Experte zur Skyguide-Panne «Das wird vermutlich mehrere Millionen kosten»

Von Philipp Dahm

15.6.2022

Passagierin am Flughafen Zürich: «Ich habe beide Flüge schon verpasst»

Passagierin am Flughafen Zürich: «Ich habe beide Flüge schon verpasst»

Wegen einer Softwarepanne bei der Flugsicherung Skyguide konnte am Flughafen Zürich am Mittwoch während Stunden kein Flugzeug starten. Wie gehen Passagier*innen damit um? blue News hat sich umgehört.

15.06.2022

Für die kritischen Systeme der Skyguide hätte es eine Absicherung geben müssen, erklärt Thomas Hurter: Der Berufspilot und SVP-Nationalrat rechnet mit Nachwehen von drei bis vier Tagen und einem Millionenschaden.

Von Philipp Dahm

15.6.2022

Nach der IT-Panne bei Skyguide und der morgendlichen Sperrung des Luftraums hat blue News Thomas Hurter um eine Einschätzung gebeten: Als Linienpilot und früherer Fluglehrer der Schweizer Luftwaffe kennt sich der SVP-Politiker in dem Metier aus.

Herr Hurter, was könnte der Grund für den Systemausfall bei Skyguide sein?

Das ist etwas, was man jetzt natürlich anschauen muss. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, warum es so weit gekommen ist, weil die kritischen Systeme, aber auch die anderen, gewisse Absicherungen haben. Was aber klar ist: Der Vorfall zeigt, wie vernetzt unsere Systeme sind. Die kritischen Punkte müssen entsprechend geschützt sein, weil es sonst grössere Katastrophen gibt: Die Panne wird einerseits Millionen kosten, andererseits wird es mehrere Tage brauchen, bis das System Luftfahrt wieder funktioniert.

Der Berufspilot und SVP-Nationalrat Thomas Hurter, hier im Juni 2021 in Bern, ist unter anderem auch Präsident der Eidgenössischen Kommission für Weltraumfragen.
Der Berufspilot und SVP-Nationalrat Thomas Hurter, hier im Juni 2021 in Bern, ist unter anderem auch Präsident der Eidgenössischen Kommission für Weltraumfragen.
KEYSTONE

Der Stau dieses Morgens wird also auch noch nach Tagen spürbar sein?

Es geht ja nicht nur um den Stau. Es geht um Passagiere, die zum Teil nicht am richtigen Ort sind. Es geht um Besatzungen, die nicht am richtigen Ort sind. Die Langstrecken-Flugzeuge, die heute Morgen in Zürich und Genf landen sollten, sind verteilt in den europäischen Nachbarländern, und hätten eigentlich am Mittag wieder hinaus in die Welt starten müssen. Bis das System wieder ganz normal läuft, vergehen wahrscheinlich drei bis vier Tage.

Wie ungewöhnlich ist ein kompletter Ausfall der Flugsicherung?

Das ist wirklich sehr, sehr selten. Eine ähnliche Situation, wenn auch mit anderen Vorzeichen, ist sicherlich 9/11 gewesen. Da hat man auch den Luftraum schliessen müssen, wenn auch aus einem anderen Grund. Und das war selbstverständlich richtig so. Eine Besatzung, die unterwegs ist, muss ad hoc eine Neubeurteilung machen: Wohin fliegen wir? Das Unternehmen macht da auch Vorschläge, aber entscheiden muss schlussendlich die Besatzung aufgrund der Ressourcen, die an Bord sind – wie etwa Kerosin. Das ist eine sehr anspruchsvolle Situation, aber in der Luftfahrt sind alle Verantwortlichen entsprechend trainiert, damit das funktioniert.

Sie sprachen von Millionenkosten: Wo fallen diese an?

Auf ganz verschiedenen Seiten. Fangen wir an beim Passagier: Es entstehen natürlich Kosten, weil der nicht da ist, wo er sein sollte, weil er Termine verpasst, weil er nicht weiterreisen kann und zusätzliche Flüge buchen muss. Womöglich fallen Hotelkosten an. Dann entstehen Kosten durch die Besatzungen und die Flugzeuge, die am falschen Ort sind und zurückgeholt werden müssen. Und es entstehen Kosten, weil diese Besatzungen für andere Einsätze eingeplant sind und die Reserve herangeholt werden muss. Da hängt also ein ganzer Rattenschwanz dran, und deshalb braucht das System auch so lange, bis alles wieder normal läuft. Ich bin überzeugt, dass das vermutlich mehrere Millionen kosten wird.