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Jetzt meldenDie USA verhängen ab dem 7. August einen drastischen Strafzoll auf alle Importe aus der Schweiz. Präsident Trump begründet den Schritt mit einem angeblichen Handelsdefizit – doch Experten und Schweizer Behörden widersprechen vehement.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump zieht die Schrauben im Handelskonflikt weiter an – und die Schweiz gerät ins Visier. Mit einem neuen Dekret, das am 31. Juli unterzeichnet wurde, werden sämtliche Importe aus unserem Land mit einem saftigen Strafzoll von 39 Prozent belegt. In Kraft tritt die Massnahme am 7. August.
Damit trifft es die Schweiz härter als fast jedes andere Land – nur Syrien und Brasilien werden noch stärker zur Kasse gebeten.
Was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft? Und vor allem auch: Für meinen Arbeitsplatz? blue News ordnet ein.
US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht auf Freitag neue Strafzölle auf Importe angekündigt – und die Schweiz besonders hart getroffen. Statt der zuletzt diskutierten 10 oder 15 Prozent erhebt die US-Regierung neu 39 Prozent auf Schweizer Produkte. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Dekret hervor.
Die Zölle treten am 7. August in Kraft. Damit ist das schlechteste Szenario eingetreten – eines, das in Bern bis zuletzt als unwahrscheinlich galt. Der Bundesrat reagierte in einem ersten Statement gegenüber SRF «mit grossem Bedauern» und betonte, man bleibe im Gespräch mit den USA.
Am Morgen veröffentlichte der Bundesrat dann folgende Mitteilung:
«Der Bundesrat nimmt mit grossem Bedauern zur Kenntnis, dass die USA trotz der Fortschritte in den bilateralen Gesprächen und der von Beginn weg sehr konstruktiven Haltung der Schweiz unilaterale Zusatzzölle in erheblicher Höhe gegenüber Importen aus der Schweiz anwenden wollen. Der vom US-Präsidenten genannte Zusatzzoll weicht deutlich vom Entwurf einer gemeinsamen Absichtserklärung ab.»
Und:
«Dieser Entwurf war das Resultat intensiver Gespräche zwischen der Schweiz und den USA in den vergangenen Monaten und wurde vom Bundesrat am 4. Juli 2025 genehmigt. Die Schweiz war und ist im Kontakt mit den verantwortlichen Stellen in den USA. Sie strebt weiterhin eine Verhandlungslösung mit den USA an, die sowohl mit der Schweizer Rechtsordnung als auch den bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen vereinbar ist. Der Bundesrat wird die neue Sachlage analysieren und über das weitere Vorgehen entscheiden.»
Ja. Mit 39 Prozent liegt die Schweiz deutlich über den meisten Industrieländern. Das Dekret listet für die EU und Norwegen nur 15 Prozent, Grossbritannien 10 Prozent und Kanada 35 Prozent. Selbst Südkorea muss nur 15 Prozent zahlen.
Die Schweiz kassiert damit die vierthöchsten Zölle weltweit. Lediglich Syrien mit 41 Prozent, Laos und Myanmar mit je 40 Prozent und Brasilien mit 50 Prozent sind härter betroffen.

Ende Mai traf Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter US-Finanzminister Scott Bessent in Genf. (Archivbild)
sda
Diese Frage stellen sich aktuell wohl einige Politikerinnen und Politiker in Bundesbern. Nachdem US‑Präsident Trump am 5. April mit dem Erlass «Liberation Day» einen Strafzoll von 31 Prozent auf Schweizer Waren angekündigt hatte, senkte er den Steuersatz wenige Tage später wieder auf 10 Prozent und gewährte den betroffenen Ländern eine 90‑tägige Frist, um Kompensationen für Amerikas Handelsdefizite vorzulegen.
Bern nutzte diese Zeit und handelte mit Washington ein Memorandum of Understanding aus, das Investitionen von Schweizer Konzernen in den USA und den Abbau von Schweizer Industriezöllen vorsah. Der Bundesrat verabschiedete den Entwurf am 4. Juli, seither lag der Ball bei den Amerikanern.
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Doch Trump akzeptierte das Papier nicht. In der «letzten Unterredung» vor Ablauf der Frist am 1. August erklärte Bundespräsidentin Karin Keller‑Sutter via X, man habe sich nicht auf das gemeinsame Abkommen einigen können; für Trump bleibe das Handelsdefizit der zentrale Punkt. Die US‑Seite stufte den negativen Güterhandel von rund 38 Milliarden Dollar als «aussergewöhnliche Bedrohung» für die nationale Sicherheit ein und forderte stärkere Zugeständnisse.
