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«Die Armen dürfen zahlen»: Leser ärgern sich über AHV-Entscheid
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Finanzierung der 13. Rente

«Die Armen dürfen zahlen»: Leser ärgern sich über AHV-Entscheid

00:42

Der Nationalrat will die 13. AHV-Rente über eine höhere Mehrwertsteuer finanzieren – nicht über höhere Lohnbeiträge. In der Kommentarspalte von blue News sorgt das für heftige Kritik, aber auch für Zustimmung.

Petar Marjanović

Petar Marjanović

17.06.2026, 16:57

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die 13. AHV-Rente soll erstmals Ende Jahr ausbezahlt werden.
  • Der Nationalrat will dafür die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte erhöhen, höhere Lohnabzüge lehnte er knapp ab.
  • Viele Leserinnen und Leser kritisieren den Entscheid als unsozial, andere halten die Mehrwertsteuer für die fairere Lösung.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Die Finanzierung der 13. AHV-Rente erhitzt die Gemüter. Am Mittwochmorgen hat der Nationalrat höhere Lohnbeiträge von 0,2 Prozentpunkten mit 98 zu 96 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Stattdessen soll die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte steigen. 

Der reduzierte Satz für Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Medikamente bleibt zwar unangetastet. Fakt ist aber: Mit den Lohnbeiträgen wären Hochverdiener deutlich stärker zur Kasse gebeten worden. Prozentual wären zwar alle Löhne gleich besteuert worden – in Franken hätte der Lohnabzug bei einem Monatslohn von 20'000 Franken (240 Franken pro Jahr) jedoch deutlich mehr betragen als bei 4000 Franken (48 Franken pro Jahr).

Der Vorschlag war Teil des Antrags der Einigungskonferenz von National- und Ständerat, fiel jedoch mit einem Unterschied von lediglich zwei Stimmen durch.

In der Kommentarspalte stösst dieser Entscheid auf viel Kritik. Ein Leser schreibt: «Jetzt kommen die Rentner zur Kasse: Zuerst zahlen wir höhere Steuern, dann noch zusätzlich höhere Mehrwertsteuer!» Sein Fazit: «Die Grossverdiener zahlen eben fast nichts!» Mehrere Beiträge werfen SVP und FDP vor, hohe Einkommen und Vermögende zu schonen.

Ein Leser hält dagegen, Besserverdienende würden wegen ihres höheren Konsums auch mehr Mehrwertsteuer zahlen. Ein anderer bezeichnet die Finanzierung über die Mehrwertsteuer deshalb als «richtig und fairer», weil «alle, auch die Rentner» mitzahlten.

«Die Finanzierung über die Mehrwertsteuer finde ich richtig und fairer. So zahlen nämlich alle, auch die Rentner.»

Andere Leserinnen und Leser bringen alternative Finanzierungsquellen ins Spiel – genannt werden etwa Kapitalgewinne, Dividenden, eine Luxussteuer oder der Subventionstopf.

Ein anderer appelliert im Hinblick auf die kommende Volksabstimmung über die Mehrwertsteuer-Erhöhung: «Liebe Rentner, ein NEIN ist Pflicht!»

Politisch war der Entscheid knapp. Bei der Abstimmung über die Lohnbeiträge-Erhöhung setzten sich SVP, FDP und GLP durch. Die GLP stimmte aber der Mehrwertsteuer-Erhöhung zu.

Finanzierung der 13. AHV-Rente über Lohnprozente

Die Einigungskonferenz schlug vor, dass die 13. AHV-Rente unter anderem über 0,2 Prozentpunkte höhere Lohnbeiträge finanziert wird.

