Spott über KKS und viele Unwahrheiten Fünf falsche Aussagen, die bei Trumps WEF-Rede aufgefallen sind

Petar Marjanović

21.1.2026

Trump lästert über Keller-Sutter

Trump lästert über Keller-Sutter

US-Präsident Donald Trump kritisiert in seiner Rede am WEF die Schweizer Bundesrätin Karin Keller-Sutter scharf.

21.01.2026

Donald Trump hat in Davos eine eineinhalbstündige Rede gehalten. Mehrere Aussagen zu Handel, Grönland, Windenergie und der Nato sind jedoch sachlich umstritten oder nachweislich falsch.

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Petar Marjanović, Oliver Kohlmaier

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Trump nutzte seine Davos-Rede für eine eineinhalbstündige Machtdemonstration – und streute dabei mehrere fragwürdige oder falsche Behauptungen ein.
  • Er verbreitete erneut Spott über Karin Keller-Sutter, obwohl er es war, der das Handelsdefizit aufgebläht hat und die Schweiz damit schlechter darstellte.
  • Auch bei Windenergie, Grönland und der Wahl 2020 wich Trump teils deutlich von überprüfbaren Fakten ab.
  • Selbst beim Nato-Thema blieb er bei einer Opfererzählung, die die historische Unterstützung der Verbündeten ausblendet.

Der US-Präsident Donald Trump hat am Weltwirtschaftsforum in Davos eine mit grosser Spannung erwartete Ansprache gehalten. Die Rede war auf 45 Minuten angesetzt, dauerte am Ende aber rund eineinhalb Stunden.

Weltweit wurde sie mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, weil der autokratisch regierende Trump derzeit gleich mehrere Brandherde schürt oder bestehende Konflikte befeuert – von seinen Grönland-Fantasien bis zur Neuauflage einer Art «Monroe-Doktrin», mit der Washington anderen Staaten zunehmend den Kurs diktieren will. In der Rede fielen fünf Punkte auf, die nach Präzisierung verlangen.


«Sie hat mich schlecht behandelt.»

Für die Schweiz besonders brisant war Trumps Rückblick auf ein Telefonat mit Bundesrätin und damaliger Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter. Trump bezeichnete sie konsequent als «Premierministerin» statt als «Präsidentin» – und machte sich über sie lustig: «Die Premierministerin sagte immer – nein, nein, tun Sie das nicht, wir sind ein so kleines Land.»

Er warf Keller-Sutter erneut vor, ihn schlecht behandelt zu haben, und wiederholte die Zahl von 41 Milliarden Dollar Handelsdefizit, die die Schweiz nach Lesart seiner Regierung gegenüber den USA aufweise. Diese Zahl blendet allerdings den Dienstleistungshandel aus. Rechnet man Waren und Dienstleistungen zusammen, liegt das Defizit bei weniger als 9 Milliarden Dollar. In Trumps Wahrnehmung zählt das aber nicht, weshalb er es wohl persönlich nahm, als eine Staatschefin ihm vehement widersprach.

Auf Anfrage des «Blick» reagierte das Finanzdepartement knapp: «Wir gehen davon aus, dass die Bevölkerung in der Schweiz das einzuordnen weiss», sagt Sprecher Pascal Hollenstein.

Bundesrätin Karin Keller-Sutter stand 2025 wegen Trumps Zölle gegen die Schweiz unter Druck.
Bundesrätin Karin Keller-Sutter stand 2025 wegen Trumps Zölle gegen die Schweiz unter Druck.
sda

«Je mehr Windräder ein Land baut, desto schlechter geht es ihm und desto mehr Geld verliert es.»

Trump bezeichnete erneuerbare Energien als «Green New Scam» und nahm vor allem die Windkraft ins Visier. In Europa würden die Energiekosten steigen, weil man Windräder baue, behauptete er. Das ist so nicht haltbar. Ein aktueller Bericht der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) kommt zum Schluss, dass Windenergie weltweit rund 53 Prozent günstiger ist als die billigste fossile Alternative.

