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Die Gemeinde Marly liegt unmittelbar südlich der Stadt Freiburg und zählt rund 9000 Einwohner*innen.
KEYSTONE
Die Gemeinde Marly verzichtet vorerst auf Gebühren für den Besuch der deutschsprachigen Schule in Freiburg. Nach Protesten wird die Einführung ausgesetzt – wie die Kosten künftig verteilt werden, ist jedoch weiterhin offen.
Die Gemeinde Marly im Kanton Freiburg verzichtet vorerst darauf, ab dem kommenden Schuljahr Gebühren für den Besuch der deutschsprachigen Regionalschule in der Stadt Freiburg zu erheben. Damit setzt der Gemeinderat die umstrittene Gebühr vorerst aus, nachdem der Entscheid in den vergangenen Monaten auf heftigen Widerstand gestossen war. Die Frage, wer die Kosten künftig tragen soll, bleibt jedoch offen. Darüber berichten die «Freiburger Nachrichten».
Auslöser der Debatte war ein Beschluss der Gemeinde Ende 2025. Damals entschied Marly, die seit Jahrzehnten bestehende kostenlose deutschsprachige Schulbildung abzuschaffen. Ab dem Schuljahr 2026/27 hätten Familien einen Anteil der Schulkosten übernehmen müssen: 1500 Franken pro Kind und Jahr, wenn dieses die deutschsprachige Regionalschule in Freiburg besucht. Bisher hatte die Gemeinde die Kosten praktisch vollständig getragen.
Die Gemeinde begründete den Schritt mit ihrer angespannten Finanzlage und geplanten Sparmassnahmen. Insgesamt sollten dadurch rund 70'000 Franken eingespart werden. Der Gemeinderat betonte zudem, der Entscheid richte sich nicht gegen die deutsche Sprache.
Die kostenlose Regelung bestand laut «Freiburger Nachrichten» seit den 1960er-Jahren. Damals hatte Marly neu zugezogenen Mitarbeitenden des Pharmakonzerns Ciba-Geigy zugesichert, dass ihre Kinder in ihrer Erstsprache unterrichtet werden können. Heute besuchen rund 100 Schüler*innen aus Marly die deutschsprachige Regionalschule in Freiburg. Die deutschsprachige Bevölkerung macht rund 18 Prozent der Einwohner*innen der Gemeinde aus.
Bei den betroffenen Familien stiess der Entscheid auf grosses Unverständnis. Sie legten gemeinsam beim Oberamt des Saanebezirks Rekurs ein und lancierten eine Petition gegen den Entscheid. Gleichzeitig wurde im Generalrat ein Postulat eingereicht.
Die Eltern erklärten gegenüber den «Freiburger Nachrichten», sie hätten ihren Wohnort bewusst wegen der kostenlosen deutschsprachigen Schulbildung gewählt. Die neuen Gebühren würden Familien mit mehreren Kindern mit mehreren Tausend Franken pro Jahr zusätzlich belasten. Einige kündigten an, einen Umzug oder einen Schulwechsel prüfen zu müssen. Zudem bemängelten sie mangelnde Transparenz seitens der Gemeinde und forderten zumindest eine Übergangsregelung für bereits eingeschulte Kinder.
Nun verzichtet der Gemeinderat für das Schuljahr 2026/27 vorerst auf die Einführung der Gebühren. Grund sei die anhaltende Unsicherheit, weil der Entscheid des Oberamts über den Rekurs noch ausstehe. Erst danach will die Gemeinde entscheiden, ob künftig die Gemeinde oder die Familien die Kosten tragen.
Die Arbeitsgruppe der betroffenen Eltern begrüsste den vorläufigen Verzicht gegenüber den «Freiburger Nachrichten» als Erleichterung. Gleichzeitig betont sie, dass der Konflikt damit nicht beendet sei. Sie fordert weiterhin eine Änderung des Schulreglements und eine dauerhafte Lösung, damit die deutschsprachige Schulbildung in Marly langfristig kostenlos bleibt.