Crans-Montana-Gastronom packt aus«Die von der Gemeinde sagten, es gibt keine Strafen»
Sven Ziegler
3.1.2026
Stille nach der Katastrophe: Tränen, Blumen und Schock – Crans-Montana gedenkt der Opfer
Nach dem verheerenden Brand in der Neujahrsnacht ist die Betroffenheit in Crans-Montana gross. Rund 400 Personen nahmen am Donnerstagabend an einem Gottesdienst teil. Am Unglücksort erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie.
02.01.2026
Nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana erhebt ein langjähriger Barbetreiber schwere Vorwürfe gegen die lokalen Behörden. Er schildert mangelhafte Kontrollen und fehlende Konsequenzen beim Brandschutz.
Nach dem verheerenden Brand in einer Bar im Walliser Nobel-Skiort Crans-Montana rücken neben der Brandursache zunehmend auch strukturelle Fragen in den Fokus. Wie streng werden Brandschutzauflagen kontrolliert? Und wie konsequent greifen die Behörden durch, wenn Mängel festgestellt werden?
Ein Barbetreiber aus Crans-Montana, der seit rund zehn Jahren im Ort tätig ist und anonym bleiben möchte, zeichnet gegenüber dem deutschen Nachrichtenportal «FOCUS online» ein kritisches Bild. Seine Erfahrungen mit den Kontrollen beschreibt er als minimal: «Ich wurde in zehn Jahren genau zweimal kontrolliert. Nach der Eröffnung kam jemand von der Gemeinde und sagte, was ich umbauen soll. Dann kam er noch mal, um die Umbauten zu kontrollieren. Das war’s.»
Im Skiort Crans-Montana soll ungenügend kontrolliert worden sein.
AFP
Besonders brisant ist seine Schilderung zum Umgang mit möglichen Verstössen. Wegen baulicher Einschränkungen dürfe er maximal 60 Gäste im Innenbereich empfangen. Sanktionen habe man ihm jedoch nie in Aussicht gestellt. «Die von der Gemeinde sagten damals wörtlich: Wenn ich dagegen verstosse, gibt es keine Strafen. Aber wenn etwas passiert, muss ich allein die Konsequenzen tragen», sagt der Gastronom.
Gemeindepräsident reagiert schroff auf Nachfragen
Dass ein hochpreisiger Ferienort wie Crans-Montana derart lax mit Sicherheitsfragen umgehe, überrasche ihn bis heute. «Nicht alles im Gebäude, in dem sich meine Bar befindet, entspricht dem Brandschutz. Doch die Gemeinde interessiert sich wenig dafür.»
Nach dem Brand im Lokal «Le Constellation» seien diese Versäumnisse für viele plötzlich greifbar geworden. Der Insider stellt Fragen, die auch andere im Ort beschäftigen: «Wo waren die Feuerlöscher? Gab es überhaupt Feuerlöscher?» Die persönlichen Folgen des Unglücks seien dramatisch. «Ich kenne eine der Schwerstverletzten. 60 Prozent ihrer Haut ist verbrannt. Es ist einfach nur furchtbar.»
Unter Druck steht inzwischen auch Gemeindepräsident Nicolas Feraud. An einer Pressekonferenz verwies er darauf, dass Kontrollen «jährlich oder zweijährlich» stattfänden. Wann das betroffene Objekt zuletzt überprüft wurde, liess er offen. Auf Nachfragen von Medienschaffenden reagierte er laut Berichten schroff: «Wer sind Sie, so etwas zu verlangen?»
Die strafrechtliche Aufarbeitung liegt derzeit bei der Walliser Justiz. Generalstaatsanwältin Pilloud erklärte, man müsse zunächst die laufenden Ermittlungen abschliessen. Zusätzliche Massnahmen wie etwa ein Verbot von Wunderkerzen oder verschärfte Auflagen für Bars seien derzeit noch kein Thema.
Brandschutzexperte: «Das hätte nicht passieren dürfen»
Nach dem verheerenden Brand von Crans-Montana nimmt ein Brandschutzexperte Stellung. Er sagt, dass sich das Inferno hätte verhindern lassen.