Überlebende erzählt«Ich lag unter brennenden Menschen» – dann eilt Laëtitia (17) «ein Schutzengel» zu Hilfe
Sven Ziegler
1.1.2026
Augenzeugenvideo zeigt Feuer-Tragödie in Crans-Montana
In der «Le Constellation Bar» in Crans-Montana kam es an Silvester zu einem Brand. Mehrere Menschen sind ums Leben gekommen, bestätigt die Polizei.
01.01.2026
Nach der Tragödie in Crans-Montana VS berichten Augenzeugen von chaotischen Szenen. Anwohner schildern Explosionen, Schreie und Menschen, die in Panik aus dem Gebäude flüchteten.
In einem Sonderbericht des Fernsehsenders RTS TV schilderte der Anwohner und Augenzeuge Jeoffroy D’Amecourt, wie er mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen wurde. Auslöser sei eine Explosion gewesen, die sich für ihn deutlich von Feuerwerkslärm unterschieden habe.
In dieser Bar verstarben in der Nacht auf Neujahr dutzende Menschen.
AFP
«Es war eine Detonation, die nicht wie ein Feuerwerk klang», sagte D’Amecourt. «Dann rannten Menschen aus der Bar. Das Gebäude und auch das Nachbarhaus wurden komplett zerstört. Kurz danach trafen die Rettungskräfte ein.»
Mehrere Anwohner berichteten übereinstimmend, dass Menschen aus dem Lokal geflüchtet seien, teilweise in Panik und unter Schreien. Auf der Strasse hätten sich Verletzte befunden, die zunächst von anderen Gästen und Anwohnern betreut worden seien, bis die Einsatzkräfte eintrafen.
«Hälfte meiner Kleider war verbrannt»
Auch Überlebende schildern dramatische Szenen aus der Brandnacht.
Eine minderjährige Überlebende schildert die dramatischen Minuten in der Bar. Laëtitia, 17 Jahre alt, befand sich nach eigenen Angaben erst kurz in der Kellerbar, als die Situation eskalierte. «Etwa eine Minute bevor das Feuer ausbrach, hörte ich plötzlich ‹Feuer, Feuer›», sagte sie im Interview mit dem französischen Fernsehsender BFMTV.
Dann sei Panik ausgebrochen. «Wir rannten los. Das Feuer breitete sich sehr, sehr schnell aus, und der Rauch brannte in unseren Augen. Wir konnten nicht atmen», schilderte die Jugendliche. Sie habe zudem eine Explosion in Bodennähe gespürt. «Ich spürte sie an meinen Beinen», sagte Laëtitia. In der Menge hätten Menschen geschubst und gedrängt, «alle wie verrückt».
Laetitia, 17, überlebte das Inferno in der Bar.
Screenshot BFMTV
Besonders eindrücklich beschreibt sie die Szenen am Boden. «Ich befand mich unter drei oder vier brennenden Menschen, umgeben von toten Menschen», sagte sie. Sie habe die Hände gehoben und geschrien, bis ein ihr unbekannter junger Mann sie aus der Situation zog. «Dank ihm konnte ich entkommen, er ist ein Schutzengel», so Laëtitia.
Die 17-Jährige war laut eigenen Angaben mit zehn Freundinnen und Freunden unterwegs. «Aber nur zwei von uns sind nach Hause gekommen», sagte sie. Rund sechs Personen aus ihrem unmittelbaren Freundeskreis würden derzeit vermisst, zudem seien auch Bekannte ums Leben gekommen. «Um uns herum wurden Menschen wiederbelebt, Menschen lagen am Boden, wir wussten nicht, ob sie tot waren», schilderte sie. «Es waren schreckliche Bilder.»
«Albtraum, aus dem ich noch aufwachen muss»
Der 19-jährige Nathan Huguenin war in der Bar, um den Jahreswechsel zu feiern, sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Einen Tag später sagte er gegenüber Medien, er stehe noch immer unter Schock. «Es fühlt sich an wie ein Albtraum, aus dem ich gleich aufwachen müsste», sagte der junge Mann.
Geschlafen habe er seit dem Unglück kaum. «Ich konnte die Augen nicht schliessen. Alles kam immer wieder zurück, weil ich gesehen habe, wie Menschen reanimiert wurden. Ich habe Menschen gesehen, die schwer verbrannt waren. Ich habe gesehen, wie Menschen gestorben sind», schilderte Huguenin.
Auch Axel Clavier, der sich ebenfalls in der Bar aufhielt, berichtete von einer lebensbedrohlichen Situation. Er sei im Innern des Lokals gewesen, als das Feuer ausbrach. «Wir waren eingeschlossen. Sehr viele Menschen waren eingeschlossen», sagte Clavier.
Dichter Rauch habe die Orientierung nahezu unmöglich gemacht. «Wir konnten nichts sehen. Wir wussten nicht, wie wir herauskommen sollten», so der junge Mann. Er habe schliesslich allein einen Ausweg gesucht und ein Fenster eingeschlagen, um ins Freie zu gelangen. «Die Hälfte meiner Kleidung war verbrannt. Es war völlig surreal», sagte Clavier.
Ein von RTS veröffentlichtes Video zeigt Personen, die vor dem Unglücksort auf der Strasse liegen und von Rettungskräften sowie Zivilisten versorgt werden. Aus Gründen der Pietät verzichtet blue News auf die Veröffentlichung dieser Aufnahmen.