Fall könnte Hunderte Bussen kippenTemposünder doch unschuldig – Glarner Polizist soll Beweise manipuliert haben
ai-scrape
12.12.2025 - 09:59
Ein Urteil im Kanton Glarus stellt nun zahlreiche Bussen infrage.
Imago
Weil ein Polizist mutmasslich Beweisfotos manipulierte, hat das Glarner Obergericht einen geblitzten Autofahrer freigesprochen. Der Fall wirft Fragen zur Integrität der Polizeiarbeit auf.
Im Frühjahr 2021 erhielten rund 600 Auto- und Töfffahrer im Kanton Glarus Bussen, nachdem sie auf einer temporären Tempo-50-Strecke am Kerenzerberg geblitzt worden waren.
Einer der Betroffenen, Markus Liver, akzeptierte die Strafe nicht und zog vor Gericht. Er argumentierte, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht ordnungsgemäss ausgeschildert war, wie er SRF erzählt. Das Glarner Obergericht gab ihm zunächst recht, doch das Bundesgericht verwies den Fall zurück.
In einer erneuten Verhandlung sprach das Glarner Obergericht Liver nun erneut frei. Der Grund ist brisant: Ein Polizist soll Beweisfotos manipuliert haben. Die betroffenen Fotos sollten den Standort der Verkehrsschilder zur Zeit der Kontrolle dokumentieren. Vor Gericht stellte sich allerdings heraus, dass die Bilder nicht aus dem fraglichen Zeitraum stammten.
Verdächtige Vegetation
So stellte das Gericht fest, dass die Vegetation auf den Polizeifotos nicht mit der Jahreszeit übereinstimmte. Während die Bäume auf den Polizeifotos bereits Laub trugen, waren sie auf einem privaten Foto aus dem gleichen Zeitraum noch kahl. Dies führte zu der Schlussfolgerung, dass die Fotos nachträglich aufgenommen wurden, um die Situation zu rekonstruieren.
Hat sich erfolgreich gegen die Busse gewehrt: Markus Liver.
Screenshot SRF
Der verantwortliche Polizist hatte zudem widersprüchliche Angaben zum Standort der Schilder gemacht. Das Gericht kritisierte das Vorgehen als manipulativ und entschied, dass nicht zweifelsfrei festgestellt werden könne, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung korrekt signalisiert war. Daher wurde Liver freigesprochen.
Die Glarner Kantonspolizei hat angekündigt, den Fall intern zu untersuchen. Kommandant Richard Schmidt betont gegenüber SRF, dass man das Urteil zur Kenntnis nehme und den Vorfall aufarbeiten wolle.
Neben Livers Fall sind noch vier weitere ähnliche Fälle anhängig. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnten auch diese Betroffenen von der Zahlung der Bussen befreit werden – zusammen mit Hunderten weiteren.
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