Wirtschaftsvertreter GantnerBesserer Zoll-Deal war zum Greifen nah
Jan-Niklas Jäger
28.11.2025
Unternehmer Alfred Gantner war Teil der Schweizer Delegation im Weissen Haus Anfang November.
Bild: Keystone
Hat die Schweiz bereits im Mai die Chance auf einen besseren Zoll-Deal verpasst? Laut Alfred Gantner: ja. Einen Vorwurf formuliert der Unternehmer aber nicht.
Sechs Schweizer Unternehmer*innen reisten Anfang des Monats nach Washington, um sich im Weissen Haus mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Einer von ihnen war Alfred Gantner, Mitgründer der Partners Group.
Bislang sind wenige Details zu dem Treffen nach aussen gedrungen. Nun hat Gantner in mehreren Interviews von seinen Erlebnissen in Washington berichtet – und seine Einschätzung zu den Kontroversen gegeben, von denen die Reise umgeben war.
Das Potenzial zur Kontroverse hat auch eine Aussage Gantners im Gespräch mit dem «Tagesanzeiger». Von US-Seite habe er erfahren, dass Helene Budliger im Zeitraum von April bis Mai einen Entwurf mit einem Zollsatz von nur zehn Prozent ausgehandelt hatte. Die Schweiz hätte es Grossbritannien gleich tun können und diesen bereits im Mai abschliessen.
USA haben «gemerkt, dass sie mehr herausholen können»
Gescheitert sei das am Schweizer System. «Der Gesamtbundesrat brauchte mehrere Sitzungen, und als er nach sechs bis acht Wochen Bedenkzeit den Deal akzeptieren wollte, hatten die USA in der Zwischenzeit von Deals mit anderen Ländern abgeschlossen und gemerkt, dass sie mehr herausholen können», so Gantner.
«Ich will niemandem einen Vorwurf machen», betont der 57-Jährige, «Unser System funktioniert nun mal so, wie es funktioniert.» Im November einigte sich die Schweiz mit Washington schliesslich auf die Senkung der Zölle von 39 auf 15 Prozent.
Dass anstelle von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter ein Team aus sechs Wirtschaftsvertreter*innen nach Washington reiste, wurde vielerorts kritisch gesehen.
Anzeige wegen Gastgeschenken
Gantner erklärt die Entscheidung mit einer praktischen Überlegung, die dahinter gestanden habe: «Wir wussten nicht, ob das Treffen mit Trump ein Erfolg würde», erläutert er. «Wäre an unserer Stelle die Bundespräsidentin gegangen und es wäre gescheitert, wäre die Schweiz offiziell bei Trump erneut aufgelaufen.»
Dadurch, dass lediglich eine Gruppe von Wirtschaftsvertreter*innen die Gespräche übernahm, wären es «nur ein paar Unternehmer gewesen, die abgeblitzt wären». Den offiziellen Verhandlungen hätte das kaum einen Abbruch getan.
Die Übergabe eines Goldbarrens und einer Rolex durch die Schweizer Delegation hatte Korruptionsvorwürfe zur Folge. Grüne und Juso haben das sogenannte «Team Switzerland» – so der Spitzname der Delegation – sogar angezeigt.
Trump diktierte Truth-Social-Post vor Schweizern
Gantner verteidigt die Geschenkgaben als Teil der «diplomatischen Gepflogenheiten». «Unsere Geschenke waren rein symbolischer Natur und mit einer Botschaft verbunden.»
Dabei habe der Goldbarren auf die Genfer Firma MKS verweisen sollen, die in naher Zukunft ebensolche Barren in Oklahoma produzieren werde. Die Rolex-Uhr habe verdeutlichen sollen, «dass die Schweizer Wirtschaft keine Zeit verlieren» werde, «das Handelsdefizit der USA nachhaltig zu reduzieren».
Das Treffen mit Trump im Oval Office beschreibt Gantner indes als «wie im Film». Trump habe seinen Handelsbeauftragten Jamieson Greer gefragt, ob der «Deal gut genug» sei. Nachdem der das abgenickt hatte, habe er ihn angehalten, den Vertrag mit dem Bundesrat abzuschliessen.
Danach habe er eine Assistentin gerufen. «Trump lehnte sich nach hinten, schloss die Augen und diktierte ihr, was im nächsten Post auf seinem Netzwerk Truth Social stehen soll», erinnert sich Gantner zurück. «Kurz darauf ging die Nachricht über das Treffen online.»