Befragung in der UnglücksnachtDas sagten die Morettis den Ermittlern nach der Brandkatastrophe
Oliver Kohlmaier
10.1.2026
Die Morettis wurden kurz nach dem Unglück getrennt voneinander befragt.
KEYSTONE/Jean-Christophe Bott
Kurz nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana wurde das Betreiber-Ehepaar befragt. Ein Medienbericht schildert nun neue Details der Unglücksnacht.
Redaktion blue News
10.01.2026, 16:23
12.01.2026, 23:22
Oliver Kohlmaier
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Der franzöische TV-Sender BFMTV berichtet von Details der ersten Befragung des Betreiber-Ehepaares kurz nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana am 1. Januar.
Demnach verloren die beiden eine enge Freundin, die 24-jährige Cyane, die als Kellnerin in der Bar «Le Constellation» arbeitete. Jaques Moretti, der erst später eintraf, versuchte eine Stunde lang, sie wiederzubeleben.
Ehefrau Jessica Moretti berichtet, die beim Unglück anwesend war, schildert den Ausbruch des Brandes.
Jaques Moretti gab bei der Befragung an, dass die Mitarbeiter nicht für Notfälle geschult waren.
Kurz nach der verheerenden Brandkatastrophe wurden die Betreiber des «Le Constellation» erstmals von Ermittlern befragt. Über die Details der getrennten Verhöre von Jacques und Jessica Moretti berichtet nun der franzöische TV-Sender BFMTV.
Demnach soll Jacques Moretti berichtet haben, er habe rund eine Stunde lang versucht, eine Kellnerin der Bar wiederzubeleben. Dabei handelte es sich um die 24-jährige Cyane, die der Familie sehr nahe stand. Die Rettungskräfte teilten ihm schliesslich mit, dass es zu spät sei. Seine Ehefrau Jessica sagte den Ermittlern: «Cyane war wie meine kleine Schwester. Sie hat Weihnachten mit uns verbracht. Ich bin am Boden zerstört.»
Jacques Moretti selbst war beim Ausbruch des Brandes nicht in der Bar. Um 1.28 Uhr erhielt der von seiner Frau einen Anruf, er solle sofort kommen. Zunächst habe er versucht, ins Lokal zu gelangen. «Aber es war unmöglich, alles war voller Rauch», sagt Jaques Moretti den Ermittlern.
Gemeinsam mit zwei weiteren Personen sei er schliesslich zur Hintertür gegangen, doch diese sei verriegelt gewesen. Nachdem die drei die Tür aufgebrochen hatten, sahen sie mehrere leblose Personen, darunter Jaques Schwiegertochter.
Jessica Moretti berichtet ausserdem von einem zuvor ruhigen Abend. Sie selbst sei um 22.30 Uhr in der Bar eingetroffen. «Um Mitternacht waren nur sehr wenige Leute da», sagt sie den Ermittlern. Sie habe zu Cyane gesagt, dass «wir mehr Leute bräuchten, um die Stimmung in Schwung zu bringen».
Schliesslich erzählt sie den Ermittlern vom Ausbruch des Brandes. «Plötzlich spürte ich eine Bewegung in der Menge», sagt Jessica Moretti. «Ich sah orangefarbenes Licht in der Ecke der Bar. Sofort rief ich: ‹Alle raus!› und und rief die Feuerwehr. Ich verliess das Lokal durch den Haupteingang und ging die Treppe hinauf, um dem Sicherheitsmann zu sagen, er solle alle rausholen.»
«Ich sagte ihr, sie solle nicht hierbleiben»
Jaques Moretti schickte seine Frau Jessica schliesslich nach Hause. Den Ermittlern berichtet er: «Ich sagte ihr, sie solle nicht hierbleiben und diese Tragödie mitansehen. Ich wollte sie beschützen.»
Laut dem BFMTV-Bericht befragten die Ermittler das Ehepaar auch zu Sicherheitsmassnahmen in der Bar. Jaques Moretti gab ab, die Bar 2015 übernommen und schliesslich «von A bis Z» selbst renoviert zu haben – «vom Boden über die Möbel bis hin zur Bar». Auch habe er die bereits vorhandene Schallschutzdämmung an der Decke ersetzt.
Mitarbeiter nicht für Notfälle geschult
Die Elektro- und Lüftungsanlagen hingegen seien an private Firmen vergeben worden. Wie es weiter heisst, gab es einen Hauptausgang und einen Notausgang auf der Rückseite. Beide seien deutlich als solche gekennzeichnet, versichert Moretti gegenüber den Ermittlern.
Fotos der Bauarbeiten, die BFMTV vorliegen, untermauern diese Aussage. Moretti sagt weiter: «Die Feuerwehr hat in den zehn Betriebsjahren zwei oder drei Brandschutzprüfungen durchgeführt», ohne jemals «Renovierungen oder bauliche Veränderungen am Gebäude» zu fordern.
Der Bar-Betreiber sagte ausserdem, dass Feuerlöscher vorhanden waren, jedoch keine automatische Sprinkleranlage. Auf die Frage, ob die Angestellten der Bar in Notfallmassnahmen wie etwa einem Brand im Lokal geschult seien, antwortete Moretti mit «Nein».