Deutsche Zeitung bezeichnet Ueli Maurer als «Querdenker»

uri

19.10.2021

Bundesrat Ueli Maurer spricht während einer Medienkonferenz des Bundesrates über die Situation des Coronavirus. (Archiv)
Bild:  Keystone

Ueli Maurer hat es mit seinem Auftritt im «Freiheitstrychler»-Hirtenhemd, seinen Aussagen zur Covid-Impfung und mit seiner Kritik am Schweizer Krisenmanagement in die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» gebracht. Die Bewertung fällt allerdings wenig schmeichelhaft aus.

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19.10.2021

«Ein Querdenker in der Regierung», der mit Corona-Verharmlosern und Impfgegnern «gemeinsame Sache» macht. So charakterisiert der Schweiz-Korrespondent der FAZ Johannes Ritter Bundesrat Ueli Maurer. Aus deutscher Sicht verwundert demnach besonders, dass hier «ein Mitglied der Regierung, welche die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Virus erlassen hat, offen mit den Gegnern sympathisiert.»

Obwohl die Impf-Quote in der Schweiz weiterhin niedrig sei, so der Autor, zeige Maurer «Sympathie für Zertifikats- und Impfkritiker», etwa, als er dem «Blick» sagte: «Das sind nicht einfach Spinner und Verschwörungstheoretiker, sondern senkrechte Schweizer, die sagen: Jetzt geht der Staat zu weit.»



Vorurteile gegen die Wissenschaft befeuert

Maurer selbst wettere zudem gegen «übertriebene und willkürliche Corona-Massnahmen» des Bundesrats. Mit Aussagen wie: «Ich fand, ich bin so zäh, da war die erste Impfung schon fast zu viel», habe Maurer zudem die bereits wissenschaftliche widerlegte Ansicht gestützt, dass das Coronavirus gesunden Naturen wenig anhaben könne.

Anstatt die Leute indes aktiv zur Impfung zu ermuntern, wie es Maurer als Bundesrat nach Meinung Ritters eigentlich tun müsse, zeige er stattdessen bei öffentlichen Auftritten Verständnis für Impfskeptiker – so im Falle von zwei Frauen, die sich aus Angst vor Unfruchtbarkeit nicht impfen liessen. Stattdessen habe er mit Aussagen wie: «eine Handvoll Experten, von niemandem irgendwo gewählt», die Vorurteile von Verschwörungstheoretikern gegenüber der Wissenschaft befeuert.

In anderen Ländern wäre der Rücktritt die Folge

Ein solches Ausscheren eines Ministers aus dem Regierungskonsens müsse in anderen Ländern «wohl unweigerlich in dessen Rücktritt münden», konstatiert Ritter. In der Schweiz als Konkordanzdemokratie sei eine solche «Rücktrittskultur» indes nicht vorgesehen, erklärt er der deutschen Leserschaft.



Der Provokateur Maurer und die SVP könnten entsprechend den Unmut in Teilen der Bevölkerung über die Corona-Massnahmen «ohne Rücksicht auf Verluste» ausschlachten, «um neue Wähler zu gewinnen», so der FAZ-Korrespondent. Sogar ein kleiner Vergleich zum ehemaligen US-Präsidenten ist drin: Niemand nehme Maurer dessen in «Donald-Trump-Manier nachgeschobene, allzu unschuldige Erklärung ab, er habe ja gar nicht gewusst, in welchem politischen Zusammenhang das Leibchen der Freiheitstrychler stehe».