«Überhaupt nicht wahrgenommen» Ermittlungsakten enthalten schwere Vorwürfe von Bar-Gästen

Sven Ziegler

12.1.2026

Das war der Nationale Trauertag

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Bewegte Menschen, bewegende Worte und hoher Staatsbesuch aus Frankreich. Das war der Nationale Trauertag in Gedenken an die Opfer des Unglücks von Crans-Montana.

09.01.2026

Neue Recherchen der RTS belasten die Sicherheitslage im Bar «Le Constellation» weiter. Mehrere Gäste gaben bei Befragungen an, im Untergeschoss keine Notausgänge oder Fluchtweg-Signale wahrgenommen zu haben.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Laut RTS-Recherchen sahen mehrere Gäste im Untergeschoss des «Le Constellation» keine Notausgänge oder entsprechenden Hinweisschilder.
  • Die Aussagen stammen aus polizeilichen Befragungen und sind Teil der Ermittlungsakten.
  • Die Betreiber bestreiten die Vorwürfe und erklären, die Ausgänge seien korrekt gekennzeichnet gewesen.

Im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana rücken neue Zeugenaussagen in den Fokus. Wie RTS berichtet, enthalten die Ermittlungsakten mehrere Aussagen von Gästen, die im Untergeschoss des Bar «Le Constellation» keine Notausgänge wahrgenommen haben wollen.

Das Dossier umfasst laut RTS rund 350 Seiten und enthält die Protokolle von mehr als einem Dutzend polizeilicher Befragungen. Fast alle der Aussagen kommen von Personen, die sich in der Silvesternacht im Untergeschoss aufhielten. Dort bereitete sich das Feuer besonders rasch aus.

Eine 16-jährige Besucherin sagte gemäss Protokoll aus, viele Menschen hätten versucht, durch die einzige Eingangstür zu fliehen. «Ich bin mir nicht sicher, ob es im Untergeschoss überhaupt eine Notausgangstür gab», wird sie zitiert. Auch ein 17-Jähriger äusserte sich ähnlich. Er habe sich kurz vor dem Brand im Untergeschoss aufgehalten und sei «überrascht gewesen vom Mangel an Fluchtwegen».

Eine frühere Serviceangestellte, die sich am Abend des Brandes im Lokal befand, gab an, keinerlei sichtbare Sicherheitseinrichtungen bemerkt zu haben. Auf die Frage der Ermittler, ob Feuerlöscher, Notausgangsschilder oder andere Vorrichtungen erkennbar gewesen seien, antwortete sie gemäss Akten verneinend.

Schilderungen von chaotischen Szenen bereits früher

Auch weitere Aussagen gehen in diese Richtung. Mehrere Befragte erklärten, sie hätten keine grünen Notausgangs-Schilder oder entsprechende Markierungen gesehen. Ob die Ausgänge schlecht signalisiert waren, durch Rauch verdeckt wurden oder ob andere Faktoren eine Rolle spielten, ist derzeit offen.

Die Verteidiger der beschuldigten Betreiber wollten sich auf Anfrage von RTS nicht zu den Zeugenaussagen äussern. Bereits zuvor hatten sie erklärt, der Notausgang im Untergeschoss sei offen gewesen. Auch Bar-Besitzer Jacques Moretti selbst hatte gegenüber den Ermittlern angegeben, das Lokal habe über zwei Notausgänge verfügt und sei den gesetzlichen Vorschriften entsprechend ausgerüstet gewesen.

Bereits kurz nach der Brandkatastrophe hatten Überlebende und Augenzeugen gegenüber Medien von chaotischen Szenen im Innern der Bar berichtet. Mehrere junge Gäste schilderten, dass sich dichter Rauch innert Sekunden ausgebreitet habe und die Orientierung im Kellerlokal praktisch unmöglich gewesen sei. Eine 17-jährige Überlebende sagte, sie habe kaum Luft bekommen und sei von der Menschenmenge zu Boden gedrückt worden, während andere verzweifelt nach einem Ausweg suchten.

Auch andere Besucher berichteten in den Tagen nach dem Unglück, dass sie keine klar gekennzeichneten Fluchtwege wahrgenommen hätten. Einzelne Gäste sagten, sie hätten nicht gewusst, wohin sie sich im Notfall wenden sollten. Ein junger Mann erklärte, er habe schliesslich ein Fenster eingeschlagen, um ins Freie zu gelangen, da er keinen anderen Ausgang erkannt habe. Mehrere Augenzeugen beschrieben die Situation als panisch und unübersichtlich.

Deutlich mehr Personen anwesend als erlaubt?

Zudem lagen bereits früh Hinweise vor, dass das Kellerlokal stark ausgelastet gewesen sein könnte. Ein Augenzeuge sprach davon, dass sich zeitweise deutlich mehr Personen im Untergeschoss aufgehalten hätten als offiziell zugelassen. Die zuständigen Behörden haben diese Angaben bislang weder bestätigt noch dementiert. 

Die Frage nach der tatsächlichen Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Fluchtwege ist nun Teil der laufenden strafrechtlichen Untersuchung. Die Betreiber des «Le Constellation» gelten bis zu einem rechtskräftigen Urteil als unschuldig.