Wirbel in Schaffhausen Grüne schlagen Jungpolitiker zur Wahl vor – dann kommt's zum Eklat 

Petar Marjanović

15.12.2025

Der Grüne Maurus Pfalzgraf wurde nicht zum zweiten Parlamentsvize in Schaffhausen gewählt.
Der Grüne Maurus Pfalzgraf wurde nicht zum zweiten Parlamentsvize in Schaffhausen gewählt.
ZVG

Die Wahl hätte Routine sein sollen. Es kam anders: Im Schaffhauser Kantonsrat fiel der junge Grüne Maurus Pfalzgraf bei den Bürgerlichen durch.

Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Schaffhauser Kantonsrat scheiterte der Grüne Maurus Pfalzgraf bei der Wahl zum zweiten Vizepräsidenten.
  • Bürgerliche Parteien verweigerten ihm die Mehrheit. Das Amt ebnet traditionell den Weg ins Parlamentspräsidium.
  • Die SP sprach von Misstrauen und einer Absage an junge Politiker.

Im Schaffhauser Kantonsrat ist es am Montagmorgen zu einem Eklat gekommen. Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten stellten die linksgrünen Parteien den Grünen Kantonsrat Maurus Pfalzgraf (26) als Kandidaten auf.

Nach parlamentarischer Tradition rückt der zweite Vizepräsident in der Regel im Folgejahr zum ersten Vizepräsidenten auf und übernimmt ein Jahr später das Präsidium des Kantonsrates. Pfalzgraf hätte damit 2028 Aussicht gehabt, höchster Schaffhauser zu werden. Dazu kommt es vorerst nicht.

Noch vor dem Wahlgang erklärte die SP-Kantonsrätin Isabelle Lüthi, man habe von Vertretern der bürgerlichen Fraktionen SVP/EDU sowie FDP/Mitte vernommen, dass sie den linken Kandidaten mehrheitlich nicht wählen würden. Lüthi appellierte an die Bürgerlichen, ihre Haltung zu überdenken. Man störe sich möglicherweise an der «manchmal unkonventionellen Art» Pfalzgrafs; neue Perspektiven und frischer Wind täten dem Rat jedoch gut, sagte sie.

Absolutes Mehr knapp verpasst

Der Appell blieb wirkungslos. Pfalzgraf erhielt lediglich 25 von 57 Stimmen und verfehlte damit das absolute Mehr von 28 Stimmen. Weitere Stimmen entfielen auf Kandidierende der SP: Irene Gruhler Heinzer erhielt 17 Stimmen, Marco Passafaro 11.

Schaffhauser Kantonsrätin Isabelle Lüthi

Schaffhauser Kantonsrätin Isabelle Lüthi

Die Wahl hätte Routine sein sollen, doch sie endete im Eklat. Im Schaffhauser Kantonsrat fiel der junge Grüne Maurus Pfalzgraf bei den Bürgerlichen durch.

15.12.2025

Unmittelbar nach der Nichtwahl ergriff Lüthi erneut das Wort und beantragte, die Wahl auf die erste Sitzung des kommenden Jahres zu verschieben. Die Ablehnung des Kandidaten sei ein «Zeichen des Misstrauens gegenüber unserer Fraktion» und gefährde die gute Zusammenarbeit im Rat. Zudem könne sie als «Absage an die junge Generation in der Politik» verstanden werden.

Dem widersprach FDP-Kantonsrat Lorenz Laich. Die bürgerlichen Parteien hätten ihre Ablehnung offen kommuniziert. Man habe «mit offenem Visier gespielt» und auch Pfalzgraf gegenüber klargemacht, weshalb man die Voraussetzungen für seine Wahl nicht gegeben sehe.

Wirbel um Staatsanwalt-Wahl

Welche konkreten Vorbehalte ausschlaggebend waren, wurde in der Debatte nicht protokolliert. Pfalzgraf hatte jedoch zu Jahresbeginn für Irritationen gesorgt, als er beantragte, die Wiederwahl des Staatsanwalts Andreas Zuber zu verschieben.

Im Januar 2025 sprach er von «Vorwürfen» gegen Zuber und von «teilweise krassen Verfahrensfehlern». Sein Vorstoss stiess im Rat auf Widerstand. Der Versuch, die Vorwürfe auszuführen, wurde mittels Ordnungsantrag unterbunden (siehe Video unten). Bürgerliche Kreise bezeichneten Pfalzgrafs Vorgehen damals als «Hexenjagd». Zuber schaffte damals die Wiederwahl, jedoch mit einem denkbar schlechten Resultat.

Maurus Pfalzgraf will Vorwürfe gegen Staatsanwalt äussern

Maurus Pfalzgraf will Vorwürfe gegen Staatsanwalt äussern

Der Grüne Kantonsrat Pfalzgraf sprach im Januar von «Vorwürfen» gegen Zuber und von «teilweise krassen Verfahrensfehlern». Sein Vorstoss stiess im Rat auf Widerstand; der Versuch, die Vorwürfe auszuführen, wurde mittels Ordnungsantrag unterbunden.

15.12.2025