Gefahr in Chippis VS250-Meter-Erdspalt wächst täglich – Walliser Dorf droht Evakuierung
SDA
11.3.2026 - 10:25
Der Erdriss im Val d'Anniviers ist fast 250 Meter lang und zwischen 80 Zentimeter und 1 Meter breit.
Keystone
Geologen überwachen einen wachsenden Bruch im Hang nahe Chippis VS. Die instabile Erdmasse könnte in Etappen abrutschen. Behörden bereiten vorsorglich Evakuierungspläne vor.
Im Val d’Anniviers im Wallis wächst eine 250 Meter lange Erdspalte täglich um 2–4 Millimeter.
Behörden befürchten einen möglichen Hangrutsch.
Ein möglicher Abrutsch könnte den Fluss Navizence blockieren, Hochwasser verursachen und das Dorf Chippis VS gefährden, weshalb Evakuierungspläne und Notfallmassnahmen vorbereitet werden.
Im Walliser Val d'Anniviers vergrössert sich eine Bruchlinie im Erdreich täglich um 2 bis 4 Millimeter und erreicht inzwischen eine Länge von 250 Metern. Die Behörden befürchten einen Hangrutsch und bereiten Sicherheitsmassnahmen und Evakuierungspläne für Chippis VS vor.
Neben dem Hauptriss in der Nähe des Dorfes Grimentz – genauer im Ortsteil «Les Fios» – stellten Geologen mehrere sekundäre Verwerfungen fest. Die instabile Masse umfasst rund 500'000 Kubikmeter. Der Ort wird seit Oktober 2025, also seit der Entdeckung der Bruchstelle, aktiv überwacht.
Zum Vergleich: Das Dorf Blatten im Walliser Lötschental war im Mai 2025 von 9 Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis verschüttet worden.
Die Verwerfung im Val d'Anniviers im Unterwallis entstand infolge der Hochwasserereignisse von 2018 und 2024. Das Flussbett, das als Fundament für den darüber liegenden Hang diente, wurde durch das Wasser geschwächt. Ohne diese Stütze begann die Erdmasse langsam abzurutschen, was zu einer erheblichen Bodensenkung führte und einen 250 Meter langen und zwischen 80 Zentimeter und 1 Meter breiten Riss entstehen liess.
Drohne überfliegt Ort wöchentlich
Es wurden Überwachungsinstrumente installiert, um die Bewegungen kontinuierlich zu messen. Dabei handelt es sich um Längenmessgeräte, einen Laserscanner und eine Webcam. Eine Drohne überfliegt den Ort jede Woche. Die grossen Bäume am Hang wurden vorsorglich gefällt.
Aus Sicherheitsgründen wurde die Bevölkerung gebeten, sich nicht dem Gebiet zu nähern. Bei einer Beschleunigung der Bewegungen kann ein Alarm ausgelöst werden.
Das «Katastrophenszenario» wäre, dass die gesamte instabile Masse auf einmal abrutscht. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Geologen jedoch davon aus, dass dies in mehreren Etappen geschehen wird.
Ein Einsturz könnte die Navizence, den unterhalb der Verwerfung gelegenen Fluss, verstopfen. Die Bildung eines temporären Sees würde insbesondere bei der Schneeschmelze zu erheblichen Hochwassergefahren führen. Dies könnte für das Dorf Chippis in der Ebene sowie das Stromnetz des Val d'Anniviers gefährlich werden. Eine Notstromleitung soll zu Beginn des Sommers bereitstehen.
Zivilschutzräume reserviert
In Chippis beobachten die Behörden die Lage aufmerksam. Die Navizence fliesst durch das Dorf und könnte bei Hochwasser über die Ufer treten. Vorsorglich wurden bereits Plätze in den Zivilschutzräumen der umliegenden Dörfer für den Fall einer Evakuierung von Chippis reserviert.
Die Bevölkerung von Chippis wurde am Montagabend zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, bei der die Behörden einen Überblick über die Lage gaben.
Fast 300 Einwohner, also etwa 20 Prozent der Bevölkerung, waren anwesend, wie der Gemeindepräsident von Chippis, Olivier Perruchoud, am Dienstagmorgen zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die grösste Sorge der Bürgerinnen und Bürger sei gewesen, wie viel Zeit sie für eine Evakuierung hätten und ob sie evakuiert werden müssten.
Video aus dem Ressort
Im Jahr 2029 soll Blatten aufgebaut sein
In Ferden im Walliser Lötschental stellen der Staatsrat und die Gemeindebehörden den Fahrplan für den Wiederaufbau des von einem Bergsturz zerstörten Dorfs Blatten vor. Diesen Fahrplan hat der Kanton gemeinsam mit der Gemeinde Blatten erarbeitet.