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In der Schweiz ist vor allem die mangelnde Aufsicht über Kleinkinder durch Begleitpersonen ein Problem.
KEYSTONE
Im Heidebad im deutschen Halle sorgt ein Einlassverbot für Aufsehen: Wer die Regeln nicht versteht, bleibt draussen. In der Schweiz steht man vor anderen Problemen. Das sagt der Schweizer Bademeister-Verband dazu.
Diese Woche machte eine Meldung aus Deutschland die Runde: Im Heidebad in Halle (Saale) werden künftig keine Besucher mehr eingelassen, die die Baderegeln nicht ausreichend verstehen.
Geschäftsführer Mathias Nobel begründet die neue Regel gegenüber der dpa mit Sicherheitsbedenken: Man müsse sicherstellen, dass alle Gäste die Vorschriften kennen und befolgen können. Am Eingang wird im Einzelfall entschieden, wenn Verständigungsprobleme auftreten.
Anlass war unter anderem ein Vorfall, bei dem Nobel selbst ein Kleinkind aus tiefem Wasser retten musste. Der See ist stellenweise bis zu 13 Meter tief. Besonders Kinder müssten die Regeln verstehen und von Aufsichtspersonen begleitet werden, die entsprechend handeln können.
Die Massnahme gilt seit wenigen Tagen und führte bereits vereinzelt zu Abweisungen. Auch Rettungsschwimmer müssten Badegäste im Notfall direkt ansprechen können. Gruppen ohne ausreichende Deutschkenntnisse seien daher problematisch. Zudem solle die Regel das ohnehin stark belastete Personal entlasten. Kritik weist Nobel zurück: «Wir bleiben da konsequent.»
Doch wie ist die Situation in der Schweiz?
«Die Sprachbarriere ist kein neues Phänomen», sagt Michel Kunz, Präsident des Schweizer Bademeister-Verbands (SBV), auf Anfrage von blue News. «Von Kollegen kriege ich regelmässig die Rückmeldung, dass es zwar Sprachbarrieren geben kann, wir die aber gut im Griff haben», so Kunz.
Von konkreten Problemen habe er von Kollegen bislang nicht gehört. Seiner Einschätzung nach gehen die Bäder professionell damit um. Zudem würde man stark auf Prävention und entsprechende Vorkehrungen setzen.
So wird konsequent mit visuellen Mitteln gearbeitet, etwa mit Piktogrammen und Plakaten. Als Beispiel nennt er Hinweise wie das Schuhverbot oder klar gekennzeichnete Wassertiefen. Auch die Badeordnung sei in mehreren Sprachen verfügbar. «Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft und der Bademeister-Verband bieten sie an», so Kunz.
Ein anderes Thema bereitet ihm mehr Sorgen: die mangelnde Aufsicht über Kleinkinder durch Begleitpersonen. Ursache sei häufig die Ablenkung durch Smartphones. «Es ist jedes Jahr das Gleiche, es ändert sich diesbezüglich nichts», so Kunz zu blue News. «Die meisten machen es gut, aber auch die wenigsten Ausnahmen sind zu viel.»
Eine Statistik oder Zahlen, wie häufig man in der Badi wegen eines Handys eingreifen muss, werden nicht geführt. Man spreche die Menschen vor Ort gleich an: «Wir gehen sofort auf die Personen zu und erklären es ihnen ruhig und sachlich. Das nützt am meisten», so Kunz.
Generell wird das Handy in der Badi laut Kunz zunehmend zum Problem, nicht nur beim Telefonieren, sondern auch beim Fotografieren. Andere Gäste könnten sich dadurch gestört fühlen, zudem bestehe die Gefahr von Verletzungen der Privatsphäre.
Die Lage in Deutschland kann Kunz nicht beurteilen. «Vielleicht sind wir in der Schweiz uns mehr gewohnt, mit anderen Kulturen umzugehen», sagt er zum Schluss.
Kurz nach Bekanntwerden des Verbots im Heidebad hat die Stadt Halle (Saale) den Betreiber des Strandbads aufgefordert, die umstrittene Einlassregel zurückzunehmen.
Wie Stadtsprecher Drago Bock mitteilte, habe es dazu sowohl ein Telefonat als auch ein entsprechendes Schreiben gegeben. Ziel sei es, schnell eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Die Stadt beruft sich dabei auf den Betreibervertrag mit der Heidebad GmbH. Dieser sehe vor, dass der Zugang zum Bad für die Allgemeinheit gewährleistet sein muss.
Zugleich bot die Stadt dem Betreiber Unterstützung an, um die Sicherheit auf anderem Wege sicherzustellen.