Ja Zustimmung zu Finanzierung über Lohnabgabe
Nein Ablehnung des Kompromissvorschlags
96Ja 98Nein 4Enthalten
Name Partei Kanton Stimme
Jean-Luc Addor SVP VS Ja
Cyril Aellen FDP GE Nein
Thomas Aeschi SVP ZG Nein
Islam Alijaj SP ZH Ja
Céline Amaudruz SVP GE Nein
Emmanuel Amoos SP VS Ja
Gerhard Andrey Grüne FR Ja
Sibel Arslan Grüne BS Ja
Christine Badertscher Grüne BE Ja
Jacqueline Badran SP ZH Ja
Maya Bally Mitte AG Ja
Bettina Balmer FDP ZH Nein
Nicole Barandun Mitte ZH Ja
Kilian Baumann Grüne BE Ja
Martin Bäumle GLP ZH Nein
Samuel Bendahan SP VD Ja
Rudi Berli Grüne GE Ja
Kathrin Bertschy GLP BE Nein
Edgar Bischof SVP AR Nein
Thomas Bläsi SVP GE Nein
Dominik Blunschy Mitte SZ Ja
Philipp Matthias Bregy Mitte VS Ja
Florence Brenzikofer Grüne BL Ja
Simona Brizzi SP AG Ja
Roland Rino Büchel SVP SG Nein
Michaël Buffat SVP VD Nein
Manfred Bühler SVP BE Nein
Arbër Bullakaj SP SG Ja
Christine Bulliard-Marbach Mitte FR Ja
Thomas Burgherr SVP AG Nein
Roman Bürgi SVP SZ Nein
Yvonne Bürgin Mitte ZH Ja
Didier Calame SVP NE Nein
Hasan Candan SP LU Ja
Martin Candinas Mitte GR Ja
Isabelle Chappuis Mitte VD Ja
Clarence Chollet Grüne NE Ja
Katja Christ GLP BS Nein
Christophe Clivaz Grüne VS Ja
Damien Cottier FDP NE Nein
Brigitte Crottaz SP VD Ja
Christian Dandrès SP GE Ja
Thomas de Courten SVP BL Nein
Andrea de Meuron Grüne BE Ja
Simone de Montmollin FDP GE Nein
Jacqueline de Quattro FDP VD Nein
Linda De Ventura SP SH Ja
Marcel Dettling SVP SZ Nein
Loïc Dobler SP JU Ja
Marcel Dobler FDP SG Nein
Martine Docourt SP NE Ja
Michèle Dünki-Bättig SP ZH Ja
Regina Durrer-Knobel Mitte NW Ja
Mike Egger SVP SG Nein
Alex Farinelli FDP TI Nein
Laurence Fehlmann Rielle SP GE Ja
Nina Fehr Düsel SVP ZH Nein
Olivier Feller FDP VD Nein
Benjamin Fischer SVP ZH Nein
Giorgio Fonio Mitte TI Ja
Sylvain Freymond SVP VD Nein
Tamara Funiciello SP BE Ja
Andreas Gafner SVP BE Nein
Benoît Gaillard SP VD Ja
Laura Gantenbein Grüne SO Ja
Walter Gartmann SVP SG Nein
Anna Giacometti FDP GR Nein
Simone Gianini FDP TI Nein
Benjamin Giezendanner SVP AG Nein
Andreas Glarner SVP AG Nein
Christian Glur SVP AG Nein
Nadine Gobet FDP FR Nein
Roger Golay SVP GE Enthalten
Michael Götte SVP SG Nein
Michael Graber SVP VS Nein
Corina Gredig GLP ZH Nein
Jürg Grossen GLP BE Nein
Franz Grüter SVP LU Nein
Niklaus-Samuel Gugger Mitte ZH Ja
Lars Guggisberg SVP BE Nein
Diana Gutjahr SVP TG Nein
Barbara Gysi SP SG Ja
Greta Gysin Grüne TI Ja
Martin Haab SVP ZH Nein
Patrick Hässig GLP ZH Nein
Stefanie Heimgartner SVP AG Nein
Erich Hess SVP BE Nein
Lorenz Hess Mitte BE Ja
Alois Huber SVP AG Nein
Martin Hübscher SVP ZH Abwesend
Roman Hug SVP GR Nein
Thomas Hurter SVP SH Nein
Christian Imark SVP SO Nein
Jessica Jaccoud SP VD Ja
Matthias Samuel Jauslin GLP AG Nein
Marc Jost Mitte BE Ja
Irène Kälin Grüne AG Ja
Sidney Kamerzin Mitte VS Ja
Pius Kaufmann Mitte LU Ja
Delphine Klopfenstein Broggini Grüne GE Ja
Thomas Knutti SVP BE Nein
Nicolas Kolly SVP FR Nein
Philipp Kutter Mitte ZH Ja
Miriam Locher SP BL Ja
Christian Lohr Mitte TG Ja
Raphaël Mahaim Grüne VD Ja
Vincent Maitre Mitte GE Enthalten
Piero Marchesi SVP TI Nein
Min Li Marti SP ZH Ja
Samira Marti SP BL Ja
Magdalena Martullo-Blocher SVP GR Nein
Nadine Masshardt SP BE Ja
Thomas Matter SVP ZH Nein
Andreas Meier Mitte AG Ja
Mattea Meyer SP ZH Ja
Sophie Michaud Gigon Grüne VD Ja
Simon Michel FDP SO Nein
Fabian Molina SP ZH Ja
Leo Müller Mitte LU Ja
Stefan Müller-Altermatt Mitte SO Ja
Philippe Nantermod FDP VS Nein
Reto Nause Mitte BE Ja
Jacques Nicolet SVP VD Enthalten
Nicolò Paganini Mitte SG Ja
Pierre-André Page SVP FR Präsident
Yvan Pahud SVP VD Nein
Paolo Pamini SVP TI Nein
Gerhard Pfister Mitte ZG Ja
Valérie Piller Carrard SP FR Ja
Léonore Porchet Grüne VD Ja
Barbara Portmann GLP AG Nein
Hans-Peter Portmann FDP ZH Nein
Katharina Prelicz-Huber Grüne ZH Ja
Jon Pult SP GR Ja
Lorenzo Quadri SVP TI Nein
Thomas Rechsteiner Mitte AI Ja
Lukas Reimann SVP SG Nein
Estelle Revaz SP GE Ja
Katja Riem SVP BE Nein
Christoph Riner SVP AG Nein
Maja Riniker FDP AG Nein
Markus Ritter Mitte SG Ja
Benjamin Roduit Mitte VS Ja
Anna Rosenwasser SP ZH Ja
David Roth SP LU Ja
Marie-France Roth Pasquier Mitte FR Ja
Daniel Ruch FDP VD Nein
Monika Rüegger SVP OW Nein
Hans Jörg Rüegsegger SVP BE Nein
Farah Rumy SP SO Ja
Gregor Rutz SVP ZH Nein
Franziska Ryser Grüne SG Ja
Regine Sauter FDP ZH Nein
Barbara Schaffner GLP ZH Nein
Peter Schilliger FDP LU Nein
Nina Schläfli SP TG Ja
Therese Schläpfer SVP ZH Nein
Marionna Schlatter Grüne ZH Ja
Anna-Béatrice Schmaltz Grüne ZH Ja
Ueli Schmezer SP BE Ja
Pascal Schmid SVP TG Nein
Daniela Schneeberger FDP BL Nein
Meret Schneider Grüne ZH Ja
Elisabeth Schneider-Schneiter Mitte BL Ja
Markus Schnyder SVP GL Nein
Priska Seiler Graf SP ZH Ja
Andri Silberschmidt FDP ZH Nein
Sandra Sollberger SVP BL Nein
Daniel Sormanni SVP GE Ja
Simon Stadler Mitte UR Ja
Fabienne Stämpfli GLP BE Nein
Barbara Steinemann SVP ZH Nein
Thomas Stettler SVP JU Enthalten
Bruno Storni SP TI Ja
Manuel Strupler SVP TG Nein
Gabriela Suter SP AG Ja
Vroni Thalmann-Bieri SVP LU Nein
Heinz Theiler FDP SZ Nein
Michael Töngi Grüne LU Ja
Jean Tschopp SP VD Ja
Mauro Tuena SVP ZH Nein
Brenda Tuosto SP VD Ja
Nadja Umbricht Pieren SVP BE Nein
Kris Vietze FDP TG Nein
Susanne Vincenz-Stauffacher FDP SG Nein
Patricia von Falkenstein FDP BS Nein
Erich Vontobel SVP ZH Nein
Bruno Walliser SVP ZH Nein
Beat Walti FDP ZH Nein
Ernst Wandfluh SVP BE Nein
Christian Wasserfallen FDP BE Nein
Céline Weber GLP VD Nein
Laurent Wehrli FDP VD Nein
Manuela Weichelt Grüne ZG Ja
Cédric Wermuth SP AG Ja
Priska Wismer-Felder Mitte LU Ja
Sarah Wyss SP BS Ja
Rémy Wyssmann SVP SO Nein
Andrea Zryd SP BE Ja
Ursula Zybach SP BE Ja

