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Debatte zur «unsichtbaren Gefahr» PFAS im Nationalrat – das musst du wissen
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5 Fragen und Antworten

Debatte zur «unsichtbaren Gefahr» PFAS im Nationalrat – das musst du wissen

Der Nationalrat diskutiert am Dienstag über Massnahmen gegen PFAS-Ewigkeitschemikalien.

Der Nationalrat diskutiert am Dienstag über Massnahmen gegen PFAS-Ewigkeitschemikalien.

Bild: Parlamentsdienste/Rob Lewis

Verseuchtes Fleisch, belastetes Trinkwasser, kranke Böden: PFAS sind überall – und kaum wieder wegzukriegen. Heute muss der Nationalrat entscheiden, wie die Schweiz mit den «Ewigkeits-Chemikalien» umgehen soll.

Petar Marjanović

Petar Marjanović

09.09.2025, 04:30•10.09.2025, 08:49

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Heute befasst sich der Nationalrat in einer ausserordentlichen Session mit PFAS, den sogenannten «Ewigkeits-Chemikalien».
  • Acht Vorstösse aus allen Parteien stehen zur Debatte – von Verbot, Deklarationspflicht und Abgabe bis hin zu Unterstützung für belastete Bauernhöfe.
  • Der Bundesrat unterstützt nur eine Motion zu Grenzwerten, alle anderen lehnt er ab.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Was passiert heute im Nationalrat?

Der Nationalrat widmet sich heute in einer ausserordentlichen Session ausschliesslich PFAS, den sogenannten «Ewigkeits-Chemikalien». Die Debatte startet um 9 Uhr und behandelt acht Vorstösse aus allen Fraktionen.

Was ist PFAS?

PFAS sind Chemikalien, die in unzähligen Produkten stecken: in Regenjacken, Bratpfannen, Kosmetika, Verpackungen oder in Hightech-Geräten. Sie stossen Wasser, Fett und Schmutz ab und sind extrem widerstandsfähig. Über 10'000 verschiedene PFAS gibt es – erfunden, um den Alltag praktischer zu machen.

Das Problem: PFAS sind praktisch unzerstörbar. In der Umwelt bleiben sie für immer, im Körper reichern sie sich an. Darum spricht man von «Ewigkeits-Chemikalien». 

Wie gefährlich ist PFAS?

PFAS gelten als hochriskant für die Gesundheit. Studien bringen sie mit Krebs, Schilddrüsenerkrankungen, Störungen des Immunsystems und Unfruchtbarkeit in Verbindung. Schon kleinste Mengen können problematisch sein, weil sie sich im Körper ansammeln und kaum abgebaut werden.

Bei einem Ostschweizer Bauernhof wurden hohe PFAS-Werte im Boden und Fleisch entdeckt.

Bei einem Ostschweizer Bauernhof wurden hohe PFAS-Werte im Boden und Fleisch entdeckt.

Bild: Keystone

Auch die Umwelt ist betroffen. PFAS verschmutzen Böden, Flüsse und Grundwasser. In der Schweiz gab es mehrere Fälle: verseuchtes Fleisch in St. Gallen, belastete Fische im Tessin oder Trinkwasserverbote beim Flughafen Basel. Betroffene Bauernhöfe mussten Produkte vernichten oder Felder stilllegen.

Die Folgen sind nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell massiv. Sanierungen sind kompliziert und extrem teuer. Laut einer europaweiten Studie könnten die Kosten für die Schweiz bis zu 26 Milliarden Franken pro Jahr betragen, wenn der Eintrag nicht gestoppt wird. 

Worüber wird diskutiert?

Zum Auftakt liegt eine Motion der Umweltkommission des Ständerats auf. Sie fordert realistische Grenzwerte für PFAS – mit Rücksicht auf Landwirtschaft und Wasserversorger – und Unterstützung für betroffene Bauernhöfe. Dieser Vorstoss gilt als chancenreich, auch der Bundesrat unterstützt ihn.

Danach kommen die Grundsatzfragen. Die SP will PFAS nur noch für wirklich «essenzielle» Zwecke zulassen. Die Grünliberalen schlagen Absenkpfade pro Branche vor. Die FDP fordert Förderung sicherer Alternativen und zusätzlich eine Deklarationspflicht. Alle drei Vorstösse lehnt der Bundesrat ab, weil er sich an der EU orientieren will.

Weitere Vorstösse zielen auf die Landwirtschaft. Die Mitte verlangt Grenzwerte mit Begleitmassnahmen, die SVP fordert schnelle Hilfe für betroffene Betriebe. Zum Schluss bringen die Grünen die radikalste Idee ein: eine Abgabe an der Quelle auf alle PFAS, um einen Sanierungsfonds zu finanzieren. Auch hier winkt der Bundesrat ab.

