Social Media für Kinder verbieten? Bundesrätin Baume-Schneider offen für strengere Regeln

Samuel Walder

21.12.2025

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zeigt sich offen für ein Verbot für Social Media in der Schweiz.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zeigt sich offen für ein Verbot für Social Media in der Schweiz.
KEYSTONE

Australien macht es vor, die EU zieht nach – und die Schweiz? Interne Dokumente und neue Aussagen aus dem Bundesrat zeigen: Beim Schutz von Kindern auf Social Media steht ein Kurswechsel bevor.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Bundesrat gerät wegen mangelnden Schutzes von Minderjährigen auf Social Media unter Druck, nachdem strengere Regeln seit 2023 mehrfach verworfen wurden.
  • Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider zeigt sich nun offen für ein Verbot nach australischem Vorbild und kündigt eine vertiefte Diskussion sowie einen Bericht im neuen Jahr an.
  • Das Parlament fordert entschiedeneres Handeln, während das geplante Gesetz über Kommunikationsplattformen nach der Vernehmlassung noch verschärft werden könnte.

Lange tat sich der Bundesrat schwer mit strengeren Regeln zum Schutz von Minderjährigen auf Social Media – nun steht er unter Zugzwang. Wie Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen, wurden bereits im Frühjahr 2023 erste Massnahmen diskutiert, jedoch wieder verworfen. Besonders brisant: interne Kritik aus dem Verteidigungsdepartement, das im Herbst 2024 festhielt, es sei «nicht nachvollziehbar», warum Schweizer Kinder schlechter geschützt werden sollten als ihre Altersgenossen in der EU.

Ein überraschendes Detail: Nach der Wiederwahl von Donald Trump im November 2024 schrieb ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) an das zuständige Bundesamt Bakom, man müsse «die Politik der künftigen US-Administration» im Auge behalten. Offenbar spielte auch die Angst vor diplomatischen Irritationen eine Rolle.

Baume-Schneider: «Bin offen für ein Verbot»

Jetzt zeigt sich Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (SP) deutlich offener: In einem Interview mit dem «Sonntags Blick» sagt sie:

«Ich bin offen für ein Social-Media-Verbot. Wir müssen unsere Kinder besser schützen.» Sie verweist auf das australische Modell, wo unter 16-Jährige vom Zugang zu Plattformen ausgeschlossen werden sollen. Im neuen Jahr soll das Thema im Bundesrat intensiv diskutiert werden, ein Bericht ist in Arbeit.

Parlament macht Druck

Im Parlament wächst der Unmut: Viele fordern, dass der Bundesrat beim Jugendschutz im digitalen Raum endlich nachzieht. Baume-Schneider betont, Social-Media-Plattformen müssten mehr Verantwortung übernehmen – und verweist auf das geplante Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen, das sich aktuell in der Vernehmlassung befindet.

«Was Kalifornien oder Washington wollen, ist nicht relevant. Wir tragen die Verantwortung für den Schutz unserer Kinder.»

Laut Bakom könnten nach der Vernehmlassung noch zusätzliche Massnahmen in die Gesetzesvorlage aufgenommen werden.