Ganz entschieden ist die Sache noch nicht. Die Mehrwertsteuer-Vorlage muss am Freitag noch durch die Schlussabstimmungen. Danach müssen Volk und Stände zustimmen, weil die Erhöhung eine Verfassungsänderung braucht. Die höhere Mehrwertsteuer könnte der AHV 2030 zwischen 1,4 bis 1,6 Milliarden Franken pro Jahr zusätzlich bringen. Das reicht bei weitem nicht, um die 13. AHV-Rente zu finanzieren. 

Die FDP kritisierte den Entscheid scharf und schreibt in einer Mitteilung: «Mitte-Links verteuert den Konsum.» Die Partei rühmt sich, als «einzige Partei geschlossen gegen die Mehrbelastung» gestimmt zu haben, und kündigte an, die «verantwortungslose Steuererhöhung mit allen Mitteln» zu bekämpfen.

Scharfe Kritik kommt auch von links: Die SP, die höheren Lohnbeiträgen zugestimmt hatte, warnt nach dem Nein vor einer Erhöhung des Rentenalters. «FDP und SVP weigern sich, den klaren Volksentscheid zur 13. AHV-Rente umzusetzen und zu finanzieren», wird SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer von ihrer Partei zitiert. Anders als die FDP, kündigt die SP an, sich in der Volksabstimmung für die Teil-Finanzierung der 13. AHV-Rente einzusetzen.

00:52

Samira Marti zu 13. AHV-Rente

SP-Nationalrätin Samira Marti zur 13. AHV-Rente: « Sie setzen den Volksentscheid damit nicht um. Die 13. AHV-Rente wurde vom Volk deutlich beschlossen. Es ist Ihre Aufgabe, sie auch zu finanzieren.»

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