IT-Chaos beim SecoTausende Arbeitslose bangen um ihre Taggelder
Lea Oetiker
26.1.2026
Wegen einer missglückten IT-Umstellung warten viele Arbeitslose seit Monaten auf ihre Versicherungsleistungen.
sda
Seit Januar kämpft das Seco mit Problemen beim neuen Auszahlungssystem fürs Arbeitslosengeld. Viele Betroffene warten auf ihr Geld, die Politik verlangt Antworten.
Ein neues Computersystem bringt die Auszahlung von Arbeitslosengeldern in der Schweiz ins Wanken. «Aktuell müssen wir wohl von der grössten Krise bei einer Informatiksystemumstellung in der Arbeitslosenversicherung sprechen», schreibt der Leiter der grössten Arbeitslosenkasse in einer internen E-Mail an Unia-Mitarbeitende. Das Schreiben liegt dem «Tages-Anzeiger» vor.
Verantwortlich für die Störung ist Asal 2, das neue IT-System des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Es wurde zum Jahreswechsel eingeführt und soll schweizweit in allen 33 Arbeitslosenkassen die Berechnung und Auszahlung von Taggeldern steuern. Doch seit dem Start häufen sich technische Ausfälle – insbesondere bei der Plattform Job-Room, über die Arbeitssuchende ihre Unterlagen hochladen müssen, um Leistungen zu erhalten, schreibt die Zeitung weiter.
Für viele der rund 145’000 registrierten Arbeitslosen hat das gravierende Folgen. «Viele, die jetzt anrufen, sprechen nur schlecht Deutsch. Sie haben die Aufforderung zum früheren Einreichen schlicht nicht verstanden und stehen nun vor dem Nichts», sagt eine Mitarbeiterin einer Telefonzentrale einer Arbeitslosenkasse zum «Tages-Anzeiger». Laut ihr warteten manche Ratsuchende bereits seit Dezember auf ihr Geld, zwei hätten sich sogar aus Notunterkünften gemeldet, nachdem sie ihre Wohnungen verloren hätten.
Noch ist unklar, ob alle Versicherten ihr Geld im Januar fristgerecht erhalten werden.
Seco wies Berichte zuerst zurück
Das Seco wies zunächst Berichte über grössere Probleme zurück, sprach am Donnerstag dann aber von «technischen Schwierigkeiten», die man «mit Hochdruck» behebe. Auf Nachfrage von «Tages-Anzeiger» heisst es, man könne Verzögerungen «nicht vollständig ausschliessen». Intern erging am Freitag ein Aufruf an die Kassen, «bei anspruchsberechtigten Versicherten Vorschüsse» auszuzahlen.
Dabei warnte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) schon seit Jahren vor Risiken bei der Entwicklung des Vorgängerprojekts Asalfutur. Ihre Prüfberichte bemängelten mangelnde Planung, schlechtes Risikomanagement und eine unklare Rollenverteilung. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von «vermeidbaren Kinderkrankheiten».
Inzwischen befasst sich auch die Politik mit dem Fall. Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP) verlangt, das Seco solle die Sozialkommission «über das Ausmass der Probleme und deren Behebung» informieren, schreibt die Zeitung.