100 Jahre Flugplatz Altenrhein Eine letzte Show der Patrouille Suisse – doch Vorarlberg stellt sich quer

Samuel Walder

13.2.2026

Die Patrouille Suisse soll eine Show liefern. Diese muss aber zuerst vom Vorarlberg abgesegnet werden.
Die Patrouille Suisse soll eine Show liefern. Diese muss aber zuerst vom Vorarlberg abgesegnet werden.
KEYSTONE

Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein will sein 100-jähriges Bestehen mit einer grossen Airshow feiern – inklusive Patrouille Suisse und «Super Puma». Doch ob die Ostschweiz, Vorarlberg und Liechtenstein tatsächlich mitfeiern können, entscheidet sich nicht am Bodensee, sondern in der Vorarlberger Landesregierung.

Samuel Walder

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Zum 100-jährigen Jubiläum des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein ist Ende August ein grosses Fest mit Flugshow und Auftritt der Patrouille Suisse geplant.
  • Trotz angepasstem, lärmreduziertem Programm fehlt bislang die Zustimmung des Landes Vorarlberg, die gemäss Staatsvertrag für die Bewilligung zwingend ist.
  • Ohne Entscheid aus Österreich droht die Absage des Jubiläumsfests, obwohl die Organisatoren auf einen Kompromiss gesetzt und internationale Jet-Formationen ausgeschlossen haben.

Der Flugplatz St.Gallen-Altenrhein wird 100 Jahre alt – und eigentlich sollte die ganze Region feiern. Geplant ist ein grosses Flugplatzfest für die Bevölkerung der Ostschweiz, des Vorarlbergs und des Fürstentums Liechtenstein. Herzstück: eine Flugshow, die die bewegte Geschichte des Aviatik-Standorts widerspiegelt und zugleich seine heutige Bedeutung ins Schaufenster stellt. Doch ob diese stattfinden kann, hängt nun in der Luft. 

Unter Aviatikfans wurde monatelang gerätselt, was alles am Himmel über dem Bodensee zu sehen sein wird. Nun ist klar: Das Programm kann sich sehen lassen.

«Historische Maschinen aus den Museen vor Ort, Kunstflugzeuge, Segel-, Modell- und Ballonflug stehen auf dem Programm», schreibt der Verein «100 Jahre Flugplatz Altenrhein» auf Anfrage des «Tagblatt». Als besonderes Highlight haben die Organisatoren die Zusage der Patrouille Suisse erhalten. Zudem wird die Schweizer Luftwaffe den Militärhelikopter vom Typ «Super Puma» präsentieren.

Eine der letzten Tiger-Shows?

Es dürfte eine der allerletzten Shows der Patrouille Suisse mit den Tiger-Kampfjets überhaupt sein, bevor die Flieger ausser Dienst gestellt werden. «Wir fühlen uns geehrt, dass die Luftwaffe nochmals die Ostschweiz besucht», heisst es aus dem Organisationskomitee.

Altenrhein und die Luftwaffe – das ist eine lange Geschichte. Hier sollte einst der Militärflieger P-16 gebaut werden, und über Jahrzehnte war Altenrhein Werkstatt der Hawker-Hunter-Kampfflieger, mit denen unter anderem auch die Patrouille Suisse flog.

Im Unterschied zur «Airfield Show» von 2005 setzen die Veranstalter diesmal bewusst auf Zurückhaltung am Himmel. «Wir haben zwar zahlreiche Anfragen aus dem Ausland von Luftstreitkräften erhalten, doch haben wir aus Rücksicht auf die Anrainergemeinden sämtlichen zusätzlichen Jet-Formationen abgesagt», sagt Vereinspräsident Raphael Widmer-Kaufmann. Mit Ausnahme der Patrouille Suisse sollen keine weiteren Jet-Staffeln auftreten – lediglich Formationen mit Propellerantrieb. Ein weiterer Höhepunkt dürfte die Vorführung des «Super Puma»-Display-Teams werden – eine spektakuläre Darbietung des Schweizer Armee-Helikopters.

Bewilligung aus Österreich fehlt

Doch trotz des vielversprechenden Programms steht das Jubiläumsfest vom 28. bis 30. August auf der Kippe.

«Grund dafür ist die ausstehende Zustimmung des Landes Vorarlberg», sagt Widmer-Kaufmann. Hintergrund ist ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Österreich: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) darf die Veranstaltung nur bewilligen, wenn Vorarlberg zustimmt.

Bereits im September 2025 habe man Gespräche mit der Landesregierung und den österreichischen Anrainergemeinden geführt, betonen die Verantwortlichen. Das Programm sei angepasst worden – insbesondere mit dem weitgehenden Verzicht auf zusätzliche Jet-Staffeln. «Die österreichischen Gemeinden würden lediglich am Freitag und Samstag während je rund 40 Minuten von der Patrouille Suisse überflogen», erklärt Widmer-Kaufmann. Das sei verkraftbar.

Trotz weiterer Anfragen internationaler Jet-Staffeln und Display-Teams habe man aus Rücksicht auf das Ruhebedürfnis der Bevölkerung konsequent abgesagt.

«Wir reden an eine Wand»

Doch eine formelle Zustimmung liegt bis heute nicht vor. Zwar habe es im Januar 2026 einen runden Tisch gegeben, an dem Konsens über die geplante Durchführung geherrscht habe. Seither herrsche jedoch Funkstille.

«Wir reden an eine Wand und bekommen keine Antworten», sagt Widmer-Kaufmann enttäuscht. Den Behörden in Vorarlberg wurde eine Frist bis zum 20. Februar gesetzt. Ohne Zustimmung müsse das Fest abgesagt werden.

Ein Déjà-vu droht: Bereits 2008 scheiterte die Internationale Bodensee-Airshow (IBAS) an einer fehlenden Bewilligung aus Österreich.

Mehrere Medienanfragen an die zuständige Stelle der Vorarlberger Regierung blieben unbeantwortet. Erst auf erneute telefonische Nachfrage hiess es knapp: «Derzeit befinden wir uns in dieser Angelegenheit in Abstimmung mit dem zuständigen Bundesministerium.»

Zwischen Volksfest und Lärmdiskussion

Dass eine Airshow Lärm verursacht, bestreiten die Organisatoren nicht. «Eine Airshow ohne Emissionen ist nicht möglich.» Mit dem Verzicht auf zusätzliche Jet-Staffeln habe man jedoch einen vertretbaren Kompromiss gefunden. Anwohnerinnen und Anwohner aus Schweizer und österreichischen Gemeinden sollen zudem Gratistickets erhalten – verteilt über die Gemeindeämter.

Für die Region ist Altenrhein mehr als nur eine Festkulisse: Als Linien-, Charter- und Business-Airport verbindet der Flugplatz die Ostschweiz mit internationalen Destinationen. Er ist Arbeitgeber, Infrastrukturstandort für Rettungs-, Polizei- und Militärflüge – und damit von nationaler Bedeutung.

Ob der runde Geburtstag tatsächlich gefeiert werden kann, hängt nun von einem politischen Entscheid in Vorarlberg ab. «Der Flugplatz wird nur einmal 100 Jahre alt», sagt Widmer-Kaufmann. Und stellt klar: «Auf die Patrouille Suisse verzichten wir nicht.»