«Flashover»-Phänomen erklärt Warum der Brand in der Bar so rasch eskalieren konnte

Sven Ziegler

1.1.2026

Flashover_01

Flashover_01

01.01.2026

Bei schweren Bränden fällt immer wieder ein Begriff: «Flashover». Die Walliser Behörden gehen davon aus, dass es auch in Crans-Montana VS zu einem solchen Ereignis gekommen sein könnte. Doch was genau bedeutet das?

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Sven Ziegler, Manuel Rupp

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Ein Flashover bezeichnet den plötzlichen Übergang von einem Entstehungsbrand zu einem Vollbrand.
  • Dabei entzünden sich in einem Raum innerhalb von Sekunden fast alle brennbaren Oberflächen gleichzeitig.
  • Temperaturen von über 1000 Grad machen ein Überleben praktisch unmöglich – selbst für Einsatzkräfte.

Die Tragödie von Crans-Montana beschäftigt die Welt. Wie konnten in einer Bar dutzende Menschen in der Silvesternacht ihr Leben verlieren? 

Laut den Walliser Behörden kam es in der Bar zu einem so genannten «Flashover». Gemeint ist damit ein extrem gefährlicher Moment bei Bränden in geschlossenen Räumen, bei dem sich ein Feuer innert Sekunden von einem begrenzten Brand zu einem Vollbrand ausweitet.

blue News erklärt dir, was du dazu wissen musst.

Was ist ein Flashover?

Ein Flashover ist kein einzelner Knall und auch keine klassische Explosion. Der Begriff beschreibt einen Moment in der Brandentwicklung, in dem ein Feuer schlagartig ausser Kontrolle gerät. Innerhalb weniger Sekunden wird aus einem lokal begrenzten Brand ein Vollbrand des gesamten Raumes.

Fachleute sprechen vom Übergang von der sogenannten Entstehungsphase zum Vollbrand. Ab diesem Punkt steht praktisch der gesamte Raum in Flammen – unabhängig davon, wo das Feuer ursprünglich ausgebrochen ist.

Wie entsteht ein Flashover?

Augenzeugenvideo zeigt Feuer-Tragödie in Crans-Montana

Augenzeugenvideo zeigt Feuer-Tragödie in Crans-Montana

In der «Le Constellation Bar» in Crans-Montana kam es an Silvester zu einem Brand. Mehrere Menschen sind ums Leben gekommen, bestätigt die Polizei.

01.01.2026

Zu Beginn eines Brandes brennen oft nur einzelne Gegenstände – etwa Möbel oder Dekoration. Dabei entstehen Rauch und brennbare Gase. Kann dieser Rauch nicht entweichen, sammelt er sich unter der Decke und erhitzt den Raum immer weiter.

Ab einer bestimmten Temperatur beginnen auch jene Materialien zu brennen, die zuvor nur erhitzt wurden. Ohne zusätzliche Zündquelle entzünden sich dann plötzlich nahezu alle brennbaren Oberflächen gleichzeitig. Dieser Moment wird als Flashover bezeichnet.

Warum passiert das so plötzlich?

Der Übergang erfolgt extrem schnell – oft innerhalb weniger Sekunden. Sobald die kritische Temperatur erreicht ist, genügt die Wärmestrahlung, um den gesamten Raum zu entzünden. Für Personen im Inneren bleibt keine Reaktionszeit.

Typische Anzeichen kurz vor einem Flashover sind starke Hitze, dunkler Rauch unter der Decke und eine rasch steigende Temperatur. Für Laien sind diese Warnsignale jedoch kaum richtig einzuordnen.

Wie heiss wird es bei einem Flashover?

Während der Entstehungsphase eines Brandes liegen die Temperaturen oft noch unter 300 Grad. Beim Flashover steigen sie schlagartig auf 500 bis 600 Grad – kurz danach sogar auf über 1000 Grad.

Unter solchen Bedingungen ist ein Überleben nur für Sekunden möglich. Auch moderne Schutzkleidung von Feuerwehrleuten kann dieser Hitze nur sehr kurz standhalten.

Kommt es dann auch zu einer Explosion?

Nein, nicht zwingend. Ein Flashover wird oft mit Explosionen verwechselt. Tatsächlich kann es im Verlauf eines Flashovers zu Druckeffekten oder Folgeexplosionen kommen – etwa durch entzündete Gase oder Materialien. Der Flashover selbst ist jedoch keine klassische Explosion.

Viel mehr handelt es sich bei einem Flashover um einen physikalischen Vorgang, der bei Bränden in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen auftreten kann – besonders dort, wo viele brennbare Materialien vorhanden sind.

Warum ist ein Flashover so gefährlich?

Vor dem Flashover besteht unter Umständen noch die Möglichkeit, Menschen zu retten oder sich aus einem Raum zu retten. Nach dem Flashover ist das praktisch ausgeschlossen.

Deshalb gilt dieser Moment auch für die Feuerwehr als klare Grenze: Vor dem Flashover ist ein Innenangriff unter Umständen möglich – danach nicht mehr. Die enorme Hitze und die schnelle Brandausbreitung machen jede Rettung lebensgefährlich.

Warum spielt der Flashover bei Ermittlungen eine Rolle?

Wenn Behörden von einem möglichen Flashover sprechen, geht es um die Rekonstruktion des Brandverlaufs. Entscheidend ist dabei nicht nur, wo ein Feuer ausbrach, sondern wie schnell und unter welchen Bedingungen es sich ausbreitete.

Ob und warum es zu einem Flashover kam, kann Hinweise auf bauliche Gegebenheiten, Belüftung, Materialwahl oder organisatorische Faktoren liefern. Genau diese Fragen stehen bei schweren Brandereignissen im Fokus der Ermittlungen.