Wegen problematischer Liste Walliser Justizrat-Präsident tritt in den Ausstand

Sven Ziegler

8.1.2026

Der Präsident des Walliser Justizrats, Basile Couchepin, tritt im Fall Crans-Montana in den Ausstand.
Der Präsident des Walliser Justizrats, Basile Couchepin, tritt im Fall Crans-Montana in den Ausstand.
blue News/Petar Marjanović

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana geraten die Walliser Ermittlungsbehörden weiter unter Druck. Nun erklärt Justizratspräsident Basile Couchepin seinen Ausstand – wegen einer umstrittenen Liste mit Opferanwälten.

Sven Ziegler

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  • Der Präsident des Walliser Justizrats, Basile Couchepin, tritt im Fall Crans-Montana in den Ausstand.
  • Hintergrund ist eine von der Polizei verschickte Liste mit Opferanwälten, auf der auch sein Name stand.
  • Couchepin bestreitet jede Kenntnis davon, will aber jeden Anschein von Befangenheit vermeiden.

Nach dem tödlichen Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana steht die Walliser Justiz weiterhin unter besonderer Beobachtung. Wie Couchepin auf Anfrage der Tamedia-Zeitungen erklärte, tritt er im Zusammenhang mit dem Verfahren in den Ausstand. Betroffen sind alle Fragen zur Führung der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

Der Justizrat ist das kantonale Aufsichtsorgan über Gerichte und Staatsanwaltschaft. Couchepin präsidiert das Gremium seit vergangenem Sommer.

Konkret geht es um eine Liste mit drei Anwälten, die ein Walliser Polizist an Betroffene der Brandkatastrophe verschickt hatte. Laut Begleitschreiben sollte sie helfen, «Klagen weiterzuverfolgen und zu koordinieren». Die Liste stammte von der Staatsanwaltschaft – und wurde später zurückgezogen.

Couchepin will «Anschein von Befangenheit vermeiden»

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud räumte ein, der Versand sei ein Fehler gewesen. Opferanwälte hatten zuvor kritisiert, das Vorgehen könne den Eindruck erwecken, die Wahl der Rechtsvertretung werde beeinflusst.

Auf der Liste befand sich auch der Name von Basile Couchepin. Dieser betont, er habe davon keinerlei Kenntnis gehabt. «Ich wurde weder informiert noch war ich in irgendeiner Weise in das Vorgehen eingebunden», erklärte er schriftlich. Die Kantonspolizei unterstehe zudem nicht der Aufsicht des Justizrats.

Trotzdem zieht Couchepin Konsequenzen: «Um jeden Anschein von Befangenheit zu vermeiden», trete er in den Ausstand. Ziel sei es, das reibungslose Funktionieren der Institution sicherzustellen.

Mehrere Couchepins in verschiedenen Rollen

Der Justizrat besteht aus neun Mitgliedern, der Ausstand des Präsidenten legt das Gremium nicht lahm – wirft aber Fragen zur Nähe zwischen Politik, Justiz und Anwaltschaft auf.

Mehrere Träger des Namens Couchepin sind in unterschiedlichen Rollen involviert. So vertritt Gaspard Couchepin die Gemeinde Crans-Montana, die ihrerseits als Privatklägerin am Verfahren teilnehmen will.

Die Brandkatastrophe mit 40 Todesopfern und über 100 Verletzten gilt als eines der schwersten Unglücke der letzten Jahrzehnte in der Schweiz. Opferanwälte kritisieren seit Beginn einzelne Verfahrensschritte der Staatsanwaltschaft.