternacht steht die offizielle Corona-Warn-App des Bundes zum Download bereit. Inzwischen wurde sie rund 150‘000 Mal heruntergeladen – und erste Nutzer berichten über ihre Erfahrungen.

Zahlreiche Behördenvertreter, darunter Gesundheitsminister Alain Berset, haben am Donnerstag für die Anwendung geworben und offene Fragen geklärt. «Ich habe die SwissCovid-App auf mein Smartphone geladen, und ich empfehle Ihnen, es mir gleichzutun», schrieb Berset auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Je mehr Personen die App nutzen, desto besser könne sich die Bevölkerung vor dem Virus schützen. «Es ist eine kleine Geste mit einer grossen Wirkung.»

Die App dient als Hilfsmittel für die die klassische Kontaktverfolgung (Contact Tracing). Die App soll helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Der Bundesrat hatte am Mittwoch die entsprechende Verordnung verabschiedet. Die freiwillige und kostenlose Anwendung ist in neun Sprachen verfügbar.

Internationale Anwendung in Arbeit

Mit der SwissCovid-App für Mobiltelefone werden Benutzer gewarnt, falls sie engen Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Wer sich nach einer Warnung auf Anordnung eines Arztes oder einer Behörde in Quarantäne begeben muss, hat Anrecht auf den Corona-Erwerbsersatz.



Dereinst soll es auch möglich sein, die SwissCovid-App mit ausländischen Apps zu verbinden. «Wir sind im Austausch mit den Nachbarstaaten auf der technischen und der regulatorischen Ebene», sagte Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Mittwoch. Man versuche, gemeinsam mit den EU-Staaten eine Vereinbarung zu finden, möglichst noch im Sommer.

Warnung vor Missbrauch

Sicherheitsbedenken rund um die App hat der Bundesrat keine. Die Anwendung sei eingehend auf die Sicherheit und die Benutzerfreundlichkeit getestet worden, hiess es. Während der Testphase seien keine Meldungen eingegangen, die als kritisch oder systemrelevant hätten beurteilt werden müssen.

Marcel Salathé, Leiter der bundeseigenen Expertengruppe «Digital epidemiology» wirbt am 23. Juni 2020 für die SwissCovid-App. 
Bild: Keystone

Der ausländische IT-Sicherheitshersteller Eset warnte am Donnerstag trotzdem vor Missbrauch. Die Erfahrung mit ähnlichen Tools im Ausland zeige, dass Cyberkriminelle alles versuchen würden, um mit gefälschten Apps, Websites und Phishing-Attacken Profit zu schlagen. Umso wichtiger sei es, die richtige App herunterzuladen.

150'000 Downloads seit Mitternacht

Weitere Personen kritisieren, dass die SwissCovid-App auf älteren Smartphones teilweise nicht genutzt werden könne. Bei iOS hat das mit dem Einbezug der Apple-Schnittstelle zu tun. Ältere Geräte können diese Schnittstelle nicht nutzen.

Frage der Woche: Werden Sie die SwissCovid-App nutzen?

Frage der Woche: Werden Sie die SwissCovid-App nutzen?

Am Donnerstag ist es so weit – Schweizerinnen und Schweizer können mithilfe der SwissCovid-App ihre Kontakte nachverfolgen. Doch will die Bevölkerung das Hilfsmittel überhaupt nutzen? «Bluewin» hat sich in Biel umgehört.

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Trotzdem wurde die Anwendung seit Mitternacht bereits 150'000 Mal geladen. Das sagte Mathias Wellig, Geschäftsführer der Firma Ubique, welche die App entwickelte. Kim vom BAG sagte, dass er zufrieden wäre, wenn 20 Prozent aller Smartphones die App installiert hätten.

Wichtiger als die Downloads ist dann aber die Zahl der aktiven Apps. «Die App wird hoffentlich ein nützliches Werkzeug zur Pandemie-Bekämpfung sein», sagte Epidemiologe Marcel Salathé. Ob sie das aber tatsächlich sei, wisse man nicht. «Da müssen wir bescheiden bleiben.»

Mehrheitlich positives Feedback

Auf den Vertriebsplattformen von Apple und Google fielen erste Reaktionen auf die App vornehmlich positiv aus, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Lob gab es demnach vor allem für die rasche und einfache Installation und die Übersichtlichkeit der App.

Allerdings würden manche Nutzer den Batterieverbrauch bemängeln. Der Besitzer eines Android-Telefons kritisierte den zusätzlichen Verbrauch, der sich trotz stromsparender Einstellungen «bereits in den ersten Stunden bemerkbar» mache. Ein Twitter-User gab den Energieschwund während der Pilotphase laut «Tages-Anzeiger» mit zwischen acht und elf Prozent an. Das seien sechs Prozent mehr, als von den Machern ursprünglich angegeben.

Ausserdem hätten Android-Nutzer bemängelt, dass man bei Inbetriebnahme der App auch die aktivieren müsse, obwohl die App eigentlich über Bluetooth laufe. Das Problem sei dem Bund das Problem seit Wochen bekannt. Allerdings könne beim Android-Betriebssystem die GPS- nicht unabhängig von der Bluetooth-Aktivierung erfolgen. Deshalb könne der Bund hier keine Abhilfe schaffen.


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