Fehler gefunden?
Jetzt melden
Das Ehepaar Jacques und Jessica Moretti hatte das «Vieux Chalet» wenige Monate vor dem Brand übernommen. (Archivbild)
sda
Rund ein halbes Jahr nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana stehen die Morettis erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Ehepaar möchte zwei Gastrobetriebe wieder eröffnen. In Italien stösst dieses Vorhaben auf heftigen Widerstand.
Die Nachricht sorgt diesseits und jenseits der Grenze für Diskussionen: Das Ehepaar Moretti plant, das Restaurant «Senso» in Crans-Montana sowie das «Vieux Chalet» in Lens wieder in Betrieb zu nehmen.
Wie das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS berichtet, reagieren insbesondere Angehörige der Opfer mit Unverständnis auf diese Pläne.
Beim Brand von Crans-Montana in der Neujahrsnacht kamen sechs italienische Staatsangehörige ums Leben. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Katastrophe laufen weiterhin.
Die Debatte hat inzwischen auch eine politische Dimension erhalten. Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, sprach sich im italienischen Staatssender RAI für eine Petition aus. Diese solle die Wiedereröffnung des «Vieux Chalet» verhindern.
Nach seinen Vorstellungen könnten sich nicht nur Angehörige der Opfer, sondern auch Schweizer und französische Familien sowie Einwohner von Lens daran beteiligen. Bislang gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass eine solche Petition tatsächlich lanciert wurde.
Öffentlich äussern wollten sich die Morettis gegenüber RTS nicht. Fest steht jedoch, dass das Ehepaar seit der Brandkatastrophe ohne Einkommen ist und zwei kleine Kinder hat. Beobachter sehen darin einen wesentlichen Grund für den Versuch, die Betriebe wieder zu eröffnen. Gerade dieses Argument überzeugt jedoch viele Kritiker nicht.
Die intensive Berichterstattung in Italien überrascht Beobachter nicht. Kriminal- und Gerichtsfälle stossen dort traditionell auf grosses Interesse. Gleichzeitig dient die öffentliche Aufmerksamkeit auch dazu, Druck auf die Ermittlungsbehörden aufrechtzuerhalten.
Botschafter Cornado sagte gegenüber RAI, die Medien müssten das Thema weiterhin begleiten. Nur so könne letztlich Gerechtigkeit erreicht werden.
Die zuständige Gemeinde Lens hält sich derzeit bedeckt. Man könne sich zu laufenden Verfahren nicht äussern. Die eingereichten Gesuche würden wie jedes andere Dossier behandelt und geprüft. Ob die beiden Lokale tatsächlich wieder öffnen dürfen, ist deshalb weiterhin offen.