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Bund und Kantone prüfen laut «SonntagsZeitung», das obligatorische Schulsportpensum von mindestens drei Wochenlektionen abzuschaffen.
Soeren Stache/dpa
Der obligatorische Schulsport steht vor dem Aus: Bund und Kantone wollen die Pflichtlektionen streichen. Kritiker warnen vor Folgen für Gesundheit und Chancengleichheit.
Der obligatorische Schulsport in der Schweiz steht vor dem Aus. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, prüfen Bund und Kantone im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27», die gesetzlich verankerte Pflicht von mindestens drei Sportlektionen pro Woche ersatzlos zu streichen.
Das Obligatorium ist seit 2010 im Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung festgeschrieben und gilt für rund 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche.
Die «SonntagsZeitung» schreibt, der Vorstoss werde vor allem ordnungspolitisch begründet: Da die Kantone den Sportunterricht vollständig finanzieren, sollen sie auch eigenständig darüber entscheiden können.
Unterstützung kommt etwa von Mitte-Ständerat Benedikt Würth: «Wer nicht zahlt, hat nicht zu bestimmen.» Und weiter: «Die Schule ist Sache der Kantone. Der Bund befiehlt hier eine Leistung, beteiligt sich aber mit keinem Franken an deren Finanzierung.»
Gleichzeitig verschärft sich laut «SonntagsZeitung» der Mangel an Sportinfrastruktur. Schweizweit fehlen rund hundert Turnhallen, wie Jonathan Badan, Präsident des Schweizerischen Verbands für Sport in der Schule (SVSS), sagt: «In der Schweiz fehlen rund hundert Turnhallen.» Besonders auf der Sekundarstufe II und an Berufsschulen sei die Situation angespannt.
Kritik am möglichen Ende des Obligatoriums kommt aus verschiedenen Richtungen. Badan warnt vor wachsender Ungleichheit zwischen den Kantonen: «Alle Kinder müssen das Anrecht auf gleich viel Bewegung haben, unabhängig vom Wohnkanton. Es geht schliesslich um die Gesundheit der Kinder.»
Auch im Bundeshaus regt sich Widerstand. SP-Nationalrätin Andrea Zryd sagt: «Der Schulsport leistet heute einen fundamentalen Beitrag zur Gesundheitsprävention und hilft Jugendlichen bei ihrer Entwicklung enorm. Die Streichung wäre ein verheerendes Signal an Schulkinder und Eltern.»
Die Befürworter der Reform halten dagegen. Würth sieht im sogenannten «Turnhallendruck» kein Argument gegen die Abschaffung: «Der Turnhallendruck ist kein sportpolitisches, sondern ein raumplanerisches Problem.» Unterstützung erhält er von Ex-Erziehungsdirektor Christoph Eymann, der betont: «Ich kenne keinen Bildungsdirektor, der den Schulsport zurückfahren will.»
Ob das Obligatorium tatsächlich fällt, ist noch offen. Als Nächstes sind Städte und Gemeinden gefragt: Sie können sich nun im Rahmen einer Konsultation einbringen – und damit entscheidend beeinflussen, wie es mit dem Schulsport in der Schweiz weitergeht.