Höhere Kosten und weniger Gäste «Es ist Zeit» – Beizerin in Adliswil ZH schliesst Restaurant schon Ende Monat

Sven Ziegler

12.1.2026

Das Rössli in Adliswil ZH muss schliessen.
Das Rössli in Adliswil ZH muss schliessen.
Screenshot Google Street View

Nach sechs Jahren ist Schluss: Das Restaurant Rössli in Adliswil schliesst Ende Januar. Die Gastgeberin spricht von einem schweren Entscheid – weniger Gäste, steigende Kosten und ein verändertes Ausgehverhalten hätten den Betrieb zunehmend unter Druck gesetzt.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Restaurant Rössli in Adliswil ZH stellt den Betrieb am 24. Januar ein – nach rund sechs Jahren.
  • Gastgeberin Angela Watelet nennt weniger Gäste, höhere Kosten und ein verändertes Ausgehverhalten als Hauptgründe.
  • Die Eigentümerfamilie möchte das Gebäude weiterhin gastronomisch nutzen – wie es weitergeht, ist aber offen.

Am 24. Januar gehen im Rössli in Adliswil die Lichter aus. Das Team um Gastgeberin Angela Watelet beendet den Betrieb nach rund sechs Jahren – angekündigt wurde die Schliessung kürzlich auf der Website sowie in den sozialen Medien, wie zunächst der «Tages-Anzeiger» berichtete. 

Für Watelet, bei vielen Gästen als «Angela vom Rössli» bekannt, ist es ein Schritt mit Bauchweh. «Wir haben lange gekämpft», sagt sie gegenüber der Zeitung. Den Entscheid habe sie nicht leichtfertig gefällt.

Eröffnet wurde das Rössli im Januar 2020. Watelet und ihr Partner setzten auf Schweizer Küche und wechselnde Tagesmenüs, unterstützt von einem sechsköpfigen Team. Auch Tochter Joy arbeitete mit – als Chef de Service.

Weiterer Verlauf noch unklar

An den Anfang erinnert sich Watelet noch gut: «Zum Start wurden wir fast überrannt.» Doch der Schwung hielt nicht lange. Nur wenige Wochen nach der Eröffnung folgte der Corona-Lockdown – und danach sei es nie mehr richtig geworden.

In den vergangenen Monaten habe sich die Lage nochmals verschärft: weniger Besuche, gleichzeitig steigende Kosten. «Stammgäste sagten uns, dass sie sich leider nicht mehr so viele Restaurantbesuche leisten könnten wie früher», erklärt Watelet gegenüber der Zeitung. Irgendwann habe man einsehen müssen: «Nun mussten wir einsehen, dass es Zeit ist, loszulassen.»

Was nach dem 24. Januar passiert, ist noch nicht entschieden. Klar sei nur: Der Eigentümerfamilie liege daran, dass das Gebäude weiterhin gastronomisch genutzt werde. In welcher Form, bleibt vorerst offen.

Nicht die einzige Gastro-Schliessung

Watelet blickt trotz Abschied nicht nur traurig zurück. «Es gab viele tolle Momente», sagt sie – vor allem Begegnungen mit Gästen und Musikerinnen und Musikern. Ganz vorbei ist es für sie womöglich nicht: Die Eventreihe «More Than Sounds» könnte an einem anderen Ort weiterleben, verrät sie. Spruchreif sei aber noch nichts.

In der Schweiz geraten immer mehr Restaurants unter wirtschaftlichen Druck – auch solche mit langer Tradition oder Auszeichnungen.

So wurde bekannt, dass die Winterthurer Edelbeiz «Trübli» trotz 16 Gault-Millau-Punkten verkauft wird und 2026 schliessen soll. Betreiber Alex Bindig machte hohe Investitionskosten und fehlende Einigung mit dem Hauseigentümer geltend. Auch dort hiess es: Der Entscheid sei emotional – aber wirtschaftlich kaum mehr zu vermeiden.

Ähnlich überraschend kam das Aus des Restaurants «Paradies» in Baden AG. Nur wenige Tage nach der Bestätigung von 15 Gault-Millau-Punkten zog der Betrieb per sofort den Stecker. Verantwortlich gemacht wurden akuter Personalmangel im Service sowie steigender Kostendruck. Reservierungen mussten kurzfristig annulliert werden.

Und nicht nur in Städten verschwinden Lokale: In Russikon ZH verloren die Einwohner mit der «Krone» und der «Metzg» gleich zwei Dorfbeizen. Die Betreiber sprachen offen über veränderte Essgewohnheiten, die Folgen der Pandemie – und darüber, dass sich ein klassischer Restaurationsbetrieb vielerorts kaum mehr trägt.