Klar ist: Trumps Wirtschaftspolitik bleibt unberechenbar – und die Schweiz konnte dem Präsidenten wohl zu wenige Zugeständnisse machen. Somit kam es trotz Verhandlungen zum Debakel: Die Schweiz war bereit zu verhandeln, doch Washington verlangte mehr und liess die Frist verstreichen.
Trump begründet den Schritt mit einem angeblichen Handelsdefizit gegenüber der Schweiz: Rund 38,5 Milliarden Dollar betrug es laut US-Statistik im Jahr 2024.
Doch Bern widerspricht dieser Darstellung entschieden. Die offiziellen Zahlen liessen zentrale Aspekte wie Dienstleistungen oder Lizenzzahlungen völlig ausser Acht, argumentiert das Eidgenössische Finanzdepartement. Wird etwa berücksichtigt, dass die USA jährlich Software- und Finanzdienstleistungen im Wert von 21 Milliarden Franken aus der Schweiz beziehen, relativiert sich das Defizit deutlich.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter sprach von einem «rechnerischen Trick» und warnte vor Schnellschüssen. Auch der Wirtschaftsdachverband Swissmem forderte eine Korrektur: Die Schweiz sei nicht Trittbrettfahrerin, sondern einer der wichtigsten Investorinnen in den USA – mit über 500’000 Arbeitsplätzen, die auf Schweizer Firmen zurückgehen.
Für viele Schweizer Firmen wird der US-Markt ab August zur Kostenfalle. Besonders hart trifft es die Uhrenbranche, Maschinenbauer und Medtech-Unternehmen. Der Verband Swissmechanic warnt: «Viele KMU können sich diesen Marktzugang schlicht nicht mehr leisten.» Schon jetzt haben laut swissinfo.ch rund ein Drittel der Swissmem-Mitgliedsbetriebe Kurzarbeit eingeführt.
Das trifft auch Konsumentinnen und Konsumenten – vor allem in den USA. Laut dem Magazin Revolution Watch könnte eine Uhr im Wert von 10’000 Dollar bald bis zu 13’000 Dollar kosten. Und weil viele Luxusmarken wie Rolex oder Patek Philippe am Label «Swiss Made» festhalten, kommt eine Produktionsverlagerung kaum infrage – das schmälert die Marge empfindlich.
Matthias Geissbühler, Investmentchef der Raiffeisen Schweiz, rechnet auf X vor, wie schlimm die neuen Zölle die Exportwirtschaft treffen: «Firmen die in der Schweiz produzieren und viel in die USA exportieren trifft es hart. Neben den Zöllen kommt der Währungseffekt hinzu (USD –11%). Damit verteuern sich die Produkte um 50 Prozent.»
Aktuell sind Pharmaprodukte von den Zöllen ausgenommen – ein wichtiger Punkt, machen sie doch über die Hälfte der Schweizer US-Exporte aus. Doch die Branche bleibt angespannt.
Swissmedtech warnt davor, dass neue Handelsbarrieren Innovationen gefährden und Start-ups zwingen könnten, klinische Studien künftig ausserhalb der USA zu finanzieren.

Die Pharmaindustrie ist von den Zöllen ausgenommen – noch.
Silas Stein/dpa
In den Tagen vor dem 7. August kursierten Gerüchte über ein Sonderabkommen für die Schweizer Pharmaindustrie. Laut Insiderberichten arbeiteten Bern und Washington an einer Vereinbarung, in der die USA auf Zölle für ein für die Schweiz «vitales» Segment verzichten würden.
Präsident Trump erwähnte eine solche Ausnahme jedoch nicht, als er die landesspezifischen Zollsätze verkündete. Stattdessen bekräftigte er, dass ein gesonderter Pharma‑Zoll schrittweise eingeführt werden solle und dass diese Abgabe als Druckmittel zur Ansiedlung von Produktionsanlagen in den USA diene.
Für die Pharmabranche bleibt damit vorerst alles beim Alten. Medikamente sind ausdrücklich von den am 7. August in Kraft tretenden 39‑Prozent‑Zöllen auf Schweizer Waren ausgenommen. Aber: Trump droht mit hohen Zöllen von bis zu 200 Prozent, wenn Medikamente nicht günstiger werden und die Produktion teilweise in die USA verlagert wird. Die Lage bleibt damit volatil.

Die Schweizer Bevölkerung wird vermutlich vorerst wenig merken.
Oliver Berg/dpa
Kurzfristig nicht – langfristig könnte es aber durchaus auch in deinem Portemonnaie zu spüren sein. Für Schweizer Haushalte ändern die Zölle nämlich zunächst wenig; die US‑Abgabe trifft die Schweiz primär als Exportnation – nicht die hiesigen Haushalte.
Weil Zölle grundsätzlich den Importeur belasten, steigen die Preise dort, wo sie erhoben werden. Wüest Partner weist darauf hin, dass Importzölle «in erster Linie zu höheren Preisen für die Konsumenten im importierenden Land» führen.
