Stunden vor Ständeratsdebatte Demo kritisiert auf Bundesplatz Kürzung beim Femizid-Schutz

Petar Marjanović, Bern

9.12.2025

Demo kritisiert auf Bundesplatz Kürzung beim Femizid-Schutz

Demo kritisiert auf Bundesplatz Kürzung beim Femizid-Schutz

Mitten in der aufgeheizten Budgetdebatte kippt der Nationalrat eine Million für den Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt – und löst damit eine spontane Protestwelle auf dem Bundesplatz aus.

09.12.2025

Mitten in der aufgeheizten Budgetdebatte kippt der Nationalrat eine Million für den Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt – und löst damit eine spontane Protestwelle auf dem Bundesplatz aus.

Petar Marjanović, Bern

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am Dienstagabend demonstrierten mehrere Hundert Personen auf dem Bundesplatz gegen den Entscheid des Nationalrats, eine zusätzliche Million Franken zur Bekämpfung geschlechterspezifischer Gewalt zu streichen.
  • Einberufen wurde die kurzfristige Kundgebung vom Feministischen Streikkollektiv Bern, während SP-Nationalrätin Tamara Funiciello den Entscheid scharf kritisierte und auf die hohe Zahl an Femiziden verwies.
  • Die SP sammelte nach eigenen Angaben innert Stunden über 40'000 Unterschriften für eine Petition, die den Ständerat auffordert, den Entscheid zu korrigieren.

Am Dienstagabend haben auf dem Bundesplatz bei einer kurzfristig einberufenen Kundgebung mehrere Hundert Menschen gegen die Budgetdebatte im Bundeshaus demonstriert. Zur Kundgebung aufgerufen hatte das Feministische Streikkollektiv Bern, nachdem der Nationalrat die Aufstockung des Budgets abgelehnt hatte, um Organisationen zu unterstützen, die sich gegen geschlechterspezifische Gewalt einsetzen.

Bei der Kundgebung, die grösstenteils aus Frauen bestand, wurden Parolen wie «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns das Leben raubt» oder «Ni una menos» (spanisch für «nicht eine weniger») skandiert. Sie richteten sich gegen die beunruhigende Zunahme der Anzahl Frauen, die in diesem Jahr aufgrund ihrer geschlechtlichen Rolle innerhalb der Familie oder einer Beziehung getötet wurden.

Auf dem Bundesplatz demonstrierten am Dienstagabend mehrere Hundert Menschen.
Auf dem Bundesplatz demonstrierten am Dienstagabend mehrere Hundert Menschen.
Bild: blue News

Die SP-Nationalrätin Tamara Funiciello plädierte bereits am Montagabend im Nationalrat dafür, das Budget für den Einsatz gegen geschlechterspezifische Gewalt um eine Million Franken zu erhöhen. Gegenüber blue News fragte sie empört: «In welcher Welt werden Schafe vor Frauen priorisiert?» Weiter hielt sie fest: «Man hat die Frauen in diesem Land unendlich wütend gemacht. Dieses Jahr wurde der 27. Femizid verzeichnet, und trotzdem verweigert man von 90 Milliarden eine einzige Million.»

Millionen für Wein und Schafe, aber nicht gegen Femizide

Funiciello kritisierte damit, dass der Nationalrat zwar 3,6 Millionen Franken für den Schutz von Schafherden und 10 Millionen Franken für die Wein-Verkaufsförderung bewilligte, die eine Million Franken jedoch mit dem Stichentscheid des Nationalratspräsidenten Pierre-André Page mit 94 zu 93 Stimmen knapp ablehnte.

Die Kundgebung konnte aufgrund einer Baustelle den Bundesplatz nicht besetzen. 
Die Kundgebung konnte aufgrund einer Baustelle den Bundesplatz nicht besetzen. 
Bild: blue News

Die Nationalrätin trat am Dienstagabend an der Kundgebung auf, war aber aufgrund der improvisierten Tontechnik und der lauten Umgebung kaum hörbar. Die Teilnehmenden applaudierten bei ihren verständlichen Äusserungen und unterstützten sie mit laufenden Rufen wie «Ich bin auch hässig!». Zudem richteten die Demonstrierenden Buhrufe und Stinkefinger in Richtung Bundeshaus.

Unterstützt wird die Kritik von ihrer Partei, die innert weniger Stunden – nach eigenen Angaben – über 40'000 Unterschriften für eine Petition sammeln konnte. Darin wird der Ständerat aufgefordert, am Mittwochmorgen den Entscheid des Nationalrates rückgängig zu machen. Die Petition wird von zahlreichen Frauenorganisationen unterstützt, darunter der Dachorganisation der Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein, dem Hebammenverband, dem Verband für Frauenrechte sowie städtischen feministischen Streikkollektiven.

Kundgebungen auf dem Bundesplatz sind üblicherweise während der Parlamentssession verboten. Davon ausgenommen sind sogenannte Spontankundgebungen, mit denen Bevölkerungsgruppen unmittelbar auf ein «unvorhergesehenes Ereignis» reagieren. Sie benötigen auch keine Bewilligung. Die Kundgebung beeinträchtigte den Verkehr nicht. Die Kantonspolizei stand im Einsatz und beobachtete die Kundgebung.