Koffein und Zucker politisch unter Druck Sollen Energydrinks für Jugendliche unter 16 Jahren verboten werden?

Jenny Keller

23.12.2025

Bunte Dosen, starke Wirkung. Energydrinks rücken wegen Koffein und Zucker ins politische Visier. (Symbolbild)
Bunte Dosen, starke Wirkung. Energydrinks rücken wegen Koffein und Zucker ins politische Visier. (Symbolbild)
Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Sie versprechen Fokus, Energie und Leistungsfähigkeit. Politisch gerät der Konsum von Energydrinks nun in Bedrängnis. Im Bundeshaus wächst die Allianz für ein Verkaufsverbot an Jugendliche.

Jenny Keller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Energydrinks mit hohem Koffeingehalt sollen in der Schweiz erst ab 16 Jahren verkauft werden dürfen.
  • Politikerinnen und Politiker aus mehreren Parteien unterstützen entsprechende Vorstösse.
  • Fachstellen warnen seit Jahren vor Schlafstörungen, Angstzuständen und Übergewicht bei Jugendlichen.
  • Der Bundesrat lehnt ein Verkaufsverbot bisher ab, prüft aber eine Zucker-Obergrenze für Süssgetränke.
  • Hersteller setzen auf Eigenverantwortung und freiwillige Reduktionen, Kritiker*innen sprechen von Augenwischerei.

Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Motion des Walliser Mitte-Nationalrats Benjamin Roduit. Sein Ziel ist es, dass Energydrinks mit mehr als 150 Milligramm Koffein pro Liter nicht mehr an unter 16-Jährige verkauft werden dürfen. Die gängigen Produkte liegen mit 320 Milligramm pro Liter deutlich darüber.

Unterstützt wird der Vorstoss von Politikerinnen und Politikern aus Mitte, SP, Grünen sowie kleineren Parteien. Der Tenor: Es gehe nicht um Bevormundung, sondern um Jugendschutz.

Jugendliche konsumieren am meisten

Dass junge Menschen besonders häufig zu Energydrinks greifen, ist gut belegt. Gemäss Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellen Jugendliche mit 68 Prozent die grösste Konsumentengruppe. Rund zehn Prozent der 11- bis 15-Jährigen konsumieren Energydrinks mehrmals pro Woche.

Die EFSA warnt zudem vor einer Unterschätzung der Wirkung. Während für gesunde Erwachsene eine maximale Tagesdosis von 400 Milligramm Koffein als vertretbar gilt, empfiehlt die Behörde für Jugendliche höchstens drei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei einem 50 Kilogramm schweren Jugendlichen sind das 150 Milligramm pro Tag. Eine Menge, die bereits mit zwei kleinen 250-ml-Dosen eines handelsüblichen Energydrinks erreicht ist. Und: Das Problem sei nicht nur das Koffein. In Kombination mit Zucker entsteht laut Präventionsstellen ein gesundheitlich heikler Cocktail, besonders für sich entwickelnde Nervensysteme.

Kaffee-Vergleiche greifen zu kurz

Die Hersteller von Energydrinks verweisen darauf, eine Dose enthalte nicht mehr Koffein als eine Tasse Kaffee. Kritiker*innen halten dagegen: Kinder und Jugendliche trinken selten Kaffee, Energydrinks dagegen gezielt und oft in kurzer Zeit. Ausserdem werden sie nicht selten mit Sport, Gaming oder Partys kombiniert.

Der Schweizer Ableger von Red Bull betont, man richte sich nicht an Kinder, und es gebe in der Schweiz keine Altersbeschränkungen für koffeinhaltige Produkte. Fachstellen entgegnen, dass Marketing, Design und Verfügbarkeit eine andere Sprache sprechen.

Bundesrat setzt auf Zucker statt Verbot

Der Bundesrat steht einem Verkaufsverbot bisher skeptisch gegenüber. Anders beim Zucker. Hier empfiehlt er ein Postulat der Zuger Grünen-Politikerin Manuela Weichelt zur Annahme, das eine Zucker-Obergrenze von fünf Gramm pro Deziliter für Süssgetränke prüfen lässt.

Heute gibt es in der Schweiz keine verbindliche Zuckerbeschränkung für Getränke. Eine solche Grenze würde einen grossen Teil des Marktes betreffen. Zum Vergleich: Eistee enthält rund acht Gramm, Cola etwa neun Gramm und Apfelsaft rund elf Gramm Zucker pro Deziliter.

Freiwillige Reduktion unter Kritik

Die Getränkeindustrie verweist auf freiwillige Massnahmen. Mit der sogenannten Erklärung von Mailand verpflichteten sich vor rund zehn Jahren 15 Schweizer Produzenten, den Zuckergehalt zu senken.

Laut Angaben der Hersteller und des Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sei der durchschnittliche Zuckergehalt bis Ende 2024 um 13 Prozent reduziert worden.

Manuela Weichelt argumentiert jedoch, es handle sich um Durchschnittswerte. Die meistverkauften Produkte seien kaum verändert worden, während neue Light-Getränke den statistischen Schnitt senkten. Transparente Verkaufszahlen fehlen.

Debatte ist nicht neu

Neu ist die Diskussion nicht. Bereits 2009 beschäftigte sich das Parlament mit Energydrinks. Damals reichte der Zürcher SP-Nationalrat Ricardo Lumengo die Motion «Schutz vor Missbrauch von Energy Drinks» ein. Sie verlangte bessere Information für Jugendliche, Warnungen vor der Kombination mit Alkohol und eine kritischere Überprüfung der Zulassung.

Der Bundesrat sah damals keinen Handlungsbedarf. Die bestehenden Warnhinweise und das Lebensmittelrecht reichten aus, hiess es. Die Motion wurde erledigt. Seither ist der Markt für Energydrinks gewachsen.

Nun liegt mit dem Postulat Weichelt erneut ein politischer Vorstoss auf dem Tisch. Er wird voraussichtlich in der kommenden Frühlingssession behandelt.