Von Haien bis Baby-News Das hat sich am Vorabend der Bundesratswahl ereignet – 11 Erkenntnisse

Dominik Müller

12.3.2025

Die Bellevue-Bar ist am Dienstagabend gut gefüllt.
Die Bellevue-Bar ist am Dienstagabend gut gefüllt.
blue News

Bundesratswahlen sind das grösste Schweizer Politspektakel. Bereits um den Vorabend der Wahl drehen sich zahlreiche Legenden. blue News war am Dienstag im Hotel Bellevue präsent.

Dominik Müller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Vor jeder Bundesratswahl strömen Politiker*innen, Medienschaffende und Zaungäste ins Berner Hotel Bellevue Palace.
  • Der Legende nach trifft man sich dort zu konspirativen Gesprächen.
  • Alles nur ein Mythos? blue News war vor Ort.

Vorteil Ritter bei der SVP, Vorteil Pfister bei der GLP, die übrigen vier Fraktionen halten sich am Tag vor der Bundesratswahl bedeckt zu ihrer Strategie. Das lässt die Ausgangslage offen – und reichlich Raum für Spekulationen.

Angeblich werden die letzten Absprachen jeweils in der Nacht vor der Bundesratswahl im Hotel Bellevue Palace getroffen, traditionell «Nacht der langen Messer» genannt. Politikerinnen und Politiker, Lokalprominenz, Medien und Zaungäste belagern dann Lobby und Bar des Berner Luxushotels.

blue News war vor Ort. Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse.

Das problematische Erbe

Entgegen der ausgelassenen Stimmung in der Bellevue-Bar, aufgrund der historischen Tragweite aber notwendig, zuerst ein bedrückender Fakt: Die Phrase «Nacht der langen Messer» bezeichnet zwar gemeinhin die Nacht vor der Bundesratswahl, ihren Ursprung hat sie aber in einer düsteren Zeit.

Um in Ungnade gefallene Parteigänger loszuwerden, initiierte Adolf Hitler eineinhalb Jahre nach seiner Machtübernahme den «Röhm-Putsch». Unter dem Vorwand einer bevorstehenden Revolte aus den Reihen der Sturmabteilung (SA) liess er deren Führungsriege mitsamt ihrem Chef Ernst Röhm ermorden. Auch weitere politische Gegner und Juden kamen dabei ums Leben. Es sind etwa 90 Ermordete namentlich nachgewiesen, einige Forscher gehen aber von etwa 150 bis 200 Opfern aus.

Wo bleiben die Protagonisten?

Nun wird es heiterer, versprochen. Allerdings: Wer um 21 Uhr bereits in der Hotel-Bar ist, trifft mehrheitlich auf gähnende Leere. Ein Dutzend Journalist*innen sind bereits postiert und die Kameras und Mikrofone einsatzbereit, von Politiker*innen fehlt mit wenigen Ausnahmen aber jede Spur.

Haie auf der Jagd

Ab 21.15 Uhr trudeln immer mehr Ratsmitglieder ein und die Bar füllt sich allmählich. Das ruft die bis anhin beschäftigungslosen Medienleute auf den Plan: Mit Mikrofonen und Kameras bewaffnet kreisen Journalist*innen unscheinbar und ausschauhaltend um die Menge wie Haie um ihre Beute – auf der Suche nach dem grössten Fisch. Bis die Ersten anbeissen, dauert es nicht lange.

Anzug versus Hoodie

Apropos Medienschaffende: Man braucht kein Fashion-Experte zu sein, um auch ungeachtet der Arbeitsausrüstung Journalist*innen von Politiker*innen unterscheiden zu können. Während die zweitgenannte Berufsgattung konsequent in Hemd und Anzug erscheint, wagen einige Vertreter der anderen Zunft modische Statements wie Hoodies, ausgelatschte Sneaker und durchlöcherte Rucksäcke.

Geheimabsprachen? Fehlanzeige

Wer denkt, im Bellevue werden die ganz grossen Intrigen gesponnen, irrt. Zumindest geschieht dies nicht offensichtlich: An welchen Stehtisch man sich auch dazugesellt, es dominieren Gespräche über Alltagsthemen oder die derzeit laufende Frühjahrssession. Und wenn eine mögliche wilde Wahl doch zur Sprache kommt, ist der Tenor eindeutig: Es sprechen wenige Indizien dafür. Die «Nacht der langen Messer» (auf die Phrase wird fortan aufgrund des unter Punkt 1 beschriebenen historischen Kontextes verzichtet) bleibt wohl in erster Linie ein Mythos.

Die Geschehnisse von 1983

In die hiesige Politberichterstattung fand besagte Phrase im Jahr 1983 Einzug. Es ging damals um die Nachfolge des verstorbenen SP-Bundesrats Willi Ritschard. Offizielle Kandidatin der Sozialdemokraten war die Zürcher Nationalrätin Lilian Uchtenhagen. Gewählt wurde dann aber bereits im ersten Wahlgang der Solothurner Otto Stich, der am Vortag aus den Reihen der FDP kontaktiert worden war.

Ein Hotel in Osterstimmung

Es ist offensichtlich: Im Berner Luxushotel hat der Frühling längst Einzug gehalten. In der Mitte dekorieren Blumen den Raum – und von der Decke baumeln bereits Osterhasen auf einer Schaukel.

Im Hotel Bellevue herrscht Frühlingsstimmung.
Im Hotel Bellevue herrscht Frühlingsstimmung.
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Der Champagner muss noch warten

Gut möglich, dass am Mittwoch entweder Markus Ritter oder Martin Pfister mit Champagner auf eine erfolgreiche Wahl anstösst. Das dominierende Getränk am Vorabend wird hingegen aus den Rohstoffen Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut. Das absolute Mehr in der Bellevue-Bar entscheidet sich bei der Getränkewahl für ein Bier. 

Baby-News

Die Meldung macht schnell die Runde: Der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult ist Vater geworden. Derzeit befindet er sich im Vaterschaftsurlaub, für die Bundesratswahl unterbricht er diesen aber kurzzeitig.

Auch die Kantone sind vor Ort

Markus Ritter und Martin Pfister sind übrigens nicht anwesend. Dafür haben auch verschiedene Vertreter von Kantonsregierungen den Weg nach Bern auf sich genommen. Aus Zürich sind etwa Regierungsrat Martin Neukom oder Stadtrat Filippo Leutenegger vor Ort. Auch aus den Heimatkantonen der Bundesratskandidaten, St. Gallen und Zug, sind Delegationen angereist.

Aus Bellevue wird Ellevue

Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf: Da fehlt doch ein «B».
Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf: Da fehlt doch ein «B».
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Pompös ist es ja, das Hotel Bellevue Palace gleich neben dem Bundeshaus Ost. Für ein Fünf-Sterne-Luxushotel mutet die Anschrift in Leuchtbuchstaben draussen allerdings etwas bescheiden an. Das «B» hat kurzerhand den Geist aufgegeben. Und so wird aus «Bellevue» eben «Ellevue». Ob hier am Dienstagabend tatsächlich in geheimer Absprache der Ausgang der «Undesratswahl» beschlossen wurde, wird sich erst im Nachgang beurteilen lassen.


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