Hunderte abgetauchte Briten führen die Walliser Behörden vor 

Von Stefan Ryser

28.12.2020

Des skieurs passent devant une affiche de la station de ski de Verbier informant de distanciations sociales pour les skieurs au depart des telecabines a Medran lors de la crise du Coronavirus (Covid-19) le vendredi 11 decembre 2020 a Verbier dans le Val de Bagnes en Valais. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Die Verantwortlichen in Verbier vermissen seit Sonntagmorgen unzählige Gäste aus dem Vereinigten Königreich.
KEYSTONE

Zahlreiche Briten waren für die Festtage in den Walliser Skiort Verbier gekommen und standen plötzlich unter Quarantäne. Die meisten von ihnen sind heimlich wieder abgereist. Noch vergangene Woche waren die Behörden zuversichtlich, die Situation zu meistern.

Die Pandemie-Nachrichten haben sich auch in den vergangenen Tagen überschlagen: An Heiligabend die Meldung, dass die in Grossbritannien erstmals nachgewiesene Mutation des Coronavirus auch in der Schweiz angekommen sei. Und gestern Abend dann die Nachricht, dass auch die kaum weniger problematische Variante aus Südafrika in mindestens zwei Fällen aufgetreten ist, einmal bei einem Schweizer, der sich in Frankreich aufhält, und einmal bei einem Patienten aus dem Kanton Schwyz.

In den Tagen davor hatte das Bundesamt für Gesundheit auf die neue Bedrohung reagiert. Am Montag vor einer Woche erliess die Behörde eine rückwirkende Quarantäne-Pflicht für Einreisende aus Grossbritannien und Südafrika ab dem 14. Dezember.

Die Betroffenen wurden auf dem Handy kontaktiert

In der Folge kontaktierte das BAG sämtliche betroffenen Touristen per Push-Nachricht auf ihren Handys. Die Gäste wurden an ihre Quarantänepflicht erinnert. Auch erfuhren sie auf diesem Weg, dass ihnen bei Nicht-Einhalten der Vorgaben eine Busse von bis zu 10'000 Franken drohe.



Offenbar blieb eine grosse Zahl der britischen Gäste von diesen Informationen und Massnahmen unbeeindruckt. Sie sind mitten in der Nacht auf Sonntag abgereist – wohin, bleibt ihr Geheimnis.

Noch vergangenen Dienstag hatte sich der Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Bagnes, zu der Verbier gehört, zuversichtlich gezeigt: Es handle sich lediglich um «ein paar Dutzend» Gäste, die sich nun in Quarantäne befänden, teilte damals Jean-Marc Sandoz per E-Mail «blue News» mit.

«Das war nicht auszuhalten»

Gestern Sonntag klang Sandoz dann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa anders. Die Gemeinde Bagnes habe vor Weihnachten 420 Gäste aus Grossbritannien identifiziert, die demnach in Quarantäne mussten. Etwa 50 seien umgehend abgereist, und von den 370 anderen seien am Sonntag weniger als ein Dutzend noch da gewesen. Er verstehe die Wut der britischen Gäste, liess er sich zitieren. «Da sassen Familien mit kleinen Kindern plötzlich auf 20 Quadratmetern fest. Das war nicht auszuhalten.»

Der Gemeindesprecher von Verbier kritisierte die kurzfristig und rückwirkend eingeführte Quarantänepflicht scharf. Die Gemeinden hätten keine Hilfe bekommen, um die Bestimmungen umzusetzen. Damit stösst Sandoz ins selbe Horn wie der Walliser Regierungspräsident Christophe Darbellay, der am Sonntag das BAG kritisierte: «Die Liste mit den Passagierdaten hat gefehlt. Das hat unsere Arbeit unnötig erschwert.»

Der Kanton habe alles getan, um die Quarantäne-Vorschriften durchzusetzen: «Hoteliers, Verkehrsbüros, Wohnungsvermieter – sie alle wurden angeschrieben.» Dass nicht jeder in einem Chalet oder einer Zweitwohnung reagiert habe, sei klar, sagte Darbellay weiter.

Berset: «Das ist natürlich ein Problem»

Und wie reagiert der Bund auf die Kritik aus dem Kanton Wallis? Bundesrat Berset spielte heute Montag auf einer Medienkonferenz in Basel den Ball zurück an die Kantone. Angesprochen auf die Hunderten verschwundenen Briten in Verbier, sagte er: «Das ist natürlich ein Problem.»



Berset wisse auch nicht, wo die Leute seien – vermutlich seien sie «nach Hause gegangen». Der Kanton Wallis sei zuständig. Er bat um Verständnis, dass «nicht alles perfekt läuft» in dieser Situation.

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