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Wetter-Apps können sich bei den Prognosen unterscheiden.
KEYSTONE
Wetter-Apps liefern täglich aktuelles Wetter. Die einen genauer, die anderen weniger genau. Aber woher haben die Apps ihre Daten und wie wird eine Wetterprognose erstellt? blue News erklärt es dir.
Ein Blick aufs Handy genügt – und schon scheint klar zu sein, ob es am Nachmittag regnet oder die Sonne scheint.
Hinter jeder Wetter-App steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Messstationen, Satelliten, Wetterradaren, Supercomputern und Meteorologinnen und Meteorologen. Doch wie kommt eine Prognose zustande und woher weiss die App überhaupt, welches Wetter morgen sein wird?
Am Anfang jeder Wetterprognose steht die Frage: Wie sieht die Atmosphäre im Moment aus? Dafür werden weltweit Daten von Bodenmessstationen, Wetterballonen, sogar Flugzeugen, Schiffen, Bojen, Wetterradaren und Satelliten gesammelt.
Nach Angaben des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) stammt heute der überwiegende Teil der weltweiten Wetterbeobachtungen aus Satelliten. Diese Beobachtungen werden mit den Messungen am Boden zusammengeführt und dienen als Ausgangspunkt für numerische Wettermodelle.

Anbieter wie meteoblue.com zeigen transparent auf, wie stark sich die Wettermodelle unterscheiden. Jede Kurve steht für eine Prognose.
meteoblue.com
Meteorologinnen und Meteorologen sprechen dabei von Datenassimilation. Dabei werden sämtliche verfügbaren Beobachtungen mit einer ersten Modellrechnung kombiniert, um den aktuellen Zustand der Atmosphäre möglichst genau abzubilden. Erst danach beginnt die eigentliche Wetterberechnung.
Weil sich das Wetter nie vollständig exakt berechnen lässt, berechnen grosse Wetterzentren mehrere Prognosen gleichzeitig. Wie das ECMWF erklärt, werden dabei die Ausgangsbedingungen leicht verändert. Stimmen die verschiedenen Modellläufe weitgehend überein, gilt die Wetterprognose als vergleichsweise sicher. Weichen sie stark voneinander ab, steigt die Unsicherheit.
So weit so gut, doch wie messen die gängigen Wetter-Apps in der Schweiz? blue News hat einen genaueren Blick darauf geworfen.
Die App «Meteo Swiss», kommt von Meteo Schweiz und beschränkt sich auf die Schweiz. Kein Wunder: Hinter der App stehen Meteorolog*innen des Bundes. Neben Wetterprognosen informieren sie über die Bundes-App auch über Unwetter, Hochwasser, Lawinen, Trockenheit und Waldbrandgefahr.
Wie das zuständige Bundesamt auf seiner Website schreibt, betreibt die Eidgenossenschaft rund 260 automatische Wetterstationen im ganzen Land. Sie liefern alle zehn Minuten Messwerte zu Temperatur, Niederschlag, Wind, Luftdruck, Sonnenscheindauer oder Luftfeuchtigkeit.
Diese Messungen bilden jedoch nur einen kleinen Teil der Prognose. Meteo Schweiz zufolge fliessen zusätzlich Wetterradardaten, Satellitenbilder, Radiosondierungen sowie internationale Wettermodelle in die Berechnungen ein. Anschliessend überprüfen Fachleute die Resultate und passen sie bei Bedarf an die aktuelle Wetterlage an.
Bei Naturgefahren arbeitet Meteo Schweiz mit weiteren Bundesstellen zusammen. Wie das Bundesamt erklärt, stammen Hochwasser- und Waldbrandinformationen vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), Lawinenwarnungen vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). In der «Meteo Swiss»-App werden diese Warnungen geammelt.
Wie SRF auf seiner Website erläutert, stützen sich die SRF-Meteorologinnen und -Meteorologen auf verschiedene Wettermodelle, Satellitenbilder, aktuelle Messdaten und ihre Erfahrung mit typischen Wetterlagen in der Schweiz.
Die Wetterberichte im Fernsehen, Radio und Internet werden von eigenen Fachleuten erstellt. Gleichzeitig erzeugen Computer automatisch Lokalprognosen für tausende Orte im Inland. SRF weist darauf hin, dass sich deshalb die Wetterkarte und die Prognose für einen einzelnen Ort gelegentlich leicht unterscheiden können.
