«Wirkung fast null»Bundesrat will Immobilienkauf erschweren – Experte und Bergler kritisieren
SDA
19.4.2026 - 21:08
Der Bundesrat will den Erwerb von Wohneigentum durch Ausländer einschränken. Betroffen wären unter anderem Ferienwohnungen in den Bergen.
sda
Die geplante Verschärfung der Lex Koller soll die Wohnungsnot lindern – doch laut Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile zielt sie am Problem vorbei. Die Massnahmen hätten «fast null» Wirkung.
Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile hält die geplante Verschärfung der Lex Koller für wirkungslos gegen die Wohnungsnot.
Kritisch sieht Hasenmaile zudem die Bewilligungspflicht für ausländische Investoren bei Immobilienfonds, da sie den Börsenhandel praktisch verunmöglichen könnte.
Auch Politiker wie Martin Candinas warnen, dass Einschränkungen ausländischer Investitionen den Bau von Resorts und Infrastruktur in den Alpen gefährden würden.
Der Bundesrat will mit der Vorlage sowohl die Wohnungsnot bekämpfen als auch auf die SVP-«10-Millionen-Initiative» reagieren.
Der Immobilienexperte und Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, Fredy Hasenmaile, hält die vom Bundesrat geplante Verschärfung der Lex Koller für ungeeignet zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Die Wirkung der Vorschläge sei «fast null», sagte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».
Die geplanten Einschränkungen beim Erwerb von Wohneigentum durch Ausländer würden laut Hasenmaile nur einen kleinen Teil der Transaktionen betreffen. Gemäss einer Analyse von Fahrländer Partner Raumentwicklung entfielen lediglich rund 2,5 Prozent aller Wohneigentumstransaktionen auf die betroffenen Fälle.
Auch die vorgesehene Reduktion der Kontingente für Ferienwohnungen erachtete Hasenmaile als kaum relevant. Diese seien in den vergangenen Jahren nie ausgeschöpft worden, eine Halbierung hätte daher keinen Effekt.
«Eine Verschärfung würde Investitionen in Ferienresorts von Personen aus Drittstaaten verunmöglichen»
Martin Candinas
Mitte-Nationalrat
Kritisch äusserte sich Hasenmaile zudem zur geplanten Bewilligungspflicht für ausländische Investoren bei Immobilienfonds. Diese könnte den Börsenhandel faktisch verunmöglichen, denn die Abklärung, ob es sich beim Käufer um einen In- oder einen Ausländer handelt, sei im sekundenschnellen Börsenhandel nicht möglich.
Auch der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas lehnt die Vorlage ab. «Eine Verschärfung würde Investitionen in Ferienresorts von Personen aus Drittstaaten verunmöglichen», sagt er gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Er rechne mit weitreichenden Folgen. «Wir müssen uns bewusst sein: Viele Resorts und Infrastrukturen in den Alpen hätten wir ohne ausländische Investitionen in dieser Form nicht», so Candinas weiter.
Der Nationalrat erwartet deswegen vor allem aus Berggebieten grossen Widerstand.
Ursache von Wohnungsnot laut Hasenmaile knappes Angebot
Immobilienexperte Hasenmaile sieht die Ursachen der Wohnungsnot vor allem im knappen Angebot. Um diese zu lindern, müssten strukturelle Hindernisse im Bauwesen abgebaut werden. «Die Rufe nach einer Dosierung der Zuwanderung sind legitim. Da dies das wirtschaftliche Wachstumspotenzial beeinträchtigen könnte, ist ein solcher Entscheid umstritten», sagte Hasenmaile.
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