Nur 2005 war der Schaden grösser

Von Alex Rudolf

19.7.2021

Hochwasser am Bieler Hafen.
Zwar hat sich die Wetterlage verbessert, doch ist die Gefahr noch nicht gebannt. Hier eine Aufnahme vom Bielersee.
KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Schäden im Wert von 450 Millionen Franken gingen in diesem Jahr bereits bei den Gebäudeversicherungen ein. Es zeichnet sich ein neuer Rekord ab.

Von Alex Rudolf

19.7.2021

Noch sind zahlreiche Schäden des Hochwassers nicht gemeldet, doch steht bereits fest, dass der Schaden rekordverdächtig gross ist. Dies wird deutlich, wenn man bei Versicherern nachfragt. Die Mobiliar allein erwartet bei der diesjährigen Unwetterserie zwischen dem 20. Juni und 13. Juli einen Schadenaufwand von 280 Millionen Franken.

«Dabei sind die Schäden von Mitte letzter Woche noch nicht mit ayeingerechnet», sagt Mediensprecher Kurt Messerli.

Zum Vergleich: Das Hochwasser von 2005 verursachte für die Mobiliar Aufwände von 450 Millionen Franken. Zwar habe man seit vergangener Woche schon Schadensmeldungen erhalten, so Messerli. «Doch ist es zu früh, bereits eine Zahl zu nennen.»

Der zweithöchste Wert seit 2005

Bei den 18 kantonalen Gebäudeversicherungen sind Schadensmeldungen von 450 Millionen Franken eingegangen, wie deren Sprecher Siméon Bongard gegenüber der NZZ am Sonntag sagte. Dies sei der zweithöchste Wert seit 2005.

Da Hochwasser in der Schweiz ein versicherter Elementarschaden ist, sind beinahe alle Gebäude versichert. Rund 70 Prozent davon bei einer der 18 kantonalen Gebäudeversicherungen. Die restlichen bei privaten Versicherungsgesellschaften.

Noch ist zwar völlig unklar, wie tief die Versicherungen ins Portemonnaie greifen müssen, doch sind sie bestrebt, so wenig wie möglich bezahlen zu müssen.

Nun gehe es darum, Folgeschäden zu vermeiden, sagt Messerli. Auf der jeweiligen Hotline wird Versicherten Hilfe geboten. Hier geht es um Schadenbegrenzung: «Zum Beispiel nasse Gegenstände aus einem zugänglichen Keller nehmen und trocknen.» 

Klimawandel bei Schadenhöhe nicht primäres Problem

Die Versicherungen scheinen sich dahingehend einig zu sein, dass der Klimawandel die Ursache für die Wetterextreme ist. Für die Schadenhöhe ist jedoch ein anderer Wert verantwortlich.

In einem Interview mit der «Sonntagszeitung» sagt Tamara Soyka vom Rückversicherer Swiss Re, dass der Klimawandel bei der Schadenhöhe zwar eine Rolle spiele. «Vielmehr sind in der Schweiz wie auch global das Wirtschaftswachstum, die Urbanisierung und die damit einhergehende Bebauung des Bodens ausschlaggebend», sagt sie. Beispielsweise könne Hochwasser bei einer Versiegelung des Bodens schlechter abfliessen.

Schritte für die Zukunft

Auch soll die Bevölkerung informiert werden. Auf der Website www.schutz-vor-naturgefahren.ch, die unter anderem vom Verband der Gebäudeversicherern und der Hauseigentümer lanciert wurde, können sich Interessierte darüber informieren, wie Hochwasser verursacht wird, ob ihr eigenes Haus in einer Gefahrenzone steht und wie sie es am besten dagegen Schützen.

Auch wurde vergangene Woche bekannt, dass sich acht grosse europäische Versicherungen zu einer Klima-Allianz zusammenschliessen. Bei der Net-Zero Insurance Alliance (NZIA) sind auch die Swiss Re und die Zurich Versicherungen dabei. Das Ziel ist es, die Portfolien bis 2050 frei von Treibhausgas-Emissionen zu machen, liess das Bündnis mitteilen.