«Wir liessen das Telefon an» Walliser Familie kämpft nach Brand-Inferno um ihre drei Töchter

Samuel Walder

12.1.2026

Das war der Nationale Trauertag

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Bewegte Menschen, bewegende Worte und hoher Staatsbesuch aus Frankreich. Das war der Nationale Trauertag in Gedenken an die Opfer des Unglücks von Crans-Montana.

09.01.2026

Drei Töchter im Spital, ein Alltag im Ausnahmezustand: Nach dem Brand im Nachtlokal Le Constellation kämpft eine Walliser Familie um das Leben und die Genesung ihrer Kinder. 

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Drei Töchter einer Walliser Familie wurden beim Brand im Constellation verletzt oder traumatisiert.
  • Zwei junge Frauen erlitten schwere Verbrennungen und werden in spezialisierten Kliniken behandelt.
  • Die Eltern schildern eine Nacht zwischen Hoffnung, Ungewissheit und stundenlangem Warten.

Beim Brand im Nachtlokal Le Constellation in Crans-Montana in der Silvesternacht wurden auch zwei junge Frauen schwer verletzt. Es handelt sich um zwei Schwestern im Alter von 20 und 18 Jahren. Ihre 14-jährige Schwester befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Lokal, steht jedoch unter Schock und wird medizinisch betreut. Alle drei Töchter stammen aus einer Familie aus dem Wallis.

Nach Angaben der Eltern gegenüber dem «Nouvelliste» hatten die beiden älteren Töchter den Jahreswechsel im Constellation verbracht. Kurz nach Mitternacht meldeten sie sich telefonisch bei ihren Eltern, um Neujahrswünsche zu überbringen. Wenig später kam es im Lokal zum Brand.

Eine Familie im Ausnahmezustand. So erlebte Familie Micheloud das Inferno.
Eine Familie im Ausnahmezustand. So erlebte Familie Micheloud das Inferno.
Antonio Calanni/AP/dpa

In den frühen Morgenstunden erhielt der Vater einen Anruf aus Crans-Montana. Er machte sich daraufhin umgehend auf den Weg. Vor Ort suchte er nach seinen Töchtern, während Rettungskräfte Verletzte versorgten und erste Abklärungen liefen.

«Sie riss sich die Kleider vom Leib»

«Ich war um 2.02 Uhr dort. Es war ein Schlachtfeld. Ich suchte meine Tochter, ich schrie. Alle schrien», erzählt er. Vor Ort zeichnete sich ein bizarres Bild ab. Sanitäter und Feuerwehr sind bereits vor Ort. Einige führen Wiederbelebungen direkt auf der Strasse durch. Eine «Notstelle für Verletzte» wurde eingerichtet. Junge Menschen lagen am Boden.

Eine der Töchter konnte rasch gefunden werden. Sie hatte schwere Verbrennungen erlitten und wurde zunächst in ein Spital im Wallis eingeliefert. Von der zweiten Tochter fehlte zunächst jede Spur. Erst Stunden später erhielten die Eltern die Information, dass auch sie lebend geborgen worden war. Sie befand sich in kritischem Zustand und wurde medizinisch versorgt.

Eine der Töchter habe gemerkt, dass sie in Flammen gestanden sei, erzählt die Mutter der Zeitung. «Sie hatte den Reflex, sich die Kleider vom Körper zu reissen. Ihre Haut riss mit ab, aber so verhinderten wir, dass ihre Haare Feuer fingen.»

Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurden beide jungen Frauen später in ein spezialisiertes Zentrum nach St. Gallen verlegt. Dort werden sie weiterhin behandelt. Die Eltern pendeln seither zwischen verschiedenen Spitälern, um bei ihren Kindern zu sein.

Die jüngste Tochter, die sich während des Brandes zu Hause befand, wird ebenfalls medizinisch betreut. Sie steht laut den Eltern unter Schock.

Die Familie rechnet mit einer längeren Behandlungs- und Rehabilitationsphase. Mehrere Operationen waren bereits notwendig, weitere könnten folgen. 

So erlebte Laëtitia das Inferno

Auch weitere Überlebende schilderten bereits kurz nach der Tragödie die dramatischen Minuten in der Bar. Laëtitia, 17 Jahre alt, befand sich nach eigenen Angaben erst kurz in der Kellerbar, als die Situation eskalierte. «Etwa eine Minute bevor das Feuer ausbrach, hörte ich plötzlich ‹Feuer, Feuer›», sagte sie im Interview mit dem französischen Fernsehsender BFMTV.

Dann sei Panik ausgebrochen. «Wir rannten los. Das Feuer breitete sich sehr, sehr schnell aus, und der Rauch brannte in unseren Augen. Wir konnten nicht atmen», schilderte die Jugendliche. Sie habe zudem eine Explosion in Bodennähe gespürt. «Ich spürte sie an meinen Beinen», sagte Laëtitia. In der Menge hätten Menschen geschubst und gedrängt, «alle wie verrückt».