Grippe im BundeshausBundesrat Rösti ist krank – was passiert in einer solchen Situation?
Petar Marjanović, Bern
14.1.2026
Der Schweizer Bundesrat wird von alltäglichen Krankheiten nicht verschont.
Keystone
Wenn ein Bundesrat krank wird, läuft vieles weiter wie gewohnt. blue News erklärt, welche Mechanismen greifen, wenn ein Mitglied der Landesregierung ausfällt – und weshalb daraus kein Drama entsteht.
Bundesrat Albert Rösti ist diese Woche erkrankt. Berichten vom Montagmorgen zufolge musste der Vorsteher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation zunächst alle Termine absagen. Am Mittwoch teilte sein Departement mit, eine Magen-Darm-Grippe habe ihn stärker als zunächst angenommen beeinträchtigt. Er werde deshalb bis Ende Woche weitere Verpflichtungen nicht wahrnehmen können.
Betroffen waren unter anderem zwei Medienkonferenzen zu anstehenden Volksabstimmungen: Rösti wollte in dieser Woche die Position des Bundesrates zur SRG-Initiative sowie zur Klimafonds-Initiative erläutern. Beide Termine wurden auf nächste Woche verschoben.
Rösti ist mit seiner Erkrankung dieser Tage nicht allein. Laut Daten des Bundesamtes für Gesundheit ist die Grippewelle im Gang. Viele Menschen suchen derzeit wegen Fieber, Husten oder Schnupfen ärztliche Hilfe auf. Nicht wenige bleiben vorsorglich zu Hause, um sich zu schonen und andere nicht anzustecken.
Doch wie ist dies bei einem Bundesrat geregelt? Muss auch er ein Arztzeugnis vorlegen – und wenn ja, wem?
Bundesrat Albert Rösti musste diese Woche mehrere Termine absagen.
Keystone
Brauchen Bundesräte ein Arztzeugnis?
Die kurze Antwort lautet: Bundesräte gelten als Magistratspersonen und nicht als Angestellte. Ihre Rechte und Pflichten sind nicht vertraglich geregelt, sondern in Gesetzen und Verordnungen festgehalten. In der Sammlung der bundesrätlichen Bestimmungen (Aide-mémoire) heisst es etwa: «Die Mitglieder des Bundesrates müssen grundsätzlich immer erreichbar sein.»
«Die Mitglieder des Bundesrates müssen grundsätzlich immer erreichbar sein.»
Was dies im Alltag bedeutet, ist allerdings nicht bis ins Detail festgelegt. Aus der Bundesverwaltung ist einhellig zu hören, dass sich die Praxis weitgehend an jener normaler Angestellter orientiert. Eine bundesratsnahe Quelle sagt: «Alle haben ihre Aufgaben und erfüllen diese selbstständig.» Nicht jedes Detail müsse vom Bundesrat persönlich entschieden werden, dafür seien die Kader der Fachämter zuständig. «Ein Bundesrat kann sich darauf verlassen, dass sein Personal ihm den Rücken freihält, wenn es mal nicht geht», sagt ein Bundesangestellter.
Entsprechend sei auch klar, was geschehe, wenn ein Bundesrat einen Termin nicht wahrnehmen könne: Es werde eine Vertretung organisiert. Muss ein Geschäft in einer Parlamentskommission vertreten werden, kann dies auch eine Amtsdirektorin oder ein Amtsdirektor übernehmen. In der Praxis sei dies selten problematisch, da Standpunkte und Hintergründe frühzeitig abgestimmt und dokumentiert würden.
Manchmal muss Rösti persönlich entscheiden – oder an Martin Pfister delegieren
Komplexer sind Entscheide, die ausschliesslich von einem Bundesratsmitglied gefällt werden können, etwa formelle Verfügungen. Lassen sich solche nicht aufschieben, kommt die Stellvertretung zum Zug. Jedes Mitglied der Landesregierung hat dafür eine Vertretung bestimmt, die bei Bedarf einspringt.
Im Fall von Verkehrs- und Umweltminister Rösti ist Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) als Stellvertreter vorgesehen. Zum Einsatz dürfte er derzeit allerdings kaum kommen. «Solche Fälle sind selten», sagt eine Quelle. Öffentlich bekannt wurde eine längere Stellvertretung zuletzt 2008, als der damalige Finanzminister Hans-Rudolf Merz krankheitsbedingt ausfiel und zeitweise von Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf vertreten wurde.
Bundesrat Hans-Rudolf Merz wenige Wochen nach seinem Spitalaufenthalt. (Archiv, 2008)
KEYSTONE
Im Gespräch mit blue News betonen alle Quellen jedoch, dass Rösti weiterhin erreichbar sei – per Telefon, SMS oder Threema – und am Mittwoch auch von zu Hause aus an der Bundesratssitzung teilgenommen habe.
Rösti schaut Lauberhorn von zu Hause aus
Zumindest bei der Bundesratssitzung gibt es aber eine besondere Homeoffice-Regel: Für die Teilnahme an Bundesratssitzungen dürfen sie nicht ihre üblichen Arbeitsgeräte verwenden. Stattdessen kommen speziell gesicherte Systeme zum Einsatz, um Vertraulichkeit zu gewährleisten und Aufzeichnungen zu verhindern.
Detailfragen dazu wollten angefragte Quellen nicht beantworten. Eine Person erinnert aber daran, dass Bundesratsmitglieder ihr Handy vor der Bundesratssitzung abgeben müssen.
Albert Rösti ist in Uetendorf BE zuhause. (Archivbild, 2015)
Keystone
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Sollte ein Bundesratsmitglied über längere Zeit auch von zu Hause aus nicht arbeitsfähig sein, sieht das Parlamentsgesetz seit 2009 die Möglichkeit einer Ersatzwahl vor. Das Gesetz spricht von der «Feststellung der Amtsunfähigkeit» bei schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, wenn diese voraussichtlich längere Zeit andauern und keine Rücktrittserklärung erfolgt.
Für Rösti stellt sich diese Frage derzeit offenkundig nicht. Zwar wird er das Lauberhornrennen wohl nicht vor Ort verfolgen können, sondern von zu Hause aus in Uetendorf BE. Die Auftritte zur SRG-Initiative und zur Klimafonds-Initiative sind jedoch bereits für kommenden Dienstag und Mittwoch angekündigt – ein Hinweis darauf, dass die zahlreichen Gute-Besserungs-Wünsche angekommen sind und wirken.
Da kommt selbst Bundesrat Rösti ins Schwitzen
Die Schweiz feiert Geburtstag: Am 12. September 1848 trat die Bundesverfassung in Kraft. Wie gut kennen die Politiker*innen von heute das Dokument? Eine kleine Quizshow in der Wandelhalle.