blue News Leser*innen zu Immobilien «Es ist purer Egoismus, wenn zwei Senioren ein Haus besetzen»

Sven Ziegler

28.8.2025

Babyboomer wollen auch im Alter noch im Haus bleiben. 
Babyboomer wollen auch im Alter noch im Haus bleiben. 
IMAGO/Zoonar

Die Diskussion um die Babyboomer-Generation und ihr Festhalten an Eigenheimen sorgt für Kontroversen. Während viele ältere Menschen ihr Zuhause als Lebenswerk verteidigen, verlangen andere mehr Platz für die jüngere Generation.

Redaktion blue News

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Viele Senioren wollen ihr Eigenheim behalten und verweisen auf jahrzehntelange Arbeit und Verzicht.
  • Kritiker sehen darin Egoismus und fordern mehr Solidarität mit jungen Familien.
  • Einig sind sich viele, dass die Politik und hohe Preise die eigentlichen Probleme sind.

Die Debatte um die Wohnsituation älterer Hausbesitzer spaltet die Meinungen der blue News Leser*innen. Auslöser ist eine Raiffeisen-Studie, die zeigt, dass Senioren ihr Wohneigentum meist behalten und damit weniger Wohnraum für jüngere Familien auf den Markt kommt.

Viele Kommentarschreiber betonen, dass sie ihr Eigenheim mit grosser Mühe erarbeitet haben. «Senioren geniessen einfach ihre vier Wände, in denen sie sich jahrelang wohlgefühlt und ihr Leben verbracht haben», schreibt A380Cap.

Auch Fewapez52 rechnet vor: «Wir bezahlen 350 Franken Hypothek pro Monat für unser Haus. Soll ich jetzt verkaufen und in eine Mietwohnung für 2000 Franken ziehen?»

Andere erinnern an den Verzicht: «Wir haben Jahrzehnte lang hart gearbeitet, jeden Franken zweimal umgedreht und auf vieles verzichtet», so bksolo. Für Holbank ist klar: «Wir Babyboomer haben jahrelang für unser Eigenheim gearbeitet und jetzt im Alter profitieren wir von tiefen Zinsen.»

Mehrfach schwingt auch der Vorwurf der «Neiddebatte» mit. «Die Schweiz, ein Volk von Neidern und Missgönnern», schreibt Pessimist.

«Platz machen für die nächste Generation»

Auf der anderen Seite fordern viele mehr Solidarität von älteren Eigentümern. Besonders provokant formuliert es Nutzer Zukunftsblick92: «Es ist purer Egoismus, wenn zwei Senioren ein Haus besetzen.»

Etwas diplomatischer meint Flioyegra93: «Es ist absolut in Ordnung, dass Einzel- oder Zweipersonen-Haushalte umdenken und ihre grossen Wohnungen jüngeren Familien überlassen.»

Auch Vunnifli32 sieht Vorteile: «Acht Zimmer putzt doch keiner gern fürs Leben. Ein Umzug bringt auch Chancen und hält fit.»

«Politik und Preise sind das eigentliche Problem»

Viele Leserinnen und Leser machen nicht die Senioren, sondern die Politik verantwortlich. «Die Preise für Grundstücke sind völlig überzogen, junge Paare können sich kein Wohneigentum mehr leisten», schreibt Deintaldast18.

Heungiha90 meint: «Die Wohnungen sind schlicht zu teuer. Schuld ist die Regierung, die keinen Wohnraum schafft.»

Andere schlagen neue Wohnmodelle vor. WillyBusch etwa: «Die Alten ziehen in die kleine Wohnung im eigenen Haus, die Jungen übernehmen die grosse. Kreislaufwirtschaft eben.»

Für die einen ist das Eigenheim Lebenswerk und Altersvorsorge, für die anderen eine verschwendete Ressource. Einig sind sich viele: Ohne mehr Angebot und bessere Wohnpolitik wird der Konflikt zwischen Alt und Jung nicht verschwinden.