Es droht ein fataler Dürresommer – oder etwa doch nicht?

uri

27.5.2019

Die Trockenheit hat im Jahr 2018 dem Lac des Brenets zugesetzt: Boote liegen auf dem Trockenen. 
Bild: Keystone

Die Prognose eines US-Wetterdienstes für diesen Sommer besagt: Er soll angeblich noch heisser und trockener ausfallen als im letzten Jahr. Andere Experten sehen die Vorhersage aber kritisch.

Braune Wiesen, ausgetrocknete Gewässer und verdorrte Felder: Im Sommer 2018 war es nördlich der Alpen in der Schweiz seit Beginn der Messungen im Jahr 1864 noch nie wärmer.

Mit dem Steigen der Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen sanken damals die Wasserpegel in den Gewässern. Auch die Grundwasserstände gingen zurück. Zudem stieg die Waldbrandgefahr mit der Trockenheit stark an. Und auch die Landwirte hatten zu leiden. Sie mussten etwa so viel Heu einführen wie niemals zuvor.

Hitzewelle für Mitteleuropa vorhergesagt

Der US-Wetterdienst «AccuWeather» prognostizierte nun, dass es dieses Jahr für Mitteleuropa und damit auch die Schweiz noch schlimmer kommen werde. Ab Juni soll sich demnach von Westen her eine extreme Hitzewelle über Europa legen. Die Schweiz befindet sich also inmitten einer Region, in der die Temperaturen bis auf 38 Grad klettern sollen. Gerade in den Alpen herrsche dann auch grosse Waldbrandgefahr.

Die Prognose scheint zunächst in das Bild zu passen, dass Forschende von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und vom Oeschger-Zentrum der Universität Bern bereits im letzten November im Rahmen der «Klimaszenarien Schweiz» präsentierten. Aufgrund modernster Modelle und Simulationen prognostizieren sie, dass es in der Schweiz künftig deutlich trockener, heisser und schneeärmer wird. 



Auch werde man hierzulande dann häufiger mit extremen Niederschlägen zu kämpfen haben. Für Mensch und Tier bedeute der Klimawandel auch, dass man häufiger mit einem dem Sommer 2018 vergleichbaren Hitzestress rechnen müsse. Schon Mitte des Jahrhunderts sollen die Sommer durchschnittlich bis 4,5 Grad wärmer sein als heute.

Während diese Studie als Ausblick in die Klimazukunft der Schweiz dient und auch als wichtige Grundlage für eine Strategie für den Klimawandel, halten Experten die nun aus den USA kommende Prognose für unseriös.

Kritik von Experten

Reto Knutti, Klimaforscher am Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich, sagte «20 Minuten», es grenze geradezu an «Scharlatanerie», wenn man bereits im Mai eine Aussage über die Trockenheit des Sommers mache.

Ähnlich äusserte sich auch der Meteorologe Stefan Scherrer von Meteonews: «Das, was die Amerikaner da schreiben, ist höchst spekulativ», sagte er «Blick». Seriöse Meteorologen würden sich lediglich auf eine Prognose für die nächsten fünf bis zehn Tage konzentrieren, so Scherrer. Ausschliessen, dass es diesen Sommer zu einer Hitzewelle kommt, kann aber auch er nicht.

Scherrer ist es zudem wichtig, auf den Unterschied zwischen Wetter und Klima hinzuweisen. «Wenn wir diesen Sommer erneut eine Hitzewelle erleben, dann kann man das nicht einfach auf die Klimaerwärmung schieben», sagte er «Blick». Schliesslich habe es warme Sommer auch schon früher gegeben.

Von der Klimaerwärmung spreche man hingegen, wenn sich Hitzewellen besonders häuften. Und genau das habe man in den letzten Jahren beobachten können, so der Meteorologe.

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