Nach Brand-Tragödie in Crans-Montana Moretti-Anwälte kritisieren«Lynchjustiz»

SDA

27.2.2026 - 10:42

Die drei Anwälte des Ehepaars Moretti haben diese Woche ein Interview mit der Westschweizer Zeitung "Le Nouvelliste" geführt. (Archivbild)
Die drei Anwälte des Ehepaars Moretti haben diese Woche ein Interview mit der Westschweizer Zeitung "Le Nouvelliste" geführt. (Archivbild)
Keystone

Knapp zwei Monate nach dem Drama von Crans-Montana melden sich die Anwälte von Jacques und Jessica Moretti erneut zu Wort. Sie sprechen von einer «gefährlichen Entwicklung», weisen Mordvorwürfe zurück und betonen: «Niemand wollte diese Tragödie.»

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  • Die Verteidiger der Morettis bezeichnen das Neujahrsdrama als Unfall und wehren sich gegen Spekulationen über Vorsatz.
  • Sie kritisieren angebliche Falschinformationen und selektive Leaks aus der laufenden Untersuchung.
  • Das Strafverfahren dürfte nach Einschätzung der Anwälte mindestens fünf Jahre dauern.

Fast zwei Monate nach den Ereignissen von Crans-Montana gehen die Anwälte des Ehepaars Moretti erneut in die Offensive. In einem Interview mit dem «Nouvelliste» sprechen sie von einer «Art Abdriften» der öffentlichen Debatte.

«Die Emotion ist legitim, darf aber nicht zum Zentrum dieser Affäre werden und die Vernunft verdrängen», sagt Anwältin Yaël Hayat. Gemeinsam mit ihren Kollegen Nicola Meier und Patrick Michod habe man das Gespräch gesucht, um «zahlreiche Unwahrheiten richtigzustellen», ohne Inhalte aus der Akte preiszugeben.

«Eine Tragödie – aber kein Vorsatz»

Zentral sei für die Verteidigung die Einordnung des Geschehens in der Neujahrsnacht als Unfall. «Und wenn wir von einem Unfall sprechen, bedeutet das, dass niemand diese Tragödie wollte. Das heisst nicht, dass es keine Verantwortung zu klären gibt, aber es bedeutet, dass das Drama ungewollt war», so Hayat.

Einige Juristen hatten nach dem Vorfall gefordert, die Morettis wegen eventualvorsätzlicher Tötung anzuklagen. Für die Verteidigung seien solche Forderungen durch «eine Serie falscher Informationen» genährt worden. Als Beispiel nennen die Anwälte Berichte, wonach Jessica Moretti mit der Kasse geflüchtet sei, ohne sich um Verletzte zu kümmern.

Die drei Verteidiger betonen, sie hätten nie Informationen aus der Untersuchung weitergegeben – obwohl sie «zahlreiche entlastende Elemente» hätten. Gleichzeitig kritisieren sie, dass aus der Untersuchung «teilweise und einseitig» Details an die Öffentlichkeit gelangt seien.

Eskalation bei Anhörungen

Für Aufsehen sorgten die Anhörungen vom 11. und 12. Februar auf dem Energypolis-Campus in Sitten. Beim Verlassen des Gebäudes trafen die Morettis auf eine Menschenmenge aus Medienvertretern und Angehörigen von Opfern. Die Verteidigung spricht von einem «Lynchjustiz»-ähnlichen Klima.

Warum habe man keinen Hinterausgang benutzt? «Gegenüber den trauernden Familien wäre das als Missachtung verstanden worden», erklärt Patrick Michod. Die Eskalation habe man so nicht vorhersehen können.

Verfahren dürfte Jahre dauern

Die Anwälte rechnen mit einer langen juristischen Aufarbeitung. Das Verfahren werde «mindestens fünf Jahre» dauern, auch wenn es derzeit mit hohem Tempo geführt werde. Bei der Vielzahl der Beteiligten sei eine schnellere Klärung kaum realistisch.

Die Morettis seien weiterhin bereit, sich mit den betroffenen Familien auszutauschen – allerdings abseits der Öffentlichkeit. Für das Ehepaar gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Video zeigt Tumulte vor Moretti-Befragung im Wallis

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