Die Ratslinke hofft auf schärfere Gesetze gegen PFAS.

Die Ratslinke hofft auf schärfere Gesetze gegen PFAS.

Bild: Parlamentsdienste/Rob Lewis

Wer hat die ausserordentliche Session verlangt?

Eine ausserordentliche Session ist ein spezielles Instrument des Parlaments, um ein Thema konzentriert zu behandeln. Sie kann auf verschiedene Arten zustande kommen. Am einfachsten ist es, wenn mindestens ein Viertel der Mitglieder eines Rates – also 50 Nationalrätinnen und Nationalräte – ein Gesuch einreicht. Im aktuellen Fall war das nicht nötig, weil im National- und Ständerat gleichlautende Vorstösse eingereicht wurden.

Was auffällt: Hinter den eingereichten PFAS-Vorstösse stehen mehrheitlich linke Ratsmitglieder. 45 National- und Ständerät*innen von SP und Grüne haben mindestens einen der PFAS-Vorstösse unterzeichnet. Ihre Vorstösse werden aber die Debatte nicht dominieren, da viele Vorstösse von bürgerlicher Seite eingereicht wurden.

Die Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter, welche eine Art PFAS-Steuer fordert, feierte die Sondersitzung dennoch als Sieg ihrer politischen Seite. In einem Beitrag auf der Parteiwebsite schreibt sie, die Grünen würden die «PFAS-Gefahr auf die politische Agenda» bringen und schreibt: «Wir freuen uns, dass das Parlament die unsichtbare Gefahr durch PFAS ernst nimmt. Ganz im Gegensatz zum Bundesrat, der Anfang September erklärte, auf eine wichtige und überfällige Studie zum Ausmass der PFAS-Verschmutzung zu verzichten.»

Folgende National- und Ständeräte haben die PFAS-Debatte verlangt

  • SP-Fraktion (26 Mitglieder): Baptiste Hurni, Barbara Gysi, Benoît Gaillard, Brenda Tuosto, Brigitte Crottaz, Bruno Storni, Carlo Sommaruga, Claudia Friedl, David Roth, Eva Herzog, Farah Rumy, Flavia Wasserfallen, Franziska Roth, Hasan Candan, Jean Tschopp, Jessica Jaccoud, Jon Pult, Laurence Fehlmann Rielle, Martine Docourt, Mathilde Crevoisier Crelier, Mattea Meyer, Pierre-Yves Maillard, Priska Seiler Graf, Samuel Bendahan, Sarah Wyss, Ueli Schmezer
  • Grüne (19 Mitglieder): Balthasar Glättli, Christophe Clivaz, Clarence Chollet, Delphine Klopfenstein Broggini, Fabien Fivaz, Felix Wettstein, Florence Brenzikofer, Franziska Ryser, Irène Kälin, Kilian Baumann, Léonore Porchet, Manuela Weichelt, Marionna Schlatter, Mathias Zopfi, Maya Graf, Meret Schneider, Michael Töngi, Nicolas Walder, Sibel Arslan
  • SVP (11 Mitglieder): Ernst Wandfluh, Esther Friedli, Hans Jörg Rüegsegger, Jakob Stark, Lukas Reimann, Martin Haab, Martin Hübscher, Mike Egger, Nicolas Kolly, Thomas Stettler, Walter Gartmann
  • GLP (8 Mitglieder): Barbara Schaffner, Beat Flach, Corina Gredig, Fabienne Stämpfli, Jürg Grossen, Katja Christ, Patrick Hässig, Tiana Angelina Moser
  • Mitte (8 Mitglieder): Benedikt Würth, Brigitte Häberli-Koller, Charles Juillard, Heidi Z'graggen, Isabelle Chassot, Philipp Matthias Bregy, Stefan Engler, Thomas Rechsteiner
  • FDP (7 Mitglieder): Andri Silberschmidt, Benjamin Mühlemann, Hans Wicki, Josef Dittli, Matthias Michel, Pascal Broulis, Susanne Vincenz-Stauffacher
  • EDU: Andreas Gafner

Video zum Thema

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Behörden erarbeiten neue Regeln im Umgang mit Ewigkeitschemikalien

PFAS sind schwer abbaubare Chemikalien, die über Jahrzehnte industriell genutzt wurden, z.B. in Löschschaum oder Regenjacken. PFAS können aus belastetem Boden oder Futtermittel in die Nahrungskette gelangen.

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