Tragödie in Crans-Montana VSMoretti-Bar jahrelang nicht kontrolliert – jetzt muss der Gemeindepräsident antraben
SDA
13.4.2026 - 09:41
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, bei der Medienkonferenz vom 6. Januar. (Archivbild)
Keystone
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS dauern die Ermittlungen weiter an. Gemeindepräsident Nicolas Féraud wird am Montag erstmals als Beschuldigter befragt. Für die Opferfamilien kommt dieser Schritt spät.
Nicolas Féraud wird am Montag erstmals als Beschuldigter zur Brandkatastrophe in Crans-Montana VS mit 41 Toten angehört.
Opferanwälte kritisieren die späte Einvernahme des Gemeindepräsidenten und fordern Antworten zu fehlenden Sicherheitskontrollen in der Bar «Le Constellation».
Die Ermittlungen sollen klären, wer für Versäumnisse verantwortlich ist, nachdem über Jahre hinweg offenbar keine Kontrollen durchgeführt wurden.
Der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, wird am Montag erstmals im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe vom 1. Januar von der Staatsanwaltschaft angehört. Er ist der achte von insgesamt neun Beschuldigten, die in diesem Fall befragt werden.
«Diese Anhörung bedeutet, dass es drei Monate und zehn Tage gedauert hat, bis der Gemeindepräsident als Beschuldigter einvernommen wurde, obwohl er bereits am 6. Januar schwerwiegende Versäumnisse eingeräumt hatte», sagte Opferanwalt Sébastien Fanti zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Für die Familien ist das Wort, das sich aufdrängt, ‹endlich›.»
Féraud traf gegen 8.30 Uhr in Begleitung seines Anwalts Christian Delaloye ein. Der FDP-Politiker wurde von zahlreichen Journalisten, Fotografen und Kamerateams erwartet. Er entschied sich, über einen der Seiteneingänge zur Aula des Campus Energypolis in Sitten – dem Ort der Anhörung – einzutreten.
Wie die anderen Beschuldigten wird Féraud der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Brandstiftung beschuldigt. Beim Brand in der Bar «Le Constellation» waren in der Silvesternacht 41 Menschen ums Leben gekommen und 115 verletzt worden. 38 befanden sich zunächst weiterhin im Spital.
Keine Kontrollen während sechs Jahren
Fünf Tage nach der Tragödie hatte die Gemeinde Crans-Montana über ihren Präsidenten an einer Medienkonferenz eingeräumt, dass die Bar «Le Constellation» seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden war. «Wir können uns nicht erklären, warum diese Kontrollen nicht durchgeführt wurden», hatte Féraud damals erklärt.
«Meine Mandanten brauchen Antworten, jemanden, der ihre Fragen beantwortet und Verantwortung übernimmt», sagte der Genfer Anwalt mehrerer Opferfamilien, Romain Jordan. «Warum gab es keine Kontrollen? Warum erfolgte keine Nachverfolgung der 2019 festgestellten Abweichungen? Warum wurden Hilferufe einzelner Mitarbeitender wegen fehlender Mittel nicht ernst genommen?»
In einem Interview mit Keystone-SDA hatte Féraud Ende Januar erstmals ein Schuldeingeständnis formuliert. «Ich werde Verantwortung übernehmen für das, was ich zu verantworten habe, falls ich angeklagt werde», erklärte er damals.
Klärung der Verantwortlichkeiten
Es geht nun nicht mehr nur um Kommunikation, sondern darum, präzise zu klären, welche Entscheidungen unter welchen Bedingungen getroffen wurden und welche Verantwortlichkeiten auf Gemeindeebene und in den betroffenen Bereichen wahrgenommen wurden – auch bei der Abwägung zwischen Sicherheitsanforderungen, touristischer Entwicklung sowie den von der Gemeinde eingesetzten Ressourcen», sagte der Waadtländer Anwalt mehrerer Familien, Gilles-Antoine Hofstetter.
In der vergangenen Woche standen vier Anhörungen auf dem Programm: Barbetreiber Jacques Moretti war aus medizinischen Gründen nicht anwesend.
Weiter wurde der ehemalige Verantwortliche für den Brandschutz der Gemeinde Chermignon befragt, der laut seinem Anwalt mangels Akteneinsicht keine Fragen beantwortete. Zudem hörte die Staatsanwaltschaft den stellvertretenden Leiter des Gemeindesicherheitsdienstes (2020 – 2024) und ein aktuelles Mitglied des Teams für öffentliche Sicherheit der Gemeinde Crans-Montana an.
Video aus dem Ressort
Bundesrat Beat Jans zu Crans-Montana-Hilfe
Im Ständerat ist es zum politischen Showdown über die Hilfe für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana gekommen. Trotz Widerstand aus der SVP stellte sich eine klare Mehrheit hinter den Vorschlag des Bundesrates.