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KEYSTONE
Die Confiserie Schiesser prägte den Basler Marktplatz seit 1870 mit Pralinen, Torten und Läckerli. Jetzt ist das Familienunternehmen in Konkurs – und ein weiterer Traditionsbetrieb verschwindet endgültig.
Ein weiteres Stück Schweizer Handwerksgeschichte verschwindet: Die traditionsreiche Confiserie Schiesser am Basler Marktplatz ist in Konkurs. Am 30. Juni wurde das Konkursverfahren offiziell eröffnet. Damit endet die Geschichte eines Betriebs, der seit 1870 – beziehungsweise über fünf Generationen hinweg – das Basler Stadtbild geprägt hat. Besonders tragisch: Erst Ende April verstarb der langjährige Inhaber Stephan Schiesser überraschend.
Die Confiserie Schiesser hat sich auf ihrer Website als das «älteste Kaffeehaus der Schweiz mit Confiserie-Schokoladen-Manufaktur und Backstube im Hause» beschrieben. Generationen von Kundinnen und Kunden verbanden den Betrieb mit handgefertigten Pralinen, festlichen Torten, feinem Kaffee und den weit über Basel hinaus bekannten Basler Läckerli.
Auf der Website meldet das Traditionshaus noch, es sei wegen einer Grossbaustelle auf dem Marktplatz «für voraussichtlich 6 bis 8 Wochen geschlossen». Doch die Confiserie Schiesser wird nicht mehr öffnen. Wie dem Amtsblatt des Kantons Basel-Stadt zu entnehmen ist, wurde am 30. Juni der Konkurs eröffnet. Zuerst berichtete das Portal «BZ Basel» darüber. Das Café mit seinem Tearoom im Stil eines Wiener Kaffeehauses wird seine Türen für immer schliessen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die schwierige wirtschaftliche Lage abgezeichnet. Damals musste Schiesser seine zweite Filiale im UBS-Hauptsitz in Basel aufgeben. Als Grund nannte die Geschäftsleitung die stark rückläufige Kundschaft. Weil immer weniger Menschen Bankfilialen besuchten, lohnte sich der Standort nicht mehr.
Der Konkurs trifft das Familienunternehmen zu einem besonders schweren Zeitpunkt. Ende April verstarb Stephan Schiesser im Alter von 69 Jahren überraschend. Der Vertreter der fünften Familiengeneration hatte die operative Geschäftsführung zwar bereits vor zwei Jahren an Jochen Mauracher übergeben, blieb jedoch Verwaltungsratspräsident und eng mit dem Unternehmen verbunden.
Der Fall Schiesser reiht sich in eine Serie von Schliessungen ein, die das Schweizer Bäckerei- und Confiseriegewerbe zunehmend erschüttern. Vor Kurzem hat die Bäckerei Müller in Root LU bekannt gegeben, dass sie Mitte Juli den Betrieb einstellt. Die Konditorei Frei in Nussbaumen AG musste jüngst drei ihrer 14 Filialen schliessen. Weitere Beispiele: die Bäckerei-Konditorei Gasser in Suhr AG und die Bäckerei Montanari in Wetzikon ZH. Gar nicht erst in die Gewinnzone schaffte es die vegetarische Bäckerei Stadt Land Brot in Oetwil am See ZH.
Die Liste liesse sich mit Beispielen aus dem Vorjahr noch deutlich verlängern. Das Ende der Confiserie Schiesser dürfte deshalb nicht das letzte sein, dass die Schweizer Bäckerei-Branche zu beklagen hat.