Die Schweiz erhebt bislang keine Gegenzölle, daher verteuern sich die meisten Güter hierzulande nicht unmittelbar. Lediglich einzelne Zwischenprodukte aus den USA könnten teurer werden, doch dieses Ausmass ist laut Ökonomen gering
Langfristig bleibt der grösste Hebel aber indirekt: Schrumpft der Exportmarkt USA, müssen Unternehmen Personal abbauen und Investitionen streichen – das trifft Einkommen und Kaufkraft in der Schweiz. Das KOF rechnet für den Fall eines ausgedehnten Handelskriegs mit einem Rückgang des BIP um 0,2 bis 0,3 Prozent, was pro Kopf etwa 200 CHF weniger Wirtschaftsleistung entspricht.
Im schlimmsten Fall könnten also Stellen verloren gehen, Firmen streichen Investitionen oder ganze Geschäftszweige – und benötigen dadurch weniger Personal. Über solche indirekten Kanäle könnte der Konflikt somit auch die Geldbeutel der Schweizerinnen und Schweizer erreichen.
Die Schweizer Wirtschaft reagiert alarmiert. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse nennt die Massnahme «nicht gerechtfertigt» und warnt vor einer «sehr ernsthaften Belastung» für Schweizer Exportunternehmen.
Der Verband fordert vom Bundesrat, rasch eine Reduktion der Zölle zu erreichen. Die Schweiz sei ein wichtiger Investor in den USA – Schweizer Firmen sichern rund 400'000 Arbeitsplätze. Das bilaterale Verhältnis drohe durch die Massnahme nachhaltig beschädigt zu werden.
Swissmechanic hat die Landesregierung nach Bekanntgabe des neuen US-Zollsatzes von 39 Prozent zum entschlossenen Handeln aufgerufen. Der Verband warnte vor den langfristigen Folgen für kleine und mittlere Unternehmen der Schweizer Industrie. Die Schweiz dürfe nicht zu einem der wenigen Ländern werden, die dauerhaft mit strukturellen Wettbewerbsnachteilen zu kämpfen hätten. Deshalb forderte Swissmechanic von der Landesregierung eine klare Linie.
Auch aus der Politik kommt Kritik – und erste Forderungen nach Gegenmassnahmen. Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone wiederholte eine alte Forderung aus dem Frühling: «Die Anbiederungsstrategie des Bundesrates ist gescheitert. Es ist Zeit, grosse Tech-Unternehmen angemessen zu besteuern.» Firmen wie Google, Amazon oder Netflix sollen zehn Prozent ihres digitalen Umsatzes in der Schweiz abgeben, falls die Zölle bestehen bleiben.
Die Anbiederungsstrategie des Bundesrates ist auf ganzer Linie gescheitert. Es ist Zeit, grosse amerikanische Tech-Unternehmen angemessen zu besteuern. Die Schweiz muss gemeinsam mit Europa eine unabhängige und grüne Industriepolitik entwickeln. www.watson.ch/schweiz/wirt...
— Lisa Mazzone (@lisamazzone.bsky.social) 31. Juli 2025 um 22:20
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Der FDP-Präsident Thierry Burkart nannte den Entscheid gegenüber «Blick» eine «Katastrophe». Es sei ein direkter Angriff auf unseren Wohlstand. Und: «Die USA sabotieren mit diesem Vorgehen sowohl die seit Jahrzehnten sehr guten und verlässlichen Beziehungen zu unserem Land als auch den freien Handel insgesamt», so der (noch) FDP-Präsident weiter.
Reaktionen aus der SVP waren zunächst rar. Auf X (vormals Twitter) gab Joël Thüring, Grossrat des Kantons Basel-Stadt, der Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter in scharfen Tönen die Schuld am geplatzten Deal: «39%! Keller-Sutter ist noch unfähiger als angenommen. Eine Frau zerstört die Schweizer Wirtschaft.» Thüring war für eine Stellungnahme für blue News nicht erreichbar.
39%! Keller-Sutter ist noch unfähiger als angenommen. Eine Frau zerstört die Schweizer Wirtschaft. pic.twitter.com/zGFzzg2eI5
— Joël Thüring (@JoelThuering) August 1, 2025
Kaum. Die Schweiz bemüht sich derweil um eine Deeskalation. Bundesrätin Keller-Sutter setzt auf stille Diplomatie und hat einen Sondergesandten nach Washington entsandt. Hinter den Kulissen ist laut verschiedenen Berichten ein speziell eingerichtetes Team im Einsatz, um möglichst schnell eine Lösung zu finden.
Ob diese Bemühungen noch vor dem 7. August Früchte tragen, ist offen. Der Uhrenverband zeigt sich skeptisch: Man rechne mit einer längeren Phase der Unsicherheit.