Streit um Ermittlungen Anwalt sammelt Hinweise zu Feuer-Inferno – das passt Bar-Betreibern gar nicht

Sven Ziegler

15.1.2026

Beim Brand in «Le Constellation» kamen dutzende Menschen ums Leben. 
Beim Brand in «Le Constellation» kamen dutzende Menschen ums Leben. 
Keystone/Jean-Christophe Bott

Im Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana sorgt eine neue Online-Plattform für Diskussionen. Ein Anwalt sammelt dort Bilder und Zeugenaussagen – die Verteidigung der Beschuldigten fordert nun ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Anwalt der Opferfamilien hat eine Plattform gestartet, um Bilder und Zeugenaussagen zum Brand von Crans-Montana zu sammeln.
  • Die Verteidigung des Betreiberpaars fordert vom Walliser Staatsanwalt eine sofortige Schliessung der Seite.
  • Kritisiert wird vor allem das Risiko, dass eine solche Initiative die laufenden Ermittlungen beeinflussen könnte.

Im komplexen Strafverfahren zur Brandkatastrophe von Crans-Montana ist eine neue Kontroverse entbrannt. Wie die Zeitung Le Temps berichtet, hat die Verteidigung des beschuldigten Betreiberpaars die Walliser Staatsanwaltschaft aufgefordert, eine private Online-Plattform schliessen zu lassen.

Initiiert wurde die Seite von Romain Jordan, der mehrere Familien von Opfern vertritt. Über die Plattform werden Zeuginnen und Zeugen des Brandes aufgerufen, Fotos, Videos oder Hinweise einzureichen. Die Informationen sollen anonym und vertraulich übermittelt werden.

Verteidigung fordert Eingreifen

Nach Informationen von «Le Temps» hat die Verteidigung der Beschuldigten bei den Walliser Behörden eine dringliche Intervention beantragt. Konkret geht es um eine sofortige Sperrung oder eine formelle Anordnung zur Schliessung der Website.

Die Sorge der Verteidigung: Eine solche «Parallel-Sammlung» von Beweisen sei im Schweizer Strafrecht nicht vorgesehen und könne die offizielle Untersuchung stören. Insbesondere wird befürchtet, dass Zeugenaussagen beeinflusst oder vermischt werden könnten, bevor sie von den zuständigen Behörden formell erhoben werden.

Viel Zuspruch, aber auch Kritik

Jordan erklärte laut der Zeitung, er wolle sich nicht an die Stelle der Strafverfolgungsbehörden setzen. Ziel sei es, die Aufarbeitung zu unterstützen und Antworten für die Opfer zu finden. In Medieninterviews verwies er darauf, dass ihn unter anderem ausländische Beispiele inspiriert hätten, bei denen Hinweise aus der Bevölkerung zur Aufklärung beigetragen hätten.

Kritiker sehen darin jedoch erhebliche Risiken. Im Wallis führt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen, unterstützt von der Polizei und unter Einhaltung klarer Verfahrensregeln. Eine parallele Sammlung von Informationen durch eine Prozesspartei sei problematisch – zumal bei garantierter Anonymität die Überprüfung der Angaben erschwert werde.

Risiko für das Verfahren

Juristisch heikel ist laut «Le Temps» auch der Umgang mit potenziellen Zeugen. Grundsätzlich dürfen Parteien im laufenden Verfahren keinen direkten Kontakt zu Zeugen aufnehmen, um deren Aussagen nicht zu beeinflussen. Ob Hinweise, die über eine solche Plattform eingehen, später als verwertbare Beweise gelten könnten, ist offen.

Die Walliser Staatsanwaltschaft wollte sich gegenüber «Le Temps» nicht äussern.