Auch Trumps zweite Behauptung ist falsch: «China stellt fast alle Windräder her, und dennoch habe ich in China keine Windparks gefunden.»

Wer in China nach Windparks sucht, muss nicht lange suchen. Das Land betreibt weltweit mit Abstand die meisten Anlagen und verfügt über rund 44 Prozent der globalen Windkraftkapazität.

China hat sehr wohl und sehr viele Windkraftanlagen.
China hat sehr wohl und sehr viele Windkraftanlagen.
Popolon/CC-BY-SA

«Wir haben Grönland an Dänemark zurückgegeben.»

Trump erzählte auch die Geschichte rund um Grönland neu – und behauptete, die USA hätten die Insel nach dem Zweiten Weltkrieg an Dänemark «zurückgegeben». Das ist irreführend bis falsch. Die Vereinigten Staaten haben Grönland nie besessen, also konnten sie es auch nicht zurückgeben. Grönland ist seit über 300 Jahren Teil des dänischen Reiches.

Worauf Trump vermutlich anspielt: Nach der deutschen Besetzung Dänemarks 1940 schloss der dänische Botschafter in Washington 1941 ein Abkommen mit den USA. Es erlaubte den Amerikanern, Basen auf Grönland zu bauen und die Insel militärisch zu schützen. Das Abkommen bestätigte ausdrücklich die dänische Souveränität – es ging um Verteidigungsrechte, nicht um einen Gebietstransfer. Nach Kriegsende blieb die US-Präsenz auf Wunsch Dänemarks bestehen (1951-Abkommen, Thule Air Base).

Auch historisch ist Dänemarks Anspruch klar dokumentiert: 1933 bestätigte der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag Dänemarks «gültigen Anspruch auf die Souveränität über ganz Grönland». Bereits 1916/1917 hatten die USA diesen Anspruch offiziell anerkannt


«2020 war eine manipulierte Wahl. Jeder weiss das.»

Trump wiederholte in Davos einmal mehr die Behauptung, die Präsidentschaftswahl 2020 sei manipuliert gewesen.

Fakt ist: Joe Biden wurde im November 2020 regulär und legitim gewählt. Über 60 Gerichtsverfahren – bis hin zum Supreme Court – scheiterten, meist wegen fehlender Belege oder fehlender Klageberechtigung. Wahlbehörden beider Parteien und unabhängige Untersuchungen kamen zum gleichen Schluss: Es gab keinen gross angelegten Betrug, der das Resultat hätte kippen können.

Selbst aus Trumps engstem Umfeld wurde die Erzählung mehrfach widerlegt. Sein damaliger Justizminister William Barr erklärte öffentlich, es gebe «keine Beweise» für einen Wahlbetrug in einem Ausmass, das den Ausgang verändert hätte.


«Wir haben nichts von der Nato erhalten.»

Trump behauptet seit Jahren, die USA seien in der Nato bloss der Zahlmeister und hätten «nichts» dafür bekommen. Das ist falsch. Für Washington ist die Nato ein zentrales Instrument militärischer Machtprojektion – und ein Pfeiler der globalen Führungsrolle der USA.

Besonders deutlich wurde der Nato-Nutzen für Washington nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001: Zum ersten und bislang einzigen Mal in der Geschichte der Nato wurde Artikel 5 ausgerufen – auf ausdrückliches Verlangen der USA.

Nato-Partner unterstützten daraufhin die Vereinigten Staaten in Afghanistan mit Truppen, Logistik, Luftüberwachung, Marinekräften und Überflugrechten. Tausende Soldaten aus Bündnisstaaten kämpften und starben an der Seite amerikanischer Einheiten. Die Behauptung, die USA hätten «nichts» erhalten, blendet diese politische und militärische Solidarität aus.

Mehrere Nato-Länder unterstützten die USA nach dem Terroranschlag am 11. September 2001.
Mehrere Nato-Länder unterstützten die USA nach dem Terroranschlag am 11. September 2001.
KEYSTONE