Die Radardaten stammen vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie. Die eigentliche Radarprognose wird jedoch von SRF selbst berechnet. Für die erste Stunde werden aktuelle Radarbilder verwendet, anschliessend übernimmt ein hochaufgelöstes Wettermodell. Satellitenbilder stammen von der europäischen Organisation EUMETSAT, Lawinendaten vom SLF.
SRF weist zudem darauf hin, dass die Radarprognose lediglich ein berechnetes Szenario darstellt. Gerade Gewitter können ihre Zugbahn kurzfristig ändern, weshalb sich Niederschlag nicht minutengenau vorhersagen lässt.
Der private Schweizer Wetterdienst Meteo News erstellt mehrmals täglich Wetterprognosen und Unwetterwarnungen.
Nach Angaben von Meteo News betreibt das Unternehmen eigene Wetterstationen, ein eigenes Webcam-Netz sowie eigene Wettermodelle. Ergänzt werden diese durch Messwerte von Partnern im In- und Ausland sowie Daten staatlicher und internationaler Wetterdienste.
Gerade in einem Gebirgsland wie der Schweiz kann diese Daten ein Vorteil sein. Lokale Wetterphänomene wie Föhn, Hochnebel oder Gewitter entstehen oft kleinräumig und lassen sich mit regional angepassten Modellen genauer erfassen als mit globalen Berechnungen.
Mit über einer Million Downloads zählt «Landi Wetter» zu den meistgenutzten Wetter-Apps der Schweiz.
Eigene Prognosen erstellt die App allerdings nicht. Wie Landi auf ihrer Website schreibt, stammen sämtliche Wetterdaten vom privaten Wetterdienst Meteo News. Ergänzt werden sie unter anderem mit Informationen für die Landwirtschaft wie Bodenfeuchtigkeit oder Pflanzenschutzdaten.
Die vorinstallierten Wetter-Apps von Apple und Google funktionieren anders als klassische Wetterdienste. Sie müssen Wetterinformationen für nahezu jeden Ort der Welt bereitstellen.
Apple schreibt in seinen Support-Unterlagen, dass die Wetter-App unter anderem Daten vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), vom Deutschen Wetterdienst (DWD), von Météo-France, dem britischen Met Office sowie der US-Wetterbehörde NOAA nutzt. Warnungen vor Unwettern stammen in Europa jeweils von den nationalen Wetterdiensten.
Auch Google entwickelt eigene Wettermodelle. Das Unternehmen kombiniert dafür Daten verschiedener Wetterdienste wie ECMWF, NOAA, DWD oder Met Office. Für kurzfristige Regenprognosen werden zusätzlich aktuelle Radardaten ausgewertet.
Anders als Meteo Schweiz oder Meteo News verfügen Apple und Google jedoch über kein eigenes Messnetz in der Schweiz. Dadurch können lokale Wetterphänomene in den Alpen oder in engen Tälern teilweise weniger präzise dargestellt werden.
Dass verschiedene Wetter-Apps unterschiedliche Temperaturen oder Regenzeiten anzeigen, ist normal. Die Anbieter nutzen unterschiedliche Wettermodelle, berechnen die Atmosphäre mit verschiedener räumlicher Auflösung und aktualisieren ihre Prognosen unterschiedlich häufig. Regionale Modelle können die Schweizer Topografie mit Bergen, Tälern und Seen oft genauer abbilden als globale Modelle.
Besonders schwierig bleiben Vorhersagen bei Gewittern. Wie SRF Meteo erklärt, lässt sich meist gut abschätzen, dass Gewitter entstehen werden. Wo sie sich genau entladen und welche Zugbahn sie nehmen, zeigt sich jedoch häufig erst kurz vor dem Ereignis.
Die meisten Wetter-Apps greifen letztlich auf dieselben physikalischen Grundlagen zurück. Unterschiede entstehen vor allem bei den verwendeten Wettermodellen, den regional verfügbaren Messdaten und der meteorologischen Interpretation.
Für die Schweiz liefern deshalb spezialisierte Anbieter wie Meteo Schweiz, SRF Meteo oder Meteo News häufig besonders präzise Lokalprognosen. Globale Apps wie jene von Apple oder Google bieten dagegen einen guten Überblick für praktisch jeden Ort der Welt – können lokale Besonderheiten in einem Gebirgsland wie der Schweiz aber nicht immer gleich genau abbilden.