Es fehlen RessourcenBrandschutzkontrollen werden teils jahrzehntelang ausgesetzt
Sven Ziegler
8.1.2026
Stille nach der Katastrophe: Tränen, Blumen und Schock – Crans-Montana gedenkt der Opfer
Nach dem verheerenden Brand in der Neujahrsnacht ist die Betroffenheit in Crans-Montana gross. Rund 400 Personen nahmen am Donnerstagabend an einem Gottesdienst teil. Am Unglücksort erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie.
02.01.2026
Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 40 Todesopfern geraten die Brandschutzkontrollen im Wallis in den Fokus. Nun wird klar: Nicht nur das betroffene Lokal blieb jahrelang ungeprüft – in zahlreichen Gemeinden werden Kontrollen unregelmässig oder gar nicht durchgeführt.
In Crans-Montana blieb das Lokal «Le Constellation» laut Behörden von 2020 bis 2025 ohne die gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Brandschutzkontrollen.
Recherchen zeigen, dass auch viele andere Walliser Gemeinden die Kontrollintervalle nicht einhalten, meist wegen fehlender personeller Ressourcen.
Kanton und Gemeinden diskutieren nun Reformen wie regionale Sicherheitsdienste oder eine kantonale Gebäudeversicherung.
Der verheerende Brand in der Silvesternacht in Crans-Montana hat nicht nur eine strafrechtliche Untersuchung ausgelöst, sondern auch eine Grundsatzdebatte über den Brandschutz im Wallis. So war das betroffene Lokal «Le Constellation» letztmals 2019 kontrolliert worden – obwohl das Gesetz jährliche feuerpolizeiliche Kontrollen vorsieht.
Die Gemeinde Crans-Montana räumte später ein, dass zwischen 2020 und 2025 insgesamt sechs vorgeschriebene Kontrollen nicht durchgeführt wurden. Gemeindepräsident Nicolas Féraud wies gegenüber Medien Vorwürfe von Begünstigung oder Nähe zwischen Behörden und Betreibern zurück, konnte die Versäumnisse aber nicht abschliessend erklären.
Trauer in Crans-Montana: Blumenmeer und Kerzen für Opfer des Silvesterbrandes
Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa
Wie der «Walliser Bote» berichtet, ist Crans-Montana kein Sonderfall. In mehreren Walliser Gemeinden werden öffentliche Betriebe wie Bars, Restaurants und Hotels nicht im gesetzlich vorgesehenen Rhythmus überprüft.
Vielerorts fehlen Ressourcen
Ein besonders deutliches Beispiel lieferte die Gemeinde Crans-Montana selbst: 2025 seien von 128 kontrollpflichtigen Betrieben lediglich 40 tatsächlich überprüft worden – weniger als ein Drittel.
Betreiber anderer Lokale bestätigten gegenüber dem «Walliser Boten», dass sie zwar punktuell, aber keineswegs jährlich kontrolliert worden seien. Grundsätzlich ist die Lage klar geregelt: Öffentliche Gebäude müssen im Wallis jährlich feuerpolizeilich kontrolliert werden.
Zuständig sind die Gemeinden. Doch genau hier liegt laut mehreren Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten das Problem. Wie Romy Biner-Hauser, Gemeindepräsidentin von Zermatt, diese Woche gegenüber SRF erklärte, fehlten vielerorts schlicht die personellen Ressourcen.
In manchen Gemeinden sei nur eine einzelne Fachperson für hunderte Betriebe zuständig. Der Walliser Bote zitiert mehrere Gemeinden, die offen einräumen, die gesetzlichen Vorgaben nicht vollständig erfüllen zu können.
Kleinere Gemeinden greifen auf Externe zurück
Die Recherchen zeigen ein stark uneinheitliches Bild. Während Gemeinden wie Visp oder Naters laut eigenen Angaben die Kontrollen weitgehend einhalten, berichten andere offen von Rückständen.
In der Gemeinde Val de Bagnes etwa, zu der auch Verbier gehört, stehen laut Walliser Bote mehrere Sicherheitsbeauftragte im Einsatz – dennoch könnten die gesetzlichen Intervalle nicht eingehalten werden, da die Zahl der Betriebe zu hoch sei.
Kleinere Gemeinden wiederum greifen auf externe Fachpersonen zurück oder priorisieren Kontrollen nach Risiko. Eine flächendeckende, jährliche Überprüfung sei aus finanziellen und personellen Gründen «schlicht nicht realisierbar», sagte etwa der Gemeindepräsident von Fiesch gegenüber dem Walliser Bote.
Mehrere Politikerinnen und Politiker brachten nach Crans-Montana deshalb erneut die Einführung einer kantonalen Gebäudeversicherung ins Spiel. Ein entsprechender Vorstoss ist derzeit im Grossen Rat hängig, wie Le Nouvelliste berichtet.
Der Walliser Staatsrat kündigte an, die Brandschutzgesetzgebung zu überprüfen. Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer sagte gegenüber «Le Nouvelliste», die Ereignisse von Crans-Montana würden in die laufenden Reformüberlegungen einfliessen.
Diskutiert werden unter anderem regionale Zusammenschlüsse von Sicherheitsdiensten sowie eine stärkere Unterstützung der Gemeinden durch den Kanton.
Brandschutzexperte: «Das hätte nicht passieren dürfen»
Nach dem verheerenden Brand von Crans-Montana nimmt ein Brandschutzexperte Stellung. Er sagt, dass sich das Inferno hätte verhindern lassen.