Türen, Feuerlöscher, Kerzen Ermittlungsakten zu Crans-Montana werfen neue Fragen auf

Sven Ziegler

15.1.2026

Die Bar-Betreiber Jacques und Jessica Moretti auf dem Weg zur Einvernahme vergangene Woche. 
Die Bar-Betreiber Jacques und Jessica Moretti auf dem Weg zur Einvernahme vergangene Woche. 
KEYSTONE

Nach dem tödlichen Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana geben erste Einvernahmen von Zeugen und Betreibern Einblick in die Nacht des Unglücks. Aussagen zu Notausgängen, Brandschutz und Auslastung zeichnen ein Bild mit vielen offenen Fragen.

Sven Ziegler

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  • Erste Einvernahmen von Zeugen und Betreibern liegen vor und zeigen Widersprüche bei Sicherheitsfragen.
  • Unklar bleibt insbesondere, wie sichtbar Notausgänge waren und ob Feuerlöscher genutzt wurden.
  • Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Brandursache, Brandschutzmaterial und behördliche Kontrollen.

Zwei Wochen nach dem Brand in der Bar «Le Constellation», bei dem in der Silvesternacht 40 Menschen starben und 116 weitere verletzt wurden, erlauben erste Einvernahmen einen detaillierteren Blick auf das Geschehen.

Wie aus Unterlagen hervorgeht, die Le Temps einsehen konnte, stehen vor allem Sicherheitsfragen im Zentrum der Ermittlungen. 

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Unklarheiten bezüglich Notausgängen

Gemäss Aussagen von Jacques Moretti verfügte das Lokal über zwei Notausgänge: die Haupteingangstür im Erdgeschoss sowie einen Ausgang im Untergeschoss in Richtung Treppenhaus. Diese seien mit «mindestens vier Richtungsanzeigen» signalisiert gewesen. Ein elektrischer Kontrollbericht habe lediglich ein defektes Leuchtschild festgestellt, das er selbst repariert habe.

Mehrere Gäste schilderten die Situation jedoch anders. Aussagen wie «Ich habe keine Notausgänge gesehen» finden sich mehrfach in den Protokollen. Auch dass im hinteren Bereich des Untergeschosses eine zusätzliche Tür existierte, sei vielen nicht bekannt gewesen.

Diese sogenannte Servicetür sei laut Moretti normalerweise offen gewesen, am Abend des Brandes jedoch verschlossen. Warum, habe er nicht erklären können. Später habe er die Tür mit Hilfe anderer Personen aufgebrochen; dahinter seien laut Zeugenaussagen mehrere Menschen in kritischem Zustand gefunden worden.

Feuerlöscher und fehlende Schulung

Zur Brandbekämpfung erklärte Jacques Moretti, im Lokal hätten sich vier Feuerlöscher befunden – drei im Untergeschoss, einer im Erdgeschoss. Seine Ehefrau Jessica Moretti ergänzte, diese seien im August 2025 von einer Fachfirma kontrolliert worden.

Dennoch berichten Zeugen, sie hätten keine Feuerlöscher gesehen oder benutzt. Einzig indirekt wird erwähnt, ein Löscher habe beim DJ-Pult gelegen – ob er eingesetzt wurde, blieb unklar. Auf die Frage der Polizei, ob das Personal für Notfälle geschult gewesen sei, antwortete Jacques Moretti laut Protokoll knapp: «Nein».

Wie viele Gäste waren im Lokal?

Strittig ist auch die Zahl der anwesenden Personen. Laut Betreiber sei die Kapazität eingehalten worden, im Untergeschoss hätten sich «rund hundert Personen, eher weniger» aufgehalten. Videoaufnahmen kurz vor dem Brand stützen diese Darstellung teilweise.

Gleichzeitig wirft die hohe Zahl der Betroffenen Fragen auf: Insgesamt wurden 156 Opfer registriert, darunter Tote und Verletzte. Wie sich diese Zahl mit der behaupteten Auslastung vereinbaren lässt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Was ist mit den Minderjährigen?

Acht der Opfer waren jünger als 16 Jahre. Der Betreiber betonte, es habe Alterskontrollen gegeben. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren seien nur in Begleitung Erwachsener eingelassen worden und hätten keinen harten Alkohol konsumieren dürfen. Mehrere Zeugen bestätigten entsprechende Kontrollen, wiesen aber darauf hin, dass diese keine Garantie für die Einhaltung der Regeln darstellten.

Laut Jessica Moretti waren zudem zwei Sicherheitskräfte im Einsatz – einer am Eingang, einer im Untergeschoss. Zeugen berichteten, dass während der ersten Alarmmomente ein Sicherheitsmitarbeiter nach unten eilte, worauf es im Treppenbereich zu Gedränge gekommen sei.

Moretti soll Brennbarkeit selbst getestet haben

Als wahrscheinlichste Brandursache gelten pyrotechnische Tischkerzen. Die Walliser Staatsanwaltschaft erklärte früh, vieles spreche dafür, dass «brennende Kerzen zu nahe an die Decke gehalten wurden». Jessica Moretti bestätigte, solche Kerzen seien seit Jahren im Einsatz gewesen und ausschliesslich vom Personal verwendet worden.

Ihr Mann äusserte Zweifel an dieser These. «Ich verstehe das, aber für mich waren sie nicht stark genug, um den Akustikschaum zu entzünden», sagte er und verwies auf eigene Tests.

Besonders im Fokus steht die Akustikschaum-Verkleidung der Decke. Diese sei vor rund zehn Jahren vom Betreiber selbst montiert worden. Ob das Material zulässig war und ob es bewilligt wurde, ist offen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Schaum zum schnellen Brandverlauf beigetragen hat.

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