«Müssen wir im Krisenfall berücksichtigen»Bunker für Pendler – Bund prüft neue Schutzräume
Philipp Dahm
10.11.2025
Eine Familie probt im November 2001 den Bezug eines privaten Zivilschutzraumes. In der Schweiz gilt seit dem 4. Oktober 1963 das Gesetz, dass jedes neugebaute, private oder öffentliche Haus einen eigenen Schutzraum haben soll.
KEYSTONE
Die Schweiz verfügt wie kaum ein anderes Land über ein ausgedehntes Netz von Bunkern. Doch die Schutzräume sind oft sanierungsbedürftig – und weil die Bevölkerung so mobil ist, fehlen Bunker für Pendlerinnen und Pendler. Das soll sich ändern.
So viele Bunker gibt es in der Schweiz und das müssen sie können.
Wer ein Haus und keinen Schutzraum baut, muss neu 1400 statt 800 Franken Ersatzabgabe zahlen.
Weil rund 29 Prozent der Arbeitenden pendelt, soll eine Studie ausloten, wie vorhandene Infrastruktur zu Bunkern für den Schutz ddieser Leute ausgebaut werden kann.
In den 60er-Jahren hat die Schweiz damit begonnen, im Land flächendeckend Bunker zu bauen: Heute gibt es 370'000 Schutzräume, die das Volk im Kriegs-, aber auch im Katastrophenfall vor Schlimmeren bewahren sollen. Hinzu kommen laut «Aargauer Zeitung» 1700 Zivilschutzstandorte sowie militärische Bunkeranlagen.
Welche Regeln dabei gelten, erklärt César Metzger, Mitglied der Geschäftsleitung beim Labor Spiez, dem CH-Media-Blatt: Kantone und Gemeinden seien verpflichtet, für jeden Einwohner einen Schutzraum zu bauen. «Dieser muss innert 30 Minuten zu Fuss erreichbar sein.»
Noch heute gilt zudem die Vorgabe, dass Hausbauer einen Schutzraum einplanen oder eine entsprechende Abgabe zahlen müssten. Die Bunker müssen mit Stahlbeton umhüllt sein, belüftet sein und mindestens eine Panzertür aufweisen. Die Wände müssen ein Bar-Druck pro Quadratmeter aushalten können.
Studie soll Fragen klären
Das Problem sei, dass Komponenten wie etwa die Türdichtungen ihr Lebensende erreichen würden. Um die Nachbesserungen zu finanzieren, hat der Bundesrat die Gebühren angehoben, die anfallen, wenn man keinen Bunker baut: Statt 800 werden nun 1400 Franken fällig.
Zivilschutz-Bunker in Zürich Albisrieden.
KEYSTONE
Ein weiteres Dilemma: Rund 29 Prozent der arbeitenden Bevölkerung pendelt zum Job. Für diese Personen müssen eigentlich zusätzliche Schutzräume gebaut werden: «Die Mobilität hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Das müssen wir im Krisenfall berücksichtigen», sagt Metzger der «Aargauer Zeitung».
Dazu sollten bestehende Infrastrukturen wie Bahnhöfe, Garagen oder Tunnel genutzt werden. Um den Bedarf einzuschätzen, hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz eine Studie in Auftrag gegeben. Der Massstab werde dabei aber tiefer angesetzt: Es gehe um Schutz vor konventionellen Angriffen, nicht vor Atomschlägen.
Besuch im Réduit: «Also ich hätte die Schweiz nicht angegriffen»
Der Gotthard als Mythos – nicht nur im Kopf, sondern auch im Kampf: Die Schweiz hat in den 40ern die Festung Sasso da Pigna gebaut, um Mussolini abzuschrecken. Heute ist das Réduit ein Museum, das